Jono El Grande

»The Choko King«

Rune Grammofon

Wieder mal Norwegen. Und wieder mal das Rune-Grammofon-Label. Die haben ja den Tick, bei jeder CD, gleich welcher Artwork das Cover ziert, dieselbe Schriftart und -grö&szlige zu verwenden. Corporate Design in der Nordic-by-Nature-Fassung. Nur hin und wieder gibt es eine Ausnahme. Bei Jono El Grande zum Beispiel. Wohl weil der Mann insgesamt eine Ausnahme ist. Selbst in der breit gefächerten norwegischen Experimentalszene gilt der autodidaktische Allesmacher (und wohl auch -könner) als krasser Au&szligenseiter, der Freejazz und Ambient mit Zappa und Vaudeville mixt. Das gilt gerade für »The Choko King«, da hier unterschiedlichste Aufnahmen (von Homerecordings über Live- bis hin zu Studioaufnahmen) aus den Jahren 1995 bis 2008 kompiliert wurden. Also rast der unbescholtene Hörer ohne Vorwarnung durch eine neodadaistische Geisterbahn der Musikgeschichte. Mal glaubt man sich in einen Charlie-Chaplin-Film mit Free-Jazz-Begleitung versetzt, mal quillt hysterischer Nonsense in gefaktem Deutsch hervor (ein Stück namens »Pfote-Brei«, aber Hallo!), mal scheint die Drehorgel im Zirkus der Werte zu explodieren, während verkokste Gogo-Tänzerinnen auf den Tasten einer kaputten Kirchenorgel einen Psychoshuffle steppen. Dabei gibt sich Jono El Grande zu keinem Zeitpunkt irgendwelchen atonalen, disharmonischen oder elektrosphärischen Gemeinplätzen hin. Derlei Fragmente zeitgenössischer Experimentalmusik tauchen zwar auf, aber nur um mit hysterisch-schalkhaftem Gegacker in 1.000 Stücke zerrissen zu werden. Was »The Choko King« freier, innovativer, aber eben auch kranker und abgehobener macht als die üblichen, bis zur Belanglosigkeit unterkühlten Seas of Sound der Elektroavantgarde. (Eben drum: Ein Au&szligenseiter unter Au&szligenseitern.) Dass sich dafür zu Recht ein immer grö&szliger werdendes Publikum findet, zeigt nicht zuletzt die Publikumsresonanz bei den Live-Tracks des Albums. Tja. Die geneigten HörerInnen wollen endlich wieder so richtig von den Socken gerissen werden, selbst wenn diese Socken aus violettem Stacheldraht gestrickt sind. Fazit: »The Choko King« ist so krank wie Musik nur sein kann. Wer für 2012 vorhat (könnte ja sein), wenigstens eine CD durchzuhören, die das Hirn so richtig durchspült, der ist hier richtig. Oder wie hei&szligt es so schön auf der CD-Hülle: »This album is recommended to be played loud in the car with open windows, while driving slowly through boring suburban areas.« Hail to the king!