Mats Gustafsson

»Baro 101«

Terp Record

Und wenn in der modernen, improvisierten Musik gar nichts mehr hilft, weil man mit der elektroavantgardistischen Nabelschau einfach nicht vom Fleck kommt, ist es wohl am Besten, wenn Jazzer und Jazz Urlaub von sich selbst machen. In Äthiopien etwa. Dorthin zieht es die umtriebigen »Anarchopunker« The Ex immer wieder, zuletzt mit ihrem »Free the Jazz Saxophone« Projekt. Nach einer kreativen Woche miteinander setzten sich der Freejazz-Drummer Paal Nilssen-Love, der Krar-Spieler Mesele Asmamaw und der vielbeschäftigte Baritonsaxophonist Mats Gustafsson ins Hotelzimmer 101 im Baro Hotel in Addis Abeba, um zu jammen was das Zeug hält. Herausgekommen ist »Baro 101«, eine Session mit viel Spiellaune und dem gewissen, regionalen Extra. Nicht, dass diese CD darum einfacher zu hören oder eingängiger wäre als das übliche, transglobale Laptop-Knistern, aber die gegenseitige Beeinflussung grundverschiedener Musikkulturen, die sich im freien Spiel auf vielfältigste Weisen verknüpfen, wird vor allem im zweiten Teil der CD zur spannenden Hörerkundung. Und wenn sich Mesele Asmamaw nach gut 30-minütigem Jam schlie&szliglich so »free« fühlt, eine äthiopische Volksweise anzustimmen, dann lichten sich plötzlich die Wolken der virtuosen Verkopfung und die Sonne geht auf ??