Christof Kurzmann

»El infierno musical«

Metamkine

Wo ist der Unterschied? Warum sollte diese CD, die letztendlich genauso bequem Platz in der gleichmacherischen Schublade der elektroakustischen Improvisationsmusik findet, etwas besonderes sein? Drei Antwortversuche. Erstens hat sich Kurzmann, den hoffentlich längst jedes Wiener Vorstadtkind längst als experimentell-kreatives Urgestein des Landes kennt (ja, ja, träum weiter), ein äu&szligerst vorzügliches Ensemble zusammen gestellt. Vom ersten Takt an fühlt man sich in besten Händen, geradezu verwöhnt von einem stimmig-sperrigen Sound, der rund um die intimen, fast zärtlichen Sprechgesangspassagen immer wieder ausbricht, zerstäubt, sich entlädt ?? und wieder zu einer gro&szligartigen Innerlichkeit zurückfindet. Die Elektronik wird dezent eingesetzt, ist aber immer präsent und unterstützt den leicht verträumten Unterton der gesamten Einspielung perfekt. Zweitens ist es ein holder Liebesdienst, der hier stattfindet, eine Verbeugung vor der argentinischen Dichterin Alejandra Pizarnik. Vielleicht gibt sich dieses elektroakustische Kammerkonzert gerade deswegen umso freier, zeigt darum keinerlei Berührungsängste vor schlichter Schönheit, vor oldstyle Improvisationen oder eben einschlägigen Noiseexzessen. Es ist alles vorhanden und greift wie die Zahnräder einer Uhr ineinander. Drittens. Schon erwähnt. Kurzmann singt. Das kann er, das wei&szlig man schon seit den Extended Versions (jene Band, die Kurzmann und Helmut Heiland Anfang der 1990er leider eben nicht jedem Wiener Vorstandkind bekannt machte), auf sehr eigenwillige, aber meist sehr intim wirkende Weise. Und dieses Verschmelzen von Innigkeit mit der sich sonst ja eher etwas gefühlkalt gebenden zeitgenössischen Improvisationsmusik macht dann den eigentlichen Unterschied aus. Hier verschmelzen Herz und Hirn auf kompetenteste Weise, eine schlichtweg gro&szligartige CD.