Max Nagl Ensemble

»Ramasuri«

HatHut Records

Und schon wieder eine neue Nagl-Platte, diesmal auf dem renommierten und seit fast 30 Jahren sich zwischen Jazz in allen Variationen, Improvisation und Neuer Musik bewegenden Schweizer Label Hat Hut. Live ist Max Nagl gelegentlich mit größeren Ensembles zu hören (z.B. Boxhorn, welches fast dem vorliegenden Ensemble entsprach), »Ramasuri« ist aber meines Wissens die erste derartige Veröffentlichung auf Tonträger. Zehn Musiker, darunter zwei Streicherinnen (Joanna Lewis, Melissa Coleman), Noël Akchoté (g), der einzigartige Otto Lechner (acc, piano) und Drums wie Bass in jeweils doppelter Ausführung schaffen es, vor allem das Herz und den Bauch auf beeindruckende Art und Weise zu bewegen. Die Stimmungen lassen oft an Klezmer oder Süd-Ost-Europäische Musik denken – Leben und Energie gepaart mit Melancholie und Traurigkeit. Zu beschreiben ist diese Musik kaum. Wie von Nagl gewohnt, treffen zu viele Dinge aufeinander. Klassisch ausgebildete Musiker auf Jazzer, packende Grooves auf fragmentiertes Gitarrespiel, wunderbare Harmonien auf freie Eruptionen. Schwebende Strings und verträumt tanzendes Akkordeon (besonders in »Flaçon«, einem Walzer, wie gemacht für den Poeten Lechner) schaffen ein Ambiente, in dem man sich wohlfühlen muss, aber es darf ruhig auch mal scheppern und über die holprigen und unergründlichen Wege der »Road called Free Jazz« gehen – um am Ende wieder bei »Folklorismen« anzukommen. »Bleibe im Kontext, aber mach immer etwas völlig anderes«, wie Max Nagl meint.
Aber was schreib ich da lange, die Musik ist sowieso wirklich erhaben und ob der Liner Notes von Wolfgang Kos erübrigt sich auch jedes geschriebene Wort. Nur noch: Respect to »Porgy & Bess«, eben jenes veranstaltete nämlich im Dezember 2000 das hier zu hörende Konzert.