Various Artists

»Boombox 3 – Early Independent HipHop, Electro And Disco Rap 1979–83«

Soul Jazz Records

Mit »Boombox 3« haben die geneigten Hörer*innen – so sie auch die beiden Vorgänger-Compilations »Boombox 1« und »Boombox 2« ihr Eigen nennen – nun 49 exzellente HipHop-Tunes der ersten Stunde oder, wie SJR-Chef Stuart Baker im Booklet der aktuellen »Boombox«-Doppel-CD schreibt, »der ersten Welle von Rap auf Vinyl«. Das war die Zeit nach »Rapper’s Delight« aus den Sugar Hill Studios von Sylvia Robinson, einer erfolgreichen R’n’B- und Soul-Sängerin (»Love Is Strange«, »Pillow Talk«), Label-Chefin (Platinum Records) und Produzentin (The Moments, Grandmaster Flash and the Furious Five …), die später den Kosenamen »Mother of HipHop« bekam. In jenen Jahren, denen sich auch die »Boombox«-Serie widmet, kam der Soundtrack zu den Raps noch nicht von der »Maschine«, sondern von Studiobands, die zumeist (Versatz-)Stücke bekannter Disco- und Funk-Hits spielten. Um diese frühen Jahre ranken sich, wie sollte es anders sein, eine Menge »Gründungssagen« – eine Art Mythologie, im Grenzbereich von Möglichem und Tatsächlichem angesiedelt. Dabei stellt sich – mit fortschreitendem zeitlichem Abstand – immer weniger die Frage nach Wahrheitsgehalt und Plausibilität, epische Dichte und Überhöhung der Personen und Vorkommnisse bedienen Fans und Märkte. So fügt nun auch Stuart Baker (im Booklet) eine neue Strophe zum »Epos« des HipHop hinzu. Mit einem Stromausfall im New York von 1977 wird dieses Mal nicht der Babyboom im darauffolgenden Jahr erklärt, sondern die »Demokratisierung der DJ-Kunst« durch das Plündern von Verstärkern usw. aus Elektrogeschäften im Schutz der Dunkelheit. Dean Rudland schreibt im Beitext zur Compilation »Westbound Super Breaks« (2018): »Die Geschichte der Erfindung von HipHop wurde so oft wiedererzählt, dass sie ein Eigenleben entwickelt hat … die historische Genauigkeit wurde (dabei) der künstlerischen Vision geopfert.« Was uns realiter bleibt, ist aber das Wesentliche: die Musik! Und die war neu, frisch und lebendig. Die Lyrics waren zumeist simple Reime, ihre Kunstfertigkeit lag im Vortrag. Die Musik hatte einen starken Bezug zu Funk, TwoStep/Boogie, GoGo und Disco (in dieser Reihenfolge). Die Auswahl der Acts bzw. Songs auf »Boombox« ist sensationell, sowohl was ihre Qualität als auch ihren Anspruch auf »Rare Groove« betrifft. Eigentlich stellt diese Musik keine »erste Welle« von HipHop/Rap dar, sondern ein kurzes und eigenständiges Genre.