Various Artists

Grob Label

Grob

Grob ist jung und produktiv. Das Kölner Label ist an »moderner Musik« (und zwar aus Vergangenheit und Zukunft) interessiert und veröffentlicht recht viel – mit unterschiedlichen Ergebnissen. Wie man dieses Label aber noch genauer charakterisieren könnte, ist eine andere Frage. Als Produzent firmiert der Post-Jazz-Veranstalter und Kritiker Felix Klopotek, der Großteil des Materials wird live eingespielt. Ich könnte es kurz folgendermaßen zusammenfassen: Einerseits wird ein breites Spektrum der heutigen Szene – von Improv bis zu Electronica – präsentiert, andererseits sind aber ein eigenständiger Label-Sound oder eine Label-Politik nicht wirklich erkennbar. Trotzdem wird eine klare Linie gezogen, die – wenn auch nicht direkt – in etwa von Berlin nach Wien führt. Hier sind drei neue Produkte: »Dawn« (Grob 427) dokumentiert einen Auftritt des elektronischen Trios Gert-Jan Prins, Peter van Bergen und Christian Fennesz beim FMP-Festival 2000. Da gibt es nicht viel zu sagen: ruhige, gespenstische Laptop-Musique-Concrète mit wenigen überraschenden Momenten und eher typischen Sounds und Interpretationen. Obwohl die CD nur 42 Minuten dauert, hat man das Gefühl, dass sie zu lang ist, »vor allem gegen Ende«. Fennesz lehnt sich zwar ab und zu etwas aus dem Fenster, im großen und ganzen ist die CD aber unbefriedigend. Um O’Rourke zu zitieren: »Remove the need.« »Die Enttäuschung«, Grob 426, ist ein abgeklärtes, klassisches, akustisches Post-Free-Jazz-Quartett mit Rudi Mahall an der Bassklarinette, Axel Dörner an der Trompete, Jan Roder am Bass und Uli Jenneßen am Schlagzeug. Dieselbe Musik, nur 30 Jahre später, sehr gut gespielt, aber schlecht aufgenommen. Auf HatHut wäre das bestimmt ein viel besseres Album geworden. Nun zu »Anostalgia« (Grob 428), ich zitiere aus dem Pressetext: »Der Berliner Reinhold Friedl ist Pianist, Komponist und Impresario.« Hier hört man in erster Linie den Pianisten. Elliott bleibt beim gleichen Event Sharp, und das Ganze soll sehr berlinerisch sein. Da kann ich aber nicht mitreden. Vielleicht bietet Grob weniger bekannten KünstlerInnen die Möglichkeit, unter besseren Bedingungen zu veröffentlichen, genauso wie Leo Records seinen Namen und seine Dienste zur Verfügung stellt, was natürlich einiges erklären würde. Auch Layout und Design lassen etwas zu wünschen übrig, da sie dem Label kein unverkennbares Erscheinungsbild verleihen. Alles hängt letztlich davon ab, was Grob will, nur kann ich mir nicht vorstellen, dass sich jemand diese Produktionen in zehn Jahren auch noch anhören wird. Aber das entscheiden sowieso die KonsumentInnen.