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Das Jahr 2023 in Listen

Wer diese Zeilen liest, hat das Jahr 2023 erfolgreich hinter sich gebracht. Herzliche Gratulation! Der Blick zurück verlangt nach Übersicht. skug gibt sie traditionell durch eine lange Liste all dessen, was schön und sinnig war.

Wieder liegt ein Jahr hinter uns, von dem man sagen darf: »Richtig schön scheiße gelaufen.« Krieg, Klimakrise und Sonstiges … skug ist schlecht im Sugarcoating, aber wir sehen trotzdem noch das kleinste Glühwürmchen im Sperrfeuer. Kann Kunst die Welt verändern? Kann Aufklärung zum Umdenken führen? Kann Diskurs Menschen zum gemeinsamen Handeln bringen? Antwort: Ja. Ganz sicher sogar. Es ist halt kein einfacher Weg. Es gibt fraglos gerade viel, was die Seele im Frust ertränken könnte, nur hinnehmen müssen wir das nicht, denn es lässt sich manches tun. Freudig haben wir auch 2023 dazu eingeladen, mitzumachen. Sei es bei unserer Straßenserie oder den Salons im öffentlichen Raum, auch wenn das Wetter nicht immer auf unserer Seite war. Wir möchten den Kulturjournalismus offener gestalten und laden zu monatlichen Treffen ein. Diejenigen, die bei »untergründlich divers« dabei waren, sind bereichert und entzückt. Warum nicht 2024 mal vorbeischauen? skug machte im letzten Jahr sogar auf Installationskunst, die sich sowohl gegen die Klimakatastrophe wirft als auch gemeinsam mit dem Zukunftsrat Verkehr nach mehr demokratischer Mitbestimmung sucht. Apropos Demokratie: Im Superwahljahr 2024 (Oooh, wird das super!) gibt es eine EU-Wahl, eine Nationalratswahl und eine Trump-Abstimmung »Sind die USA eigentlich eine Demokratie?« skug ist wieder voll dabei und wir freuen uns schon auf das nächste BAM! Wahlspecial und alle anderen Salons drinnen und draußen. So, jetzt reicht’s aber mit Ankündigungen für das kommende Jahr. Hier der Jahresrückblick XXXL, mit allem, was uns aus dem Jahr 2023 in Erinnerungen bleiben darf und sollte. Viel Spaß beim Stöbern!

Alfred Pranzls Sound- und (Geo-)Politik-Rückschau

Die Weltlage ist ziemlich düster und viele Artists meiner Auswahl beziehen diese in ihr Schaffen ein, doch generell gilt: Musik spendet Trost und Heilung. Besonders jene aus Lonnie Holleys Meisterwerk »Oh Me Oh My« und den Schmerzensliedern aus dem menschenverachtenden Hochsicherheitsgefängnis Parchman in Mississippi. Besonders herzzerreißend ist folgender Song aus dem von Produzent Ian Brennan (Tinariwen, Ustad Saami) bei einem Sunday Gospel Service aufgenommenen Fundus: »I Give Myself Away, So You Can Use Me« von einem Pianisten/Sänger, der anonym bleiben will. Unvergesslich auch der Gesang einer äthiopischen Restaurantküchengehilfin, die in Faizal Mostrixx’ »Mutations« den Verlust ihres Liebhabers beklagt. Die Reihe »Coin Coin« von Matana Roberts erzählt die Geschichte ihrer afroamerikanischen Vorfahren und zieht dabei absolut in den Bann. Das Selbstbestimmungsrecht von Frauen über den eigenen Körper ist im fünften Kapitel Leitthema ihrer Spoken Words, untermalt von oft wehmütig und immer wieder auch heftig free klingender Kakophonie aus Blasinstrumenten, Violine, Piano, Synths und Drums. Im Album-Line-up erwähnt Roberts auch Jamie Branch für »Courage 1983–2022«. Ihr Spirit ist auch auf ihrem Nachlass-Longplayer »Fly or Die Fly or Die Fly or Die ((World War))« protestgetrieben. Labelkollegin Angel Bat Dawid goes Free Gospel, die Irreversible Entanglements versprühten 2023 ebenso gerechten Zorn wie die Sleaford Mods sowie Monobrother, und selbst Johnny Batard kam nicht umhin, Irrwege des selbstbezogenen neoliberalen Zeitalters zu thematisieren. Fadi Dorninger ist mit atmosphärischen Sounds solo präsent und gern verweise ich mit unserem hochgeschätzten Linzer Promotor der Kassette auf Martin Revs »Cassette Recordings 1973–85)«. Revs Baukasten »The Sum of Our Wounds« ist ein Juwel, das eine Urversion von »Dream Baby Dream« enthält, das vor allem auch durch die schiere vokale Präsenz von Suicides’ Alan Vega zu einem der wunderschönsten Songs der Popsubkultur heranreifen konnte. Das Ende der Welt, wie wir sie kannten, ist schon Gegenwart und besonders schöne Endzeitstimmungen strahlen die Longplayer von Matt Elliott und Uruk aus. Mary Ocher gesellt sich dazu und scheut nicht Kritik. Denn Ideologien, die Empathie vermissen lassen, verstellen oft den Blick auf die brutale Realität. Unverständlich, dass selbst queere Linke die Hamas, die sie in Gaza längst ins Gefängnis gesperrt oder ermordet hätte, als Befreiungsorganisation bezeichnen.

Die Macher des Stihia Festivals in Buchara/Usbekistan hätten gern einen skug-Artikel über ihr diesjähriges Electronic Music, Arts & Science Festival auf skug.at gehabt. Der Autor dieser Zeilen machte sich gern die Mühe, die Nationalitätenpolitik Stalins anhand des Status von Karakalpakstan als nun autonomen Teil von Usbekistan zu hinterfragen. Die Missbilligung des Comeback-Stalins in Form des grausamen Putin-Regimes war wohl zuviel. Stalin schob 1923 Berg-Karabach, obwohl von 95 % Armeniern bewohnt, mit einem Federstrich der Aserbeidschanischen SSR zu. Das autoritäre Aserbaidschan, wo 2014 Österreichs Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer (exakt derselbe im Beirat der Signa, dem größten Konkursfall der Zweiten Republik) Parlamentarier honorarträchtig beraten ließ, nutzte 100 Jahre später das Window of Opportunity effektiv. Aushungern der Bevölkerung durch die Latschin-Korridorsperre, Eintageskrieg, Flucht der Arzach-Armenier vor neuerlichem Genozid. Die EU, deren Staaten nunmehr stark auf aserbaidschanisches Gas setzen, sah ohnmächtig zu. Russlands Schutzmacht-Status war Chimäre, weil Armenien zurzeit eine Demokratie ist, was Putin zutiefst zuwider ist. Außerdem hat der Angriffskrieg gegen die Ukraine nach wie vor Priorität, der Kreml setzt auf den Faktor Zermürbung, um die »Schöne« doch noch zu kriegen. Diese Tragik erfassen Thomas Nyx/Martin Philadelphy auf der CD »Woina« sehr gut. Die fatale Ursache des Leids ist bei Nikolai Epplée nachzulesen. Der russische Philologe vergleicht in »Die unbequeme Vergangenheit«, die unterschiedliche Aufarbeitung von Staatsverbrechen in Argentinien, Deutschland, Japan, Polen, Spanien, Südafrika und Russland. Eine der vielen zitierenswerten Passagen verdeutlicht die wegen staatlich sanktionierter Nichtaufarbeitung im Nachfolgestaat der UdSSR andauernden Menschheitsverbrechen, die sich auch in die DNA der Menschen Russlands einschreiben. Die Ewenen, Indigene in der sibirischen Region Jakutsk, beschreiben in ihren Erzählungen Geister, die entlang der R504 Kolyma herumirren. Diese Fernstraße im Oblast Magadan und der Republik Sacha wird auch Straße der Knochen genannt, weil die Skelette der ums Leben gebrachten Gulag-Häftlinge als Straßenunterbau verwendet wurden. In Polen wurden die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung kaum staatlich aufgearbeitet und liegen, weil es viel letale Mitwirkung von polnischen Antisemiten gab, wie ein dunkler Schatten über Polen. Deshalb schmerzen die Gedichte des Trupa-Trupa-Sängers Grzegorz Kwiatkowski im schmalen Band »brennend« enorm. »Nie wieder Faschismus«, dieser Slogan hat sich längst erübrigt, denn weltweit nehmen faschistoide Tendenzen zu, auch in den ausgehöhlten Demokratien der westlichen Industrieländer. Besonders tragisch: Die EU hintertreibt mit Eingeständnissen an den illiberalen Orbán oder das autokratische, serbische Vučić-Regime ihre Glaubwürdigkeit und weltweit unterlassen Regierungen scharfe regulatorische Gesetze gegen die Begünstigung der Mächtigen. Von Transformation des Spätkapitalismus wenig Spur. Ansteigen der toxischen Extraktion verfügbarer Rohstoffe auf Teufel komm raus …

  • Lonnie Holley: »Oh Me Oh My (Jagjaguwar)
  • Various Artists: »Parchman Prison Prayer: Some Mississippi Sunday Morning« (Glitterbeat Records)
  • Faizal Mostrixx: »Mutations« (Glitterbeat Records) 
  • Matana Roberts »Coin Coin Chapter Five… In The Garden« (Constellation)
  • Jamie Branch: »Fly or Die Fly or Die Fly or Die ((World War))« (International Anthem/!K7/Indigo)
  • Angel Bat Dawid: »Requiem for Jazz« (International Anthem/!K7/Indigo)
  • Irreversible Entanglements: »Protect Your Light« (Impulse!/Verve/Universal)
  • Sleaford Mods: »UK Grim« (Rough Trade Records)
  • Monobrother: »Mir geht’s um die Menschen« (Honigdachs)
  • Matt Elliott: »The End of Days« (Ici d’ailleurs)
  • Martin Rev: »The Sum of Our Wounds« (Bureau B)
  • Fadi Dorninger: »Atmospheric Conditions« (Base)
  • Mary Ocher: »Approaching Singularity: Music for The End of Time« (Underground Institute)
  • Keine Antwort auf Interviewfragen: Stihia Festival in Buchara/Usbekistan 
  • Arzach: Die Aushungerung und anschließende Vertreibung der Armenier
  • Thomas Nyx/Martin Philadelphy: »Woina« (Edition Nachtvogel)
  • Nikolai Epplée: »Die unbequeme Vergangenheit – Vom Umgang mit Staatsverbrechen in Russland und anderswo« (Buch, Suhrkamp)
  • Grzegorz Kwiatkowski: »brennend« (Buch, Parasitenpresse)

Mio Michaela Obernosterers Top 10 2023

Das Musikjahr 2023 hat stark angefangen: Im Februar überraschte Glüme mit einem clever durchkonzipierten Dream-Pop-Album, im März erschien der wohl bisher beste Longplayer von Lana Del Rey und im April landeten Releases von den Evergreens Daughter und Newcomerin Kara Jackson auf dem Plattenteller. Im Mai erschien das erste Album von Esben and the Witch seit fünf Jahren, mit dem die Band (auch live!) zu ihrer gewohnt guten Form zurückfindet, sowie die erste LP von Troller seit sieben Jahren, die so düster und heimelig klingt wie eh und je. Im Juli folgte das Quasi-Debüt von ANOHNI (ehemals Antony) and the Johnsons, das der albumcover- und bandnamengebenden LGBTQ-Aktivistin Marsha P. Johnson gewidmet ist und in diesem Jahr klar meine Playlist anführte. Im Oktober haben dann noch ein paar lange erwartete Releases das Plattenwerk verlassen, allen voran das seit Ewigkeiten angekündigte und endlich finalisierte Debüt von Ethan P. Flynn, die »Wiederauferstehung« von Lingua Ignota unter dem Namen Reverend Kristin Michael Hayter und der neueste Geniestreich von Elizabeth Bernholz aka Gazelle Twin, die hier klingt, als hätte sie David Bowie inkarniert. Dazwischen rotierten Ohrwürmer u. a. von PJ Harvey, Spencer Krug und Weval, aber auch von deutschsprachigen Artists wie Berq, Charlotte Brandi und Endless Wellness, von denen man in Zukunft sicher noch mehr hören wird. Dank der audiovisuellen Explosion von 3D-Schwammerln und Querflöten in der Wiener Stadthalle kann außerdem Björk von der persönlichen Konzert-Bucket-List gestrichen werden. Ob 2024 das toppen kann? Man darf gespannt sein …

Mios Top 10 Albums 2023

  • ANOHNI and the Johnsons: »My Back Was a Bridge for You to Cross« (Secretly Canadian) 
  • Daughter: »Stereo Mind Game« (4AD, Glassnote)
  • Esben and the Witch: »Hold Sacred« (Nostromo)
  • Ethan P. Flynn: »Abandon All Hope« (Young)
  • Gazelle Twin: »Black Dog« (Invada)
  • Glüme: »Main Character« (Italians Do It Better)
  • Kara Jackson: »Why Does The Earth Give Us People To Love« (September)
  • Lana del Rey: »Did You Know That There’s a Tunnel Under Ocean Blvd« (Interscope, Polydor) Review
  • Reverend Kristin Michael Hayter: »Saved!« (Perpetual Flame Ministries)
  • Troller: »Drain« (Relapse)

Mios Top 10 Tracks 2023

  • ANOHNI and the Johnsons: »It Must Change«
  • Berq: »Rote Flaggen«
  • Charlotte Brandi: »Der Ekel«
  • Daughter: »Be on Your Way«
  • Endless Wellness: »Hand im Gesicht«
  • Glüme: »Flicker Flicker«
  • Lana Del Rey: »Did You Know That There’s a Tunnel Under Ocean Blvd«
  • PJ Harvey: »A Child’s Question, August«
  • Spencer Krug: »Cry All Day«
  • Weval: »Forever«

Mios Top 10 Concerts 2023

  • Tempers, 22.05.2023, Kunstverein Gartenhaus
  • Esben and the Witch + Le Mol, 01.06.2023, Viper Room
  • The Damski + Hylut + Mme Psychosis, 09.07.2023, Donauinsel
  • Laker Herzog + Radiateur, 22.07.2023, 4lthangrund
  • Rosa Anschütz et al., 30.07.2023, Popfest, Karlskirche
  • Erstes Wiener Krandaubel Opening, 26.08.2023, Donauinsel
  • Björk, Cornucopia Tour, 19.09.2023, Stadthalle
  • Manu Delago & Douglas Dare, 10.10.2023, Konzerthaus
  • Desire Marea, 23.10.2023, Hyperreality Off Season, Chelsea
  • Rival Consoles, 02.11.2023, Grelle Forelle

Bonus: Mios Top 10 Films 2023

  • »Die Theorie von allem« (Timm Kröger, DE, AT, CH 2023) Review
  • »Femme« (Sam H. Freeman, Ng Choon Ping, UK 2023) Review
  • »Infinity Pool« (Brandon Cronenberg, CA 2023) Review
  • »Kaibutsu« (Hirokazu Kore-eda, JP 2023)
  • »Le règne animal« (Thomais Cailley, FR, BE 2023) Review
  • »Mars Express« (Jérémie Périn, FR 2023)
  • »Perfect Days« (Wim Wenders, JP, DE 2023) Review
  • »Robot Dreams« (Pablo Berger, Sara Varon, ES, FR 2023) Review
  • »Roter Himmel« (Christian Petzold, DE 2023)
  • »Vincent doit mourir« (Stéphan Castaing, FR, BE 2023)

Bonus: Mios Top 10 Series 2023

  • »Blue Eye Samurai« (Netflix, Season 1)
  • »Copenhagen Cowboy« (Netflix, Season 1)
  • »How to with John Wilson« (HBO, Season 3)
  • »Lucky Hank« (AMC, Season 1)
  • »Our Flag Means Death« (Max, Season 2)
  • »Scavengers Reign« (Max, Season 1)
  • »Silo« (Apple TV+, Season 1)
  • »The Great« (Hulu, Season 3)
  • »The Last of Us« (HBO, Season 1)
  • »What We Do in the Shadows« (FX, Season 5)

Michael Zangerls Gratis-Downloads

Musiker*innen sind wie das österreichische Gesundheitssystem – chronisch unterfinanziert. Umso mehr verdienen Bands Aufmerksamkeit, die ihre Werke gratis zu Verfügung stellen. Hier sind zehn der besten Alben aus 2023, die du kostenlos downloaden kannst. Gefällt dir, was du hörst? Dann unterstütze diese Bands mit einer Spende!

  1. Chained to the Bottom of the Ocean: »Obsession Destruction« (Redscroll)

Die perfekte Musik zur Entspannung – wenn deine Vorstellung von Entspannung ist, wie Millionäre auf dem Weg zur Titanic zerdrückt zu werden. »Obsession Destruction« bietet Sludge für Masochisten. Es ist nicht nur der beste Gratis-Download, sondern vielleicht auch das intensivste Album, das den stürmischen Fluten von 2023 entsprungen ist. Stell dich der Zerreißprobe!

  1. Parannoul: »After the Magic« (s/r)

Shoegaze, Electronica und Post Rock formen in den Händen des koreanischen Indie-Darlings Parannoul harmonische Traumwelten. »After the Magic« beschreibt das Gefühl, wenn seine letzte Note ausgeklungen ist. Lass dich verzaubern! 

  1. Hwwauoch: »Under The Gaze of Dissolution« (s/r)

Es gibt verstörende Musik und es gibt Hwwauoch. Mit »Under The Gaze of Dissolution« setzt das mysteriöse Kollektiv seinen Abstieg in den Wahnsinn fort. Eine der besten Vocal-Perfomances im Extreme Metal findest du hier.

  1. Raja Kirik: »Phantasmagoria of Jahtilan« (Yes No Wave)

Das indonesische Experimental-Label Yes No Wave stellt auf seiner Website alle seine Releases gratis zur Verfügung. So auch »Phantasmagoria of Jahtilan«, einen Fiebertraum zwischen Rave und Gamelan mit faszinierendem Hintergrund.

  1. Hellish Form: »Deathless« (s/r)

Im Juni die These aufgestellt: »Großartiges Pacing macht ›Deathless‹ zum vermutlich besten Doom-Album, das 2023 das Licht der Welt erblickt haben wird.« Im Dezember fühle ich mich bestätigt. Bilde dir selbst eine Meinung. 

  1. Wings of an Angel: »Vows And Blind Spots That Chain Us From Seeing The Ultimate Truth« (s/r)

Am 31. Oktober 2023 hat das israelische Ambient-Powerhouse Wings of an Angel vielleicht eines der interessantesten Statements zum Krieg in Gaza veröffentlicht. Statt das Leid direkt abzubilden, meditiert er über die Hilflosigkeit der Kunst angesichts des Unmenschlichen. Zum Hören und Lesen.

  1. Checkpoint 303: »Naji« (s/r)

Wer eine arabische Perspektive auf die Geschichte des Nahen Osten möchte, kann zu Checkpoint 303s elektronischer Elegie »Naji« greifen. Sie gedenkt des palästinensischen Karikaturisten Naji al-Ali, der 1987 in London ermordet wurde. Vom Mossad oder der PLO? Man weiß es bis heute nicht. Mehr Infos.

  1. Mother Bank: »Tanggung Renteng« (Yes No Wave)

Wenn mir jemand vor einem Jahr erzählt hätte, dass eine Bank – »Bank« wie in »Kreditinstitut« – einen der politisch spannendsten Releases von 2023 veröffentlichen würde, hätte ich dieser Person den Vogel gezeigt. Doch das indonesische Solidarkollektiv Mother Bank belehrt mich eines Besseren. »Tanggung Renteng« (dt. »Geteilte Verantwortung«) bietet genossenschaftliche Hymnen von Reisarbeiter*innen auf Keramik-Instrumenten. Pitch in.

  1. JPEGMAFIA x Danny Brown: »Scaring the Hoes« (s/r)

Du liebst ambitionierten HipHop? Dann wirst du es vermutlich nicht bereuen, dieser Tour de force eine Chance zu geben.

  1. Spurv – »Brefjære« (Pelagic)

Wer sich in Winterlandschaften verlieren will, ist bei den Norwegern Spurv genau richtig. Post Rock für lange Wanderungen.

PS: skug ist ein Fass ohne Boden. 2023 bin ich wohl endgültig hineingestolpert. Danke an Alfred, Ania, Beni, Caro, Christoph, David, Frank, Mio, Tom & Veri. Zusammen macht der Freifall Spaß.

Spur: B’s 2023 Vinyl

Eine Auswahl heuriger Erscheinungen – nicht ausschließlich, aber auch auf Vinyl gepresst – von Salon skug resident Spur: B. Darunter einige Scheiben aus dem nachmittäglichen Set im Garten der Zacherlfabrik beim Unsafe+Sounds Festival:

  1. Various: »The NID Tapes: Electronic Music From India 1969–1972« (The State51 Conspiracy, UK)

Neu erschienen. Immer wieder erstaunlich, wer sich in Ahmedabad, auf dem Campus des National Institute of Design, alles die Klinke in die Hand gegeben hat!

  1. Tolerance: »Divin« (Mesh-Key, US)

Wieder erschienen: Von 1981, könnte aber auch locker so tun als ob 2023.

  1. Ratkiller: »Chordial Identikit (Step By Step)« (MIDA, Estonia)

Eklektische 7″ – teilweise kann sich beim Hören unweigerlich ein Kopfnicken einstellen. 

  1. Tapes: »Not In Color« (MIDA, Estonia)

Von dem Label lässt sich blind alles kaufen. Die Tracks dieser 7″ bilden großteils den Rahmen des Zacherlfabrik-Garten-Sets, s.o.

  1. Max Watts: »Small Axe EP« (Limited Network, US)

Detroitisch. Darauf besonders gut und vertrackt: Sugarbeats & Structural Claps mit »Cauchy (Edged Out)«

  1. Cloud Management/Gavsborg: »Tempentary Dance«/»Did not make this for Jah_9 feat. Shanique Marie« (dispari, Germany)

7″ von Phuong Dans Label aus der Hansestadt: »One, two, three, four, five, six, seven, eight – NINE«

  1. Emerson Kitamura: »Covers 2003« (Bubblingnotes, Japan)

Macht Spaß! Bisschen ein japanischer Helge Schneider an der Heimorgel.

  1. Various Artists: »Muscut x Mida: Volia x Rahu« (Muscut/MIDA, Ukraine/Estonia)

Ukraine Soli-Compilation, parallel erschienen auf beiden fantastischen Labels.

  1. Various: »Test Pressing IV« (Muscut, Ukraine)

Weitere Compilation vom ukrainischen Label, derzeit in Tallinn.

  1. Collapsed Dimention Agent: »Story Of Collapsed Dimention« (collapsed.dimention, Germany)

Schöne Mischung von House, Elektro bis Breakbeats. Wer sich wohl dahinter verbirgt?

Walter Pontis’ Faves 2023

Goddess Reverend Kristin Michael Hayter »Saved« us poor sinners. »Death Is Home« when »Black Dog« is »Scaring The Hoes«. Imagine »Hackney Diamonds«, yuk, you »Hood Hottest Princess«. And »Flowers« and »Violence for Free«, my »All-American Bitch«.

Pontis’ 15 Albums 2023

  1. Reverend Kristin Michael Hayter: »Saved!« (Perpetual Flame Ministries)
  2. Petronn Sphene: »Systems of Sapphic Asymmetry« (Personal Records)
  3. Deena Abdelwahed: »Jbal Rrsas« (Infinite Music)
  4. Fatboi Sharif: »Decay« (Backwoodzstudioz)
  5. Gazelle Twin: »Black Dog« (Invada)
  6. Aïsha Devi: »Death Is Home« (Houndstooth)
  7. JPEGMAFIA x Danny Brown: »Scaring The Hoes« (AWAL)
  8. Sexyy Red: »Hood Hottest Princess« (Open Shift/Gamma)
  9. James Holden: »Imagine This Is A High Dimensional Space Of All Possibilities« (Border Community)
  10. Kevin Richard Martin: »Black« (Intercranial Recordings)
  11. Bill Orcutt: »The Anxiety Of Symmetry« (Fake Estates)
  12. raisdxnline: »First Time Dancing« (Bandcamp)
  13. Forest Swords: »Bolted« (Ninja Tune)
  14. Mercy: »John Cale« (Double Six Records)
  15. The Rolling Stones: »Hackney Diamonds« (Geffen)

Pontis’ 15 Tracks 2023

  1. Famous Sally & YB: »Wassup Gway (Live Performance/The Red Mic District)«
  2. Sexyy Red: »Looking for the Hoes (Ain’t My Fault)«
  3. Doja Cat: »Paint The Town Red«
  4. Latto: »Put It On Da Floor Again (feat. Cardi B)«
  5. Miley Cyrus: »Flowers«
  6. Coi Leray: »Players«
  7. Gazelle Twin: »Black Dog«
  8. Debby Friday: » I Got It Feat Unas«
  9. The Kills: »My Girls My Girls«
  10. Aïsha Devi: »Not Defined By The Visible«
  11. Deena Abdelwahed: »Violence for Free«
  12. Nadine Shah: »Topless Mother«
  13. Earth: »Angels (The Bug Remix feat. Flowdan)«
  14. Boldy James x Chan Hays: »Trust Issues«
  15. Olivia Rodrigo: »All-American Bitch«

Pontis’ 6 Live-Acts 2023:

  1. Petronn Sphene, 28.04.2023, Donaufestival
  2. Phew, 06.05.2023, Donaufestival
  3. Moor Mother, 13.05.2023, Porgy & Bess
  4. Kid Congo Powers & The Pink Monkey Birds, 08.11.2023, Rote Bar/Volkstheater
  5. Debby Friday, 05.05.2023, Donaufestival
  6. Xiu Xiu, 26.09.2023, Chelsea

Rainer Stummers Versuch, sich an 2023 zu erinnern

Ich kann weder Listen noch Ordnung. Und mit der Aktualität und der Gegenwärtigkeit nehm’ ich es seit der Pandemie auch nicht mehr so genau. Zwischen Dezember und Februar vergisst man immer schon leicht, in welchem Jahr man sich befindet, und im Interregnum zwischen Schwarz-Blau II und Schwarz-Blau III zu leben, heißt, die Unbeständigkeit als dauerhaft zu erfahren und noch Schlimmeres zu antizipieren. Dem Erscheinungsbild der Schrift mag es also geschuldet sein, dass das Folgende als Liste erscheint, tatsächlich ist es eher eine unvollständige Collage aus schönen Dingen aus dem vergangenen Jahr. Danke an skug für den Anlass, sie aufzuschreiben!

  • Zurzeit bester Song aus 2023: Dale Hollow: »Dead End Job« (Tender Loving Empire)
  • All-over bester Song aus 2023: Baits: »Craves« (Noise Appeal)
  • Post-Euphoria Emptyness Pick-Me-Up Film: »Reality« (von Tina Satter mit Sydney Sweeney)
  • Film-Essay des Jahres: »Patterns Against Workers« von Olena Newkryta
  • 1990er Slacker-Album des Jahres: Pardoner: »Peace Loving People« (Bar None)
  • Musikalisch-politische Genugtuung des Jahres: Dynamo Mühlschüttel: »Vom letzten Bam am Donauföd« (Pogo’s Empire)
  • War das wirklich die einzige gute Serie heuer? »Beef« von Hikari, Jake Schreier und Lee Sung-Jin
  • Guilty-Pleasure-Film des Jahres: Tyler Rake: »Extraction II« 
  • Was wäre eine Collage wie diese ohne ein wenig Politische Theorie? Paul Sörensen: »Präfigurative Politik. Eine Einführung« (Mandelbaum)
  • Meine persönliche Lieblingsrecherche des Jahres: »Das Dubai vom Weinviertel« von Michael Ortner und Matthias Winterer (»Wiener Zeitung«).
  • Traurigster Song aufgrund von Band-Auflösung des Jahres: Dilly Dally: »Colour of Joy« (self-released)
  • Pre-Javier-Milei-Abfuck-Film, courtesy of Viennale 2023: »El Juicio« von Ulises de la Orden
  • Dringendst benötigter Coversong des Jahres: Soccer Mommy: »Soak Up The Sun« (Loma Vista)
  • Fahrradinfrastruktur des Jahres (hey, das ist auch ein Kulturprodukt im weitesten Sinne): Fahrradstraße Argentinierstraße
  • Der erste Roman, den ich seit Längerem in der Hand hatte: Nikolaj Schultz: »Land Sickness« (Cambridge: Polity)
  • Show des Jahres (aber eigentlich auch weit darüber hinaus): Dry Cleaning, 24.03.2023, Flex
  • Duett des Jahres: Rett Smith & Jessica Lea Mayfield: »Cabin Song« (Redlands)
  • Zurecht mein meistgehörtes Album des Jahres: Bully: »Lucky For You« (Sub Pop)

Florian Rieders Jahresliste 2023

Es stellt sich die Frage: Ist ein 13 Minuten langes Album wirklich ein Album? Klare Antwort: Natürlich nicht. Aber darum geht’s auch nicht. Es geht um die besten Releases des Jahres und da gibt es eben das geniale Punk-Album von Duckboy, der vielen vielleicht als Ruby von den $uicideboy$ bekannt ist. Dass dieses Album aber nur auf Platz 2 zu finden ist, war zu erwarten. Zur Nummer 1 gibt es eine eigene Rezension und dort ist alles gesagt worden. Monate später trifft das alles immer noch zu und wer das Monobrother-Konzert in der Arena miterlebt hat, schwebt sowieso immer noch auf Wolke 7. Die Top 3 rundet Shogoon ab. »Märchen« ist ein unfassbar gutes Album, das zeigt, dass es auch anders geht als Modus Mio. Sollte man für die Zukunft auf jeden Fall im Auge behalten. Im Auge behalten sollte man auch Verifiziert. Mit ihrem Debütalbum »adhs« zeigt sie, wieso Frauen die Zukunft sind – nicht nur im HipHop. 2024 wird auf jeden Fall hart daran arbeiten müssen, 2023 zu übertrumpfen. Und weil bald Weihnachten ist, wünsch’ ich mir für nächstes Jahr ein Monobrother × Kamp × Fid Mella Album. Danke Christkind, dass du meine Wünsche erfüllst.

Top 10 Alben 2023

  1. Monobrother: »Mir geht’s um die Menschen« (Honigdachs)
  2. Duckboy: »tragic love songs to study to [vol. 5]« (G*59 Records)
  3. Shogoon: »Märchen« (Working Class Monopoly)
  4. Verifiziert: »adhs« (Columbia Records)
  5. $uicideboy$: »Yin Yang Tapes: Seasons (1989–1990)« (G*59 Records)
  6. Symba: »Symba Supermann« (Columbia Records)
  7. Wiki & Subjxct 5: »Cold Cuts« (Wikset Enterprise)
  8. Killer Mike: »Michael« (Loma Vista)
  9. JPEGMAFIA & Danny Brown: »Scaring the Hoes« (PEGGY)
  10. Audio88: »Schwererer Verlauf« (Normale Musik)

Honorable Mentions: Sorry Mom: »babyface« (Sorry Mom LLC) • ZSK: »Hassliebe« (Hamburg Records) • Shacke One: »Rap wie er sein sollte« (Nordachse Cashgroup)

Top 10 Songs 2023

  1. Duckboy: »my love life needs a lobotomy«
  2. Verifiziert: »adhs«
  3. Monobrother: »Nach der Panik«
  4. $uicideboy$: »Chateau Gris«
  5. Samy Deluxe: »Roter Velour«
  6. Wiki & Subjxct 5: »Silent Meeting«
  7. Audio88: »Grunwalski«
  8. Waving The Guns: »Schürhaken«
  9. Torky Tork: »Drogen«
  10. Bones: »YellowStone«

Chris Hessles Jahr 2023 in Listen 

Zehn Lang- und Kurzformate für 2023 in alphabetischer Reihenfolge.

Albums 2023

  • Aunty Rayzor: »Viral Wreckage« (Hakuna Kulala)
  • Billy Nomates: »Cacti« (Invada)
  • Billy Roisz: »Bajo« (Ventil)
  • Chrisman: »Dozage« (Hakuna Kulala)
  • CZN: »Station to Station to Station« (The Triology Tapes)
  • DJ Danifox: »Ansiedade« (Príncipe)
  • DJ MC: »Relentless« (Hyperdub)
  • Lemna: »Storytelling #2: Spiral Regression« (Reiten)
  • P.tah: »Season Finale« (Duzz Down San)
  • Svetlana Maraš: »Live performance 2019–2020« (-ous)

Singles 2023

  • BEAR1BOSS: »Interscope« (prod. Deedotwill & Rott)
  • Bktherula: »Back«
  • Blanco: »Londis«
  • Cristale: »Sing Dat« (prod. M1onTheBeat)
  • ENNY: »Charge It«
  • Little Simz: »Gorilla«
  • Lola Brooke ft. Latto, Yung Miami: »Don’t Play With It (Remix)«
  • Manga Saint Hilare & Blay Vision: »NPC«
  • Nah Eeto: »Ski Mask« (prod. Drone)
  • Nemzzz: » Nemzzz Type Beat«

Adrian Malligas Choice

Was war 2023 wieder für ein tolles Jahr für Musikfans. Es gab innovative Alben wie den Prog-Rock-Americana-Blend von Geese und gelungene Stilwandel wie bei Lil Yachtys Psychedelic LP »Let’s Start Here«. Aber auch heimische Bands brachten starke Debüts wie z. B. Cousins Like Shit mit »Avant Trash« und auch die Band Endless Wellness machte mit starken Singles auf sich aufmerksam. Folgende Liste sind meine persönlichen Alben des Jahres und Songs des Jahres, hauptsächlich aus der Sphäre der Gitarrenmusik, Americana und Indie. 

Alben des Jahres 2023

  1. Geese: »3D Country« (Partisan Records/Play it again Sam) Review
  2. Wednesday: »Rat Saw God« (Dead Oceans)
  3. Element of Crime: »Morgens um vier« (Universal Music)
  4. King Gizzard & The Lizard Wizard: »PetroDragonic Apocalypse; or, Dawn of Eternal Night: An Annihilation of Planet Earth and the Beginning of Merciless Damnation« (KGLW)
  5. Lil Yachty: »Let’s Start Here.« (Quality Control Music)
  6. Mitski: »The Land Is Inhospitable and So Are We« (Dead Oceans)
  7. Shakey Graves: »Deadstock – A Shakey Graves Day Anthology« (Shakey Graves) Review
  8. Alice Phoebe Lou: »Shelter« (Self-release) Review
  9. Unknown Mortal Orchestra: »V« (Jagjaguwar)
  10. Sufjan Stevens: »Javelin« (Asthmatic Kitty Records)
  11. Cut Worms: »Cut Worms« (Jagjaguwar)
  12. Cousins Like Shit: »Avant Trash« (Seayou Records)

Songs des Jahres 2023

  1. Mitski: »My Love Mine All Mine«
  2. Shakey Graves: »Not Wife«
  3. Geese: »Cowboy Nudes«
  4. Element Of Crime: »Dann kommst du wieder«
  5. Alice Phoebe Lou: »Lose My Head«
  6. Cousins Like Shit: »Barbie«
  7. King Krule: »If Only It Was Warmth«
  8. Kevin Morby: »This Is A Photograph II«
  9. Geese: »St. Elmo«
  10. Cut Worms: »Ballad of the Texas King«
  11. Wednesday: »Bull Believer«
  12. Chase & Status (feat. IRAH, Flowdan, Trigga & Takura: »Baddadan«
  13. Kurt Vile: »Another good year for the roses«
  14. My Ugly Clementine: »Feet Up«
  15. Endless Wellness: »Hand im Gesicht«
  16. The Tallest Man On Earth: »Henry St.«
  17. Mac DeMarco: »20200817 Proud True Toyota«
  18. Baby Keem, Kendrick Lamar: »The Hillbillies«
  19. Skrillex, Fred Again…, Flowdan: »Rumble«
  20. James Blake: »Tell Me«
  21. Miles Kane: »Baggio«
  22. The Clientele: »Fables of the Silverlink«
  23. Trettmann, KitschKrieg: »Insomnia«

Eine unvollständige Liste an Dingen, die Ulrich Musa-Rois 2023 beschäftigten

Musikalisch war für mich ein guter Teil des Jahres mit dem Erforschen des neuesten Grateful-Dead-Box-Sets ausgefüllt, das eine Serie von kompletten Konzertmitschnitten von 1973 beinhaltet. Mikaela Davis’ zweites, nach ihrer Backing-Band benanntes Album »And Southern Star«, war eine sehr schöne Neuentdeckung in den letzten Monaten. Im Bereich der experimentelleren Klänge hat mich Prairiewolfs Debütalbum schwer beeindruckt, sehr willkommen waren auch lange erwartete neue Studioalben von MV & EE, Dire Wolves und Datashock. An der Popfront hab’ ich mich in diesem Jahr auch zum ersten Mal eingehender mit dem Phänomen Taylor Swift beschäftigt und finde die Lobeshymnen durchaus gerechtfertigt. Ihr laufendes Re-Recording-Projekt erreichte heuer das beeindruckende Synth-Pop-Durchbruchalbum »1989«. Äußerst erfreulich war für mich in diesem Jahr, dass scheinbar mehr Artists aus dem Bereich der Jambands in Europa Fuß fassen. Dieses in der Nachfolge von Grateful Dead entstandene Genre erfreut sich in Amerika größter Beliebtheit, bis auf eher Blues-Rock-orientierte Vertreter*innen wie z. B. Gov’t Mule bekommt man auf unserem Kontinent seit den Phish-Tourneen in den Neunzigern jedoch relativ wenig in dieser Richtung geboten. Umso erfreulicher also, dass heuer mit Billy Strings und Goose gleich zwei große Namen der Szene auf Europa-Tour gingen. Noch erfreulicher ist, dass ich das großartige Berlin-Konzert von Goose live miterleben konnte.

Filmisch hatte 2023 auch einige Höhepunkte zu bieten, wobei Ari Asters »Beau Is Afraid«, Greta Gerwigs »Barbie« und Martin Scorseses »Killers of the Flower Moon« für mich herausragen. Erwähnt sei auf jeden Fall auch die sehr gelungene Filmadaption »Dungeons & Dragons: Honor Among Thieves« sowie Elizabeth Banks’ großartiger »Cocaine Bear«. Sehr, sehr hohe Erwartungen setzte ich an »Poor Things« von Yorgos Lanthimos, den ich vor dem Abgabetermin leider nicht mehr sehen konnte. Was Serien betrifft, war die Video-Game-Verfilmung »The Last of Us« wirklich so gut wie ihr Ruf, leider nicht mehr rechtzeitig sehen konnte ich die von mir schon sehnlich erwartete zweite Staffel von »Our Flag Means Death«, meiner Meinung nach eine der besten Serien derzeit. Im Bereich Gaming war der Siegeszug von »Baldur’s Gate 3« sehr erfreulich, vor allem wird interessant, was das für das Genre CRPG bedeutet, das bisher eher als Nischenmarkt galt. Mit Owlcats »Warhammer 40,000«-Adaption »Rogue Trader« kam vor Kurzem noch ein zweites großes und ebenso gelungenes CRPGs heraus, »Armored Core 6« lieferte hingegen den From-Software-typischen Adrenalinkick zwischen ausgedehnten RPG-Sessions. Auch an der Pen-and-Paper-Front tat sich einiges. Paizo lösten sich mit dem Remaster-Projekt für ihr System »Pathfinder, Second Edition« endgültig von den »Dungeons & Dragons«-Wurzeln und lieferte durchgängig großartige Produkte. Das Grundregelwerk »Player Core« und die Erweiterung »Rage of Elements« seien hier nur als Beispiele erwähnt. Monte Cook Gaming gelang mit »Old Gods of Appalachia« eine äußerst stimmungsvolle Umsetzung des beliebten Horror-Podcasts.

Musik (LPs/EPs/Box-Sets)

  • Grateful Dead: »Here Comes Sunshine 1973« (Rhino)
  • Mikaela Davis: »And Southern Star« (Kill Rock Stars)
  • Rose City Band: »Garden Party« (Thrill Jockey)
  • Dave Matthews Band: »Walk Around the Moon« (RCA)
  • Gov’t Mule: »Peace…Like a River« (Fantasy)
  • MV & EE: »Green Ark« (Ramble Records)
  • Prairiewolf: »Prairiewolf« (Centripetal Force)
  • Datashock: »Geltungsbereich Universum« (Bureau B)
  • Elkhorn: »On the Whole Universe In All Directions« (Centripetal Force)
  • Dire Wolves (Just Exactly Perfect Sisters Band): »Easy Portals« (Centripetal Force)
  • Son of Buzzi: »Die Hand der Riesin« (Centripetal Force)
  • Liam Grant: »Amoskeag« (Carbon Records/Feeding Tube Records)
  • Goose: »Autumn Crossing« (No Coincidence Records)
  • Taylor Swift: »1989 (Taylor’s Version)« (Republic)
  • Joni Mitchell: »Archives Volume 3: The Asylum Years (1972–1975)« (Rhino Records)

Konzerte

  • Goose, 18.10.2023, Gretchen, Berlin
  • Gov’t Mule, 09.10.2023, Globe, Wien
  • Rose City Band & Rosali, 28.05.2023, Hebebühne, Hamburg

Filme

  • Ari Aster: »Beau Is Afraid« (A24)
  • Greta Gerwig: »Barbie« (Warner Bros.)
  • Martin Scorsese: »Killers of the Flower Moon« (Paramount Pictures/Apple Original Films)
  • Elizabeth Banks: »Cocaine Bear« (Universal Pictures)
  • Christopher Nolan: »Oppenheimer« (Universal Pictures)
  • James Gunn: »Guardians of the Galaxy Vol. 3« (Walt Disney Studios Motion Pictures)
  • Jonathan Goldstein, John Francis Daley: »Dungeons & Dragons: Honor Among Thieves« (Paramount Pictures)
  • Brandon Cronenberg: »Infinity Pool« (Elevation Pictures)
  • Sam Esmail: »Leave the World Behind« (Netflix)
  • Aaron Horvath, Michael Jelenic: »The Super Mario Bros. Movie« (Universal Pictures)
  • Sam Wrench: »Taylor Swift: The Eras Tour« (AMC Theatres / Cimemark Theatres)
  • Noch nicht gesehen, aber sehr hohe Erwartungen:
  • Yorgos Lanthimos: »Poor Things« (Searchlight Pictures)

Serien

  • »The Last of Us«, Season 1 (HBO)
  • »The Righteous Gemstones«, Season 3 (HBO)
  • »Beef«, Season 1 (Netflix)
  • »Loki«, Season 2 (Disney+)
  • »The Fall of the House of Usher«, Miniseries (Netflix)
  • »Our Flag Means Death, Season 2« (max)
  • »What We Do In the Shadows, Season 5« (FX)

Video Games

  • »Baldur’s Gate 3« (Larian Studios)
  • »Armored Core 6« (From Software)
  • »Warhammer 40,000: Rogue Trader« (Owlcat Games)

Tabletop/Pen & Paper RPGs

  • Logan Bonner, Jason Bulmahn, Stephen Radney-MacFarland, Mark Seifter: »Pathfinder: Player Core« (Paizo)
  • Logan Bonner, Sen H.H.S., Jessica Redekop: »Pathfinder: Rage of Elements« (Paizo)
  • Charles Ryan: »Old Gods of Appalachia« (Monte Cook Games)

Lisa Wallersteins Jahresendzeitschokoladenseitenliste oder jingle-best, beat the pest

Sorry, liebe skuggerion*as, liebe Musikschaffende/-hörende, long time, no read. Yours truly war beschäftigt mit amtlichen Hilfestellungen, Murks, goldenen Telefonhörern, gekettet an Excel-Drachen und kämpfend mit Heißleinen gegen die Troubles der Informationsstation. Am Anfang vom Pandemie-Aus war plötzlich überall urviel los. Obwohl, man traut sich ja immer noch nicht wirklich, von einem Ende der Pandemiezeit zu sprechen, because turns out, irgendwann wird jeder jemanden kennen, wo schon wieder mit My Corona zuhaus’ liegt. Was tun mit diesem Zustand der höchsten Freiheitseuphorie und überbordenden Angeboten an aufzuholenden Konzerten, wenn man zugleich tief betrübt mit den Bauklötzchen »Ukraine-Krieg«, »Nahost-Armageddon« und »Postkapitalistische Belastungsstörung« spielen muss? Richtig, man hört Musik, denn das ist was zeitlos Wichtiges und Aufbauendes für die Menschen, von den Schlageraficionad*as bis zu den Raver*innen. Was also dieses Jahr durch meine Kopfhörer und Gehirnwindungen gelaufen ist, der musikalische Fluss der Zeit an Sand in meine verklärten Augen gestreut und mein Herz bewegt hat? Na das:

  • Sehnlichst erwartetes und stattgefundenes Konzert: King Gizzard (leider nurmehr mit einem Drummer), Support: Los Bitchos, 13.03.2023, Gasometer
  • Nicht stattgefundenes Konzert, große Vermissung: Primordial Undermind
  • King Gizzard-ähnlichster Vibe aus Europa: My Friend Peter, 02.04.2023, rhiz
  • Bestes Ramones Konzert, na, Schmäh: Shonen Knife, 22.03.2023, Chelsea
  • Bester Solo-Drummer: Ryoske Kiyasu, 10.03.2023, Central Garden 
  • Tanzbarstes Konzert: Bo Ningen, 02.7.2023, Klangfestival Gallneukirchen – Feinste Vibes all überall, ich war zeitweis’ ein Gummiball.
  • Spacigstes Konzert: Fennesz beim Popfest Wien, 28.07.2023, Kuppelsaal TU
  • Das »Näher war ich einem CAN-Live-Erlebnis noch nie«-Konzert: Didi Kern & Philipp Quehenberger, 29.07.2023, Popfest Wien, Stadtkino – Ich glaub man kann das Schnitzelfunk nennen.
  • Most Elektro-Gig der Saison: Michael Vorfeld, Glühlampenkonzert, 08.10.2023, Ruprechtskirche
  • Most Metal-Gig: Metal Mang Orkaestra, 12.08.2023, Kultursommer Wien – Das klang weitgehend hell-atmosphärisch, aber mit einer Mischung aus Drone und Noise, kurze Zeit später wie ein Gamelan-Orchester.
  • Sehr claptonisches, aber feines Zufallskonzert: Tom Portman, 25.10.2023, Ballyvaghan, County Clare, Irland
  • Bestes Small-Venue-Old-Jazzbopper-Funkadelic-Konzert: BLURT, 13.09.2023, rhiz
  • Konzert mit der größten Sound-Schwere: Sunn O))), 18.09.2023, Arena
  • Wildestes Konzert: Gnod, 22.05.2023, Venster99
  • Unerwartet gutes New-Wave/Post-Punk-Konzert: Kill Your Boyfriend, 15.04.2023, Celeste
  • Bestes Revival: Codeine, 03.09.2023, Chelsea – Herzallerliebst, feine Leut, diese älteren Herren haben’s drauf, gute Musik, bissl z’viel People, typisch Chelsea, aber verständlich, viele wollten hin.
  • Selbes Problem, selbe Kausalität, gänzlich andere Musik: Psychedelic Porn Crumpets, 13.06.2023, Chelsea – Die lustigsten Psychedelic Bands kommen derzeit aus Australien, scheint’s, und die mit der formidabelsten Musik aus Japan.
  • Zweitbestes Revival: Distorted Pony, 09.11.2023, rhiz – Ein Herr hat doch tatsächlich wie einst Scotty Rock Action Ashton bei den Stooges eine Oildrum gespielt. Beat by the barrel, sozusagen.
  • Schönstes Jazzkonzert: Joe McPhee, Susanna Gartmayer, John Edwards, Mariá Portugal, 10.11.2023, Music Unlimited, Alter Schlachthof, Wels
  • Freigiebigstes Konzert: Bill Orcutt Trio, 10.11.2023, ebenda
  • Knausrigstes Konzert: Fred Frith, 11.11.2023, ebenda

Sepp Wejwars Phanta-Noise 2023

Exkursionen in die Welt der elektronischen und der frei geformten Musik.

Die besten Lyra-8-Videos des Jahres 2023

Die Lyra-8, ein »Organismic Synthesizer«, ist wohl das kultigste Gerät von SOMA (Sound Machines). Unter den zahlreichen Versuchen, sie einigermaßen zu bändigen, haben mir die folgenden gut gefallen (keine Reihung).

Die zehn besten Impros im Rahmen von Free Forms Of Arts 

Das Kollektiv Free Forms Of Arts umfasst etwa 500 Musiker*innen, Tänzer*innen, bildende Künstler*innen aus vielen verschiedenen Ländern, die miteinander nach einer bestimmten Philosophie interagieren (keine Reihung).

Die zehn besten YouTube-Guides (Electronic Music Devices)

Es gibt keinen einfachen Synthesizer. Die meisten sind sogar urkompliziert. Zum Glück betreiben eloquente Erklärbär*innen auf YouTube überaus beliebte Kanäle. Viele Videos sind ausgezeichnet. Die Auswahl ist sehr subjektiv – und gereiht!

  1. Red means recordings: »Is This Synthesizer a Tool of the Devil?«
  2. playpm: »I decided to be a drumless drummer«
  3. Vlad Kreimer: »TERRA (SOMA lab) demo video«
  4. Blezz Beats: »Mr. Sample Tutorial | Updated Guide«
  5. Loopop: »Too much gear? Try a digital network matrix synth setup«
  6. Sutre Sound: »Techniques for a nasty modular groove«
  7. Venus Theory: »The Three F’s of Creativity: The Artists Guide to Not Giving A F*ck«
  8. Ben Jordan: »The Synth That Could Change Electronic Music«
  9. BoBeats: »19 Budget Friendly Synth & Music Production Gift Ideas«
  10. Hainbach: »The Massive Sound Of An Experimental Soviet Drum Machine From Latvia«

Die 10 besten Ableton Live Video-Lehrer:innen

Ableton Live ist für viele, auch für mich, die DAW der Wahl. Ein unglaublich reiches Programm, das Facetten und Möglichkeiten enthält, die selbst die meisten Anwendungsprofis nicht kennen, es sei denn, sie studieren bei den folgenden Damen und Herren, die sich speziell 2023 mit ihren Tutorials hervorgetan haben (Reihenfolge: Ja!).

  1. Seed To Stage
  2. Alice Yalcin Efe
  3. Thomas Foster
  4. Sinee
  5. Andrew Huang
  6. Loopop
  7. 343 Labs
  8. Ricky Tinez
  9. Audioreakt
  10. Dripsound

Peter Kaisers Jahr 2023 in Listen

Hitze, Katastrophen, Kriege, Krisen. Und trotz allem auch unbeugsam gute Musik. Das war 2023.

5 schöne Alben (alphabetisch)

  • Buntspecht: »An das Gestern, das nie Morgen wurden darfte. Ich warte« (Phat Penguin)
  • Irreversible Entanglements: »Protect Your Light« (Impulse!/Verve/Universal)
  • Jaimie Branch: »Fly Or Die Fly Or Die Fly Or Die ((World War))« (International Anthem)
  • Laibach: »Love Is Still Alive« (Mute)
  • Yves Tumor: »Praise A Lord Who Chews But Which Does Not Consume (Warp)

10 schöne neue Songs und 1 Sekunde Nostalgie (alphabetisch)

  • Arlo Parks: »Devotion«
  • Billy Nomates: »Blue Bones (Deathwish)«
  • Buntspecht: »Mojo Risin’«
  • Dead Bob: »Life Like« (feat. Selina Martin)
  • Fuzzman: »Komm wir drehn noch eine Runde«
  • Fuzzman: »You Suffer« 
  • Jaimie Branch: »Take Over The World«
  • Little Dragon: »Slugs Of Love«
  • Little Element: »Tripping In The Sun«
  • Peter Fox: »Toscana Fanboys« (feat. Adriano Celentano)
  • Yves Tumor: »Fear Evil Like Fire«

10 schöne Konzerte (chronologisch)

  • Napalm Death, 15.02.2023, Arena, Wien
  • Half Darling, 07.06.2023, Venster99, Wien
  • Voivod, 08.06.2023, Rockhouse-Bar, Salzburg
  • Anna Calvi, 16.06.2023, Lido Sounds Festival, Linz
  • Florence + The Machine, 16.06.2023, Lido Sounds Festival, Linz
  • Blurt, Mozo Mozo, 13.09.2023, rhiz, Wien
  • Matthias Kranebitter, Christopher Sturmer, Michael Höppner, Patrik Lechner, Black Page Orchestra: »Pandora«, 21.09.2023, Odeon Theater, Wien
  • Irreversible Entanglements, 08.11.2023, Porgy & Bess, Wien
  • Olga Neuwirth: Gassatim-Konzert (Wien Modern), 21.11.2023, Graben, Wien 
  • Laibach, 21.11.2023, Arena, Wien

Peter Immanuel Eichs (and friends) Top Picks 2023

2023 war nicht so strong – das kommt nicht von mir, sondern von einem meiner geliebten Friends. Ich habe eine unheimliche Schwierigkeit mit Listen, weil ich unheimlich entscheidungsschwach bin. Unabhängig von meiner Schwäche hat das Prinzip »Liste« aber auch eine Schwäche, nämlich wieder mal so eine blöde Hierarchisierung zu sein. Aber 2023 war ja nicht so strong, könnte also schwer werden … Kurze Rede, langer Sinn: Ich hab’ meine Freund*innen nach ihren Top Picks 2023 gefragt, weil ich selbst so schlecht im Listenmachen bin. Hier ist also die unsortierte Liste »Beste Alben, EPs und Singles des Jahres 2023« von mir und den Menschen, die ich lieb’ – und im Großen und Ganzen schaut’s dann doch ziemlich strong aus.

  • Anna Mabo: »Danke, gut« (Bader Molden Recordings)
  • Tristan Brusch: »Am Wahn« (Four Music)
  • Greg Mendez: »Greg Mendez« (Forged Artifacts) 
  • boygenius: »the record« (Interscope Records) 
  • Audio88: »Schwerer Verlauf« (Groove Attack)
  • Knocked Loose: »Upon Loss Singles« (Pure Noise Records)
  • Mavi Phoenix: »Biggest Asshole in the Room« (LLT Records)
  • MOLA: »Das Leben ist schön« (Eskapaden Musik)
  • Jaimie Branch: »Fly or Die Fly or Die Fly or Die« (International Anthem)
  • Tom Waits: »Rain Dogs« (2023 Remaster, Island Records UMG)
  • ssaliva: »sector6park/counterfeit« (ssaliva)
  • Blumengarten: »schönheit die in schmerzen liegt« (Two Sides & The Orchard)
  • Searows: »House Song« (Searows)

Jannik Eders Musikrevue 2023

Ich hatte mit all dem nie wirklich was zu tun, aber mir fiel kürzlich out of the blue ein, dass es mal ein Pokémon gab, das Woingenau hieß, ausgesprochen wie die Frage, die es sich selbst zu stellen schien: Wohin genau? Bitte fragt Leute mit Expertise, was Woingenau auszeichnete, mir blieb nur das Bild hängen, wie sich dieses ulkige Pokémon am Kopf kratzte und fragend krächzte: Wo-in-genau. Ich hatte ein Déjà-vu, als ich eines Tages Mitte Dezember Radionachrichten hörte, angesichts der in rascher Abfolge vermeldeten politischen Ereignisse. Ein ständiges Herummanövrieren ohne klaren Kurs, wohin genau das führen soll, weiß kein Mensch. Die deutsche Ampel legt den Haushaltsstreit bei, doch wohin genau führt die Einigung? Am Prellbock Schuldenbremse wird man künftig wohl wieder anstoßen. Auf der Klimakonferenz COP 28 einigt man sich auf den Ausstieg aus Öl, Kohle und Gas, doch wohin genau führt dieser Weg? Alles bleibt unverbindlich, und dass die Opec-Staaten die COP-28-Ergebnisse laut Nachrichtensprecher »locker« nehmen, kann kein gutes Zeichen sein. Israel würde den Krieg in Gaza laut seinem Außenminister notfalls auch ohne internationale Unterstützung führen, aber wohin genau will man damit kommen? Ja, die Hamas soll ausgelöscht werden, aber fragt mal die Amis, wie das so ist mit der Zerschlagung einer auf tiefsitzender und weitverbreiteter Ideologie fußenden Terrororganisation. Woingenau jedenfalls stellte die richtige Frage, die in der politischen Arena nicht konsequent genug mitgedacht wird: Wohin genau führen die Entscheidungen und Aktionen? In einer Welt solcher Undurchsichtigkeit bot natürlich auch im vergangenen Jahr die Musik oft befriedigendere Antworten.

  • Arooj Aftab/Vijay Iyer/Shahzad Ismaily: »Love in Exile« (Verve/Universal)

Ergreifende Verschmelzung von Jazz und Musik des vorderasiatischen Raums, die pakistanisch-stämmige New Yorkerin Arooj Aftab singt durchgehend in Urdu.

  • Big Brave: »Nature Morte« (Thrill Jockey/Indigo)

Das schon sechste hervorragende Album des kanadischen Sludge-Noise-Trios hämmert alles nieder.

  • Everything but the Girl: »Fuse« (Virgin/Universal)

Glaubst du nie, das letzte Album vom Duo aus dem britischen Hull liegt 24 Jahre zurück, fast ein Vierteljahrhundert! Mit »Fuse« aber zu hundert Prozent auf Höhe der Zeit.

  • Die Türen: »Kapitalismus Blues Band« (Staatsakt)

In gewohnter Stilvielfalt arbeitet sich die Band um Staatsakt-Gründer Maurice Summen pointiert und mitunter humoristisch (»Hätte, hätte, Blockchain-Kette«) an allerlei Blödsinn der Gesellschaft ab.

  • Joaquín Cornejo: »Más Allá Que Acá« (Yuku)

Der in Manchester lebende Ecuadorianer verflechtet Cumbia und Ambient; hier auch als Hinweis auf das spannende Prager Label Yuku gelistet.

  • Lana Del Rey: »Did you know that there’s a tunnel under Ocean Blvd« (Interscope/Polydor)

Lana Del Rey ist und bleibt eine der großartigsten Anti-Taylor-Swifts, Gott sei Dank.

  • Mandy, Indiana: »I’ve Seen a Way« (Fire Talk)

Wünsche mir von denen mal eine Live-Show in einem Technoclub.

  • Midwife/Vyva Melinkolya: »Orbweaving« (The Flenser/Deathwish)

Herausragende Kollaboration zweier Musikerinnen aus dem Genre Spectra (ein Learning 2023, so nennt man mittlerweile nämlich diesen ätherischen Sound aus Ambient, Experimental und Klassik).

  • Nabihah Iqbal: »Dreamer« (Ninja Tune/Rough Trade)

Zweitalbum der Londonerin zwischen Shoegaze in der Tradition der gleich folgenden Slowdive und minimalistischem Electro-Dream-Pop mit Spoken Word.

  • Slowdive: »Everything Is Alive« (Dead Oceans/Cargo)

Neben Yo La Tengos »This Stupid World« die Konsensplatte für Indie-Fans alter Schule. Allein dafür, nach so langer Bandgeschichte so unverbraucht zu klingen, gehört der Hut gezogen.

Holger Adams Tonträger-Best of 2023

Meine Liste ist üblicherweise kommentiert. Das fiel mir dieses Jahr schwer, also lasse ich es bleiben.

Neuveröffentlichungen

  • Wayfarer: »American Gothic« (Profound Lore/Century Media)
  • Lankum: »False Lankum« (Rough Trade)
  • Brighde Chaimbeul: »Carry Them With Us« (Tak:til)
  • Kali Malone, Lucy Railton, Stephen O’Malley: »Does Spring Hide Its Joy« (Ideologic Organ)
  • Daniel Bachman: »When the Roses Come Again« (Three Lobed)
  • Razen: »Postcards Hereafter« (Important)
  • Meg Baird: »Furling« (Drag City)
  • The Necks: »Travel« (Northern Spy)
  • Jim O’Rourke: »Hands That Bind« (Drag City)
  • Sarah Davachi: »Long Gradus« (Late Music)

Archiv- und Wiederveröffentlichungen

  • Abdul Wadud: »By Myself« (Gotta Groove)
  • John Fahey: »Proofs & Refutations« (Drag City)
  • Pharoah Sanders: »Pharoah« (Luaka Bop)
  • Nicole Lachartre: »Mundus« (Metaphon)
  • 75 Dollar Bill: »Power Failures« (Karl Records)
  • Suzanne Langille, Andrew Burnes, David Daniell & Loren Connors: »Let the Darkness Fall« (Recital)
  • Milford Graves with Arthur Doyle and Hugh Glover: »Children of the Forest« (Black Editions Archive)
  • Ash Ra Tempel: »Ash Ra Tempel« (MG.Art)
  • Nikolaus zu Utermöhlen: »Karlsbad« (La Scie Dorée)
  • Hawkwind: »Space Ritual. 50th Anniversary Edition« (Atomhenge)

Musik aus 2023, die Lutz Vössing gut fand

Das Jahr war vor allem ein Bücherjahr, vor allem derer aus dem Verbrecher-Verlag, aber auch Musik half manchmal als Sedierung und Energetisierung. Gefühlt teilt sich das Jahr musikalisch wie auch in der Zivilisation manichäisch, also in Ambient-abstrakt oder Hart-auf-die-Fresse, die Liste zeigt dann doch ein etwas ausgewogeneres Bild:

  • Quadratschulz: »Halo Welt« (Analogical Force)
  • Sufjan Stevens: »Javelin« (Asthmatic Kitty)
  • Jeromes Dream: »The Grey in Between« (Iodine)
  • Neil Young: »Chrome Dreams« (Reprise)
  • Trhä: »Rhejde qhaominvac tla aglhaonamëc« (Flowing Downward)
  • Laurent Garnier: »33 tours et puis s’en vont« (COD3 QR)
  • Ostraca: »Disaster« (Skeletal Lightning)
  • Damien Jurado: »Sometimes You Hurt the Ones You Hate« (Maraqopa)
  • Eli Keszler: »Live« (LuckyMe)
  • Foo Fighters: »But Here We Are« (RCA)
  • Lonnie Holley: »Oh Me Oh My (Jagjaguwar)
  • Aïsha Devi: »Death is Home« (Houndtooth)
  • Interna: »Nach Außen Konziliant« (Waldinsel Records)
  • The Necks: »Travel« (Northern Spy)
  • Yo La Tengo: »This Stupid World« (Matador Records)
  • Shuta Hasunuma: »Selves« (Virgin)
  • From Overseas & zakè: »Demain, dès l’aube« (PITP)
  • Les Rallizes Dénudés: »BAUS ’93« (Tuff Beats)
  • Oren Ambarchi, Johan Berthling, Andreas Werliin: »Ghosted« (Drag City)
  • Marja Ahti: »Tender Membranes« (Black Truffle)
  • Paavoharju: »Yön mustia kukkia« (Fonal Records)
  • Berke Can Özcan featuring Arve Henriksen & Jonah Parzen-Johnson: »Twin Rocks« (Omni Sounds)
  • Keiji Haino & Guro Moe: »Drums & Octobass« (Conradsound)
  • Maria BC: »Spike Field« (Sacred Bones)
  • Joanna Sternberg: »I’ve Got Me« (Fat Possum)
  • Buice: »One Day You’ll See the Sun« (Familiar Face Records)

Drehli Robnik aus Wien-Erdberg poppt auf

Aus Zeitgründen unterbleibt eine Kinoliste, jene für Pop aber geht sich grad noch aus.

Aktülle Lieblingslangspielplatten von Drehli Robnik (alfabetisch)

  • Bad Weed: »II« (Siluh Records)
  • Bipolar Feminin: »Ein fragiles System« (Buback/Indigo)
  • Daphni: »Cherry« (Jialong/Alive) – Ja, eh, ist schon vom Vorjahr, aber mit vertretbarem MHD.
  • H31R: »Head Space« (Big Dada)
  • Kelela: »Raven« (Warp)
  • Little Simz: »No Thank You« (Forever Living Originals/AWAL)
  • Monobrother: »Mir geht’s um die Menschen« (Honigdachs)
  • Billy Nomates: »Cacti« (PIAS/Invada/Rough Trade)
  • Pink Pantheress: »Heaven Knows« (300 Entertainment)
  • Sleaford Mods: »UK Grim« (Rough Trade)
  • Yves Tumor: »Praise A Lord Who Chews but Which Does Not Consume« (Warp)
  • US Girls: »Bless this Mess« (4AD)
  • Young Fathers: »Heavy Heavy« (Ninja Tune)

Aktülle Lieblingslieder von Drehli Robnik (alfabetisch)

  • Bad Weed: »I Don’t Read«
  • Belle & Sebastian: »I Don’t Know What You See in Me«
  • Bipolar Feminin: »Wie es ist«
  • Dexy’s: »I’m Going to Get Free«
  • Euroteuro: »Past Life«
  • Jockstrap: »Sexy«
  • Little Simz: »Broken«
  • Liz Metta: »Batik«/»Clouds« (ex aequo)
  • Monobrother: »Kreisverkehr«
  • Billy Nomates: »Blackout Signal« (vermutliches Lieblingslied 2023)
  • Salamirecorder & The Hi-Fi Phonos: »Can’t You See«
  • Yves Tumor: »Operator«
  • Young Fathers: »Holy Moly«

Beste Konzerte 2023 

  1. Monobrother, 25.10.2023, Albumpräsentation, Arena, Wien
  2. Billy Nomates, 27.04.2023, O2 Forum Kentish Town, London (ex aequo)
  3. Frau Sammer, 27.07.2023, Kultursommer, Mortarapark, Wien (ex aequo)
  4. Mermaid & Seafruit, 26.08.2023, Gürtel Nightwalk, rhiz, Wien
  5. Bad Weed, 08.09.2023, Waves Festival, Chelsea, Wien

Weiters sehr gut waren: UK Subs (Arena, Wien), Bad Weed (Venster99, Wien), Dry Cleaning (Flex Café, Wien), Black Lips (Heaven, London), Bad Weed (Chelsea, Wien), Melvins (40th Anniversary Tour, Arena, Wien), Salamirecorder & The Hi-Fi Phonos (Waves Festival, Chelsea, Wien), Liturgy (Arena Kleine Halle, Wien), IDKLANG (rhiz, Wien), Mermaid & Seafruit (Schlor, Wien), Sleaford Mods (Arena, Wien), Jockstrap (Säälchen, Berlin), Stefanie Sourial als Dr. Freud, Sodom Vienna Revue (brut Nordwest, Wien), Bruch (Sonntagsdisco, flucc Deck, Wien)

Jenny Legenstein über das (relativ) Positive am Jahr 2023

2023 war definitiv (wieder) ein Jahr, auf das man nicht gerne zurückblickt: Mehr Krieg, mehr Faschismus, mehr Erderwärmung, mehr Umweltzerstörung … irgendwie geht einem langsam die Luft aus. »Ich vermisse das Positive«, zitiere ich Dieter Hallervorden in einer unsäglichen Rolle in einem unsäglichen Didi-Hallervorden-Film. (Tja, 1980er-Jahre-Humor war ganz eindeutig anders und aus heutiger Sicht, also aus meiner Sicht jedenfalls, überhaupt nicht witzig.) Also, das Positive am Jahr 2023. Hm. Der Keller im Wohnhaus meiner Mutter wurde im Sommer dreimal überschwemmt (Kanalrückstau wegen Starkregen, bäääh!) Das Positive daran: Es sind dabei nur Sachen kaputt geworden, die eh schon seit Jahrzehnten weggeworfen werden hätten sollen (Schulsachen 1977–1989, alte Zeitungen, Zeitschriften und Kalender, Heimatromane, Gebetsbücher, eine Heizdecke, ein Ölradiator, ein Staubsauger, für den es keine Beutel mehr gibt, ein Kühlschrank Type »Eskimo« und eine Wäscheschleuder »Thomas«).

So also geht »positiv« 2023. Es ist etwas passiert, aber es hätte schlimmer sein können. Zur Weltlage und zur Politik möchte ich mich gar nicht äußern, um meine Jahresenddepression nicht zu triggern. Da schließe ich mich nur der Christtagsrede von Papst Franziskus an: »Pace!« – und das als eine, die Gebetsbücher im Keller verschimmeln lässt. Raunzen und Jammern wurde uns echt leicht gemacht in diesem Jahr. Und der Stoff zum Sudern wird uns 2024 sicher auch nicht ausgehen. Erfreuen wir uns also an den Festen, wie sie fallen, der Musik, wo sie tönt (außer sie erklingt heimatlich-nationalistisch), an allem, was gut, schön, edel, umweltfreundlich ist – so ungefähr halt. Mein Vorsatz, wie jedes Jahr, ist mehr lesen, mehr Filme schauen, öfters auf Konzerte gehen. Ja, eh, es gibt auch langweilige Bücher, schlechte Filme und öde Bands, aber um die soll es hier nicht gehen, denn das hier ist schließlich »das Beste aus 2023« (wie immer vollkommen subjektiv, eklektisch und alphabetisch geordnet).

Literatur

  • Alina Buschmann, Luisa L’Audace (Hg.): »Angry Cripples. Stimmen behinderter Menschen gegen Ableismus« (Leykam 2023)

»Bücher behinderter Menschen verdienen einen Platz in den Bücherregalen dieser Welt!«, heißt es im Prolog dieses Must-Read-Books – genauso ist es. 

  • Lukas Cejpek, Kreidl, Margret (Hg.): »Wien, Schwedenplatz polyphon« (Sonderzahl 2023)

Treffpunkt, Umsteigeterminal, Eis- und Fastfood-Versorgungsstelle, eingequetscht zwischen Schienen, Durchzugsstraße und Innerer Stadt: Wiens Schwedenplatz. Über 100 Autor*innen machen sich Gedanken über diese seltsame Gegend.

  • »Dossier« No. 11, 11/2023: »Behinderungen am Arbeitsmarkt. Österreichs Irrweg« in Zusammenarbeit mit dem inklusiven Magazin »andererseits«.

Hierzulande werden Menschen mit Behinderung in Sonderschulen und später in »geschützten Werkstätten« versteckt, das ist Diskriminierung mit System und hochgradig menschenrechtswidrig.

  • Ilse Kilic: »Das Schlaue vom Himmel. Eine Versuchsunordnung« (Ritter Literatur 2023)

Mimi La Whipp, Privatgelehrte, ist auf der Suche nach der Theorie von Allem. Dabei tauchen ein*e Leser*in unbestimmten Geschlechts, Suzie Traktor (literarische Beraterin), eine psychologische Beraterin sowie die Autorin Ilse Kilic und eine Menge anderer Figuren auf. Wer wissen möchte, was literarische Figuren treiben, wenn sie gerade nicht im Einsatz sind, Zeichnungen von Ilse Kilic liebt, und es aushält oder sogar mag, wenn Texte weder Erzählung noch Roman und nicht nach Schema F mit Anfang-Mitte-Schluss inkl. Auflösung gebaut sind, aber dafür alle Arten von Literatur enthalten, dessen Lektüre ist das.

  • Silke Ohlmeier: »Langeweile ist politisch. Was ein verkanntes Gefühl über unsere Gesellschaft verrät« (Leykam 2023)

Ausgehend von eigenen Erfahrungen (Lehre als Industriekauffrau) schreibt die Soziologin Silke Ohlmeier anschaulich und ganz und gar nicht langweilig über Fadesse.

  • Petra Sturm: »Cenzi Flendrovsky. Eine Bicycle Novel«, illustriert von Jorghi Poll (Edition Atelier 2023)

Die Wienerin Crescentia »Cenzi« Flendrovsky war eine erfolgreiche Pionierin des Frauenradrennsports. Die Journalistin und Expertin der Radgeschichte Petra Sturm recherchierte zu Cenzi Flendrovsky, die 1900 mit nur 28 Jahren an den Folgen eines Radunfalls starb.

Literarische Entdeckungen:

  • Tsitsi Dangarembga: »Nervous Conditions« (Ayebia Clark Publishing 2004, Erstausgabe bei Women’s Press 1988)

Coming of Age in Zimbabwe der 1960er-Jahre: Eine junge Frau erkämpft sich Bildung und Freiheit in einer Gesellschaft, die von Tradition, Christentum und Kolonialismus und Rassismus geprägt ist. Teil 1 der teilweise autobiografischen Trilogie der Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga (Teil 2: »The Book of Not« 2006, Teil 3: »This Mournable Body« 2018).

  • Isaac Asimov: »The Gods Themselves« (Gollancz, Erstausgabe bei Doubleday 1972)

Als plötzlich ein chemisches Element auftaucht, das in unserem Universum gar nicht existieren dürfte, scheinen alle Energieprobleme gelöst zu sein. Dass das Wunderding unsere Welt zerstören könnte, wird unter den Teppich gekehrt. In dem Paralleluniversum, aus dem das Element kommt, gelten nicht nur andere Naturgesetze, auch Gesellschaftsordnung und Gender weichen von bekannten Gegebenheiten ab. Asimovs Roman spielt in unserer und einer anderen Welt, ist Sci-Fi-Abenteuer, Dystopie/Utopie sowie Satire auf den Wissenschaftsbetrieb. Die über 50 Jahre seit Erstveröffentlichung merkt man dem Buch nicht an. Es ist aber ein Beispiel dafür, dass manche Texte unabhängig von ihrem Autor gelesen werden müssen. Gegenüber Frauen war Asimov oft übergriffig, befummelte und küsste Frauen des Öfteren ohne deren Einwilligung. »The Gods Themselves« beweist, dass er über sein enges Geschlechterschema hinausdenken konnte.

Kino

Doku von Bianca Gleissinger über die Bewohner*innen von Harry Glücks Megawohnbau im Süden Wiens.

Doku von Laura Poitras über die amerikanische Fotografin und Politaktivistin Nan Goldin. Autobiografisches und der Kampf der Künstlerin gegen die »toxische Philanthropie« der Sackler-Familie (Mäzene zahlreicher Museen und Kultureinrichtungen weltweit), ehemals Eigentümer jenes Pharmazie-Unternehmens, das für die Opioid-Krise verantwortlich ist.

Spielfilm von Sudabeh Mortezai. Der Film begleitet eine junge Managerin, die im Auftrag eines Konzerns namens »Europa« in Albanien Kleinbauern zum Verkauf ihres Landes überreden soll. Sudabeh Mortezai beleuchtet die dunklen Seiten des Kapitalismus.

Doku von Karen O’Connor, Miri Navasky, M. O’Boyle. Die Folklegende gewährt tiefe Einblicke in ihre Biografie und ihr Leben heute.

Doku von Evelyne Faye. Die Tochter der Regisseurin wurde mit der Diagnose Trisomie 21 geboren. Doch jede*r ist was ganz anderes als eine Diagnose. Junge, selbstbestimmte Erwachsene mit Down-Syndrom im Porträt. 

Spielfilm von Franziska Pflaum. Supermarkt-Kassiererin Annika (Stefanie Reinsberger) träumt von einer wunderschönen maßgeschneiderten, aber leider sehr teuren Mermaid-Flosse. Weil eigentlich eh alle bescheißen, entwickelt auch Annika kriminelle Energien.

Doku von Andrei Schwartz. Wie leben rumänische Roma in Hamburg und in Rumänien?

Spielfilm von Sophie Linnenbaum. Nur wenige haben das Zeug und die Chance auf eine Hauptrolle, die allermeisten Menschen leben als »Ordinaries«, Statist*innen, farblos, geistlos, langweilig. Und wird wer rausgeschnitten, ist sowieso alles vorbei. Leben wie im Film ist in diesem Streifen das echte Leben. 

Retrospektive:

Ein kleiner Mann mit großen Augen aus der österreichisch-ungarischen Provinz wird zum Weltstar. Meist in Nebenrollen besetzt, konnte Peter Lorre selbst B-, C- und D-Filmen Niveau verleihen. Das kurze glückliche/unglückliche Leben des 1929 als Lázsló Löwenstein Geborenen dauerte nur 59 Jahre. Zum Glück sind viele der kinematografischen Werke, in denen er mitwirkte, immer wieder in Retrospektiven zu sehen. Und wenn gerade keine Filmschau zu Ehren Peter Lorres läuft oder »Arsen und Spitzenhäubchen« (1944, Regie: Frank Capra) im TV gespielt wird, bietet YouTube jede Menge Lorre-Movies.

Ausstellung

Künstlerische, emanzipative, antikoloniale, nichtwestliche Zukunftsvisionen im Weltmuseum Wien. Bis 9. Jänner 2024.

Das Belvedere 21 zeigt eine Gesamtschau der Pionierin und Grand Dame österreichisch-feministischer Avantgarde-Kunst. Bis 3. März 2024.

Tonträger

  • Hilde Marie Holsen: »Ediacara« (Pelun)

Die norwegische Trompeterin improvisiert live, inspiriert durch Flora und Fauna früher Erdzeitalter.

  • Mos: »mnemonic« (col legno music)

Jazziger Ambient-Sound, mal langsam, mal leicht hektisch, meist melodisch, hin und wieder mit Irritationsmomenten.

  • Roland Schappert »Route 2« (R-ecords)

Minimal Techno, knapp nicht discotauglich.

Konzert

  • Stimmgewitter Augustin & Friends, Abschiedskonzert, 16.03.2023,TAG 

Schön war’s, ein bisschen traurig war’s auch. Ciao, Stimmgewitter!

  • Puke Puddle, 02.12.2023, EKH Wien
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