Various Artists

»Schnitzelbeat #1 - I Love You Baby! (Twisted Rock-N-Roll, Exotica- & Proto-Beat Unknowns From Austria 1957-1965/1966)«

Digatone Records

»I love you, my Ami!«, oder: Affirmation und Mimesis der Wiener Nachkriegsjugend. Während sich die Väter beim Staatsvertrag händeschüttelnd und augenauswischend »re-nationalisierten«, imitierten die Halbstarken aus den Kinderzimmern die »Besatzer« von gestern. Ein Geist ging um im frisch etikettierten Lande, und der hieß Rock’n’Roll. Schnitzelbeat, die linguistisch logische Vorstufe zum bundesdeutschen Krautrock, war sicher eine generationäre, wohl eher keine musikalische Segregation. So pfeift der »Blue-Jean-Jack aus Meidling« Dolf Kauer etwa auf’s Exerzieren – for the sake of Western, Moped und Musikbox – auf Wienerisch, aber in bester Rock’n’Roll Begleitung. Ferry Graf relokalisiert das »Heartbreak Hotel«, als wäre er der King von Floridsdorf. Und The Vienna Beatles waren, ja, The Vienna Beatles. Man(n) spuckte in die Donau und träumte sich eskapistisch (zu exotisierten Frauenbildern) nach Kuba (Frank Roberts), Mexiko (Gerhard Wilfried) und Peru (Die 4 Orig. Bambis). Keine Gefahr also, mit dem Schnitzelbeat in Austropopgulasch zu landen. Die erste von Al Bird Sputnik auf Pfarrflohmarkt-Schnitzeljagd zusammengetragene Ausgabe von »Schnitzelbeat« geht nicht nur famos in die Wadeln (no na ned), sondern liefert obendrein viralen Stoff für den (historisch fundierten) Popdiskurs in und über Österreich, wie er seit kurzem mit »Im Puls der Nacht« (Heinrich Deisl), »Wienpop« (Falter Verlag) und dem bald erscheinenden, gleichnamigen Schnitzelbeat-Handbuch von Sputnik selbst neu um sich greift. Gepflegte Beatmusik für die neue und alte Jugendliebe!