Various Artists

»Alefa Madagascar! Salegy, Soukous & Soul from the Red Island 1974–1984«

!K7/Strut/Hoanzl

Das Label Strut setzt die mit »Soul Sok Séga« (2016) und »Oté Maloya« (2017) begonnene Dokumentation der populären Musik der ostafrikanischen bzw. ozeanischen Inseln Mauritius, Reunion und Madagaskar nun mit einer weiteren essentiellen Compilation fort. »Alefa Madagascar!« eröffnet – etwas unvermittelt und unerwartet – mit Jean Kelys ruppigem Salegy-Rock »Andosy Mora«, was von dem, was auf diesem Album noch folgen wird, den falschen Eindruck vermitteln könnte. Wir befinden uns zwar in den Siebzigern, aber die Fusions, die hier zu hören sind, haben in erster Linie panafrikanische Dimensionen. Schon der zweite Song, Los Matadores’ »Andema Manarato«, führt uns nämlich zu den südafrikanischen Townships und der dritte, Soymangas »Moramora Zoky«, weiter in Richtung Kongo. Einflüsse der populären Musik Malawis und Zimbabwes sind durchaus auch hörbar. Dabei bleibt aber der Pop der Townships der Siebziger, auch Township Jive oder Mbaqanga genannt, der seinerseits von der Rumba congolaise und insbesondere deren Nachfolgestil Soukous bzw. Gitarren-Soukous beeinflusst war, der dominierende Einfluss auf dieser madegassischen Compil. Neben den swingenden Gitarren, dem funkigen Bass, den prägnanten, gelegentlich marschierenden Drums ist es insbesondere der schwere, beinahe allgegenwärtige Orgel-Groove, den so viele afrikanische Bands der Siebziger favorisierten, der den Sound bestimmt. Bei aller stilistischen Ähnlichkeit mit Township Jive oder Soukous, Songs wie »Ngoma Moé« von Papa James oder »Soaliza« von der Terak Anosy Group würde der*die geneigte Hörer*in, wiewohl sich diese Kategorisierung spontan immer wieder aufdrängt, letztlich doch nicht den südafrikanischen »Nachbarländern« zuordnen, da die Musik Madagaskars durchwegs eine entscheidende Nuance anders intoniert und rhythmisiert ist. Selbst wenn sie nach Sega, der populären Musik der Nachbarinseln Reunion und Mauritius, klingt, ist die Rhythmik Madagaskars eine andere, etwas rauer, schroffer. Salegy eben.