Various Artists

»Studio One DJ Party«

Soul Jazz Records

Eine »DJ Party« diesmal also. Als DJs in Jamaika gelten weder Personen, die bei Partys Platten auflegen, noch Turntable Wizzards, die daraus eine Kunstform machen, sondern »Sprech-Sänger« (später auch »Sprech-Sängerinnen«), die das Publikum mit gekonnt formulierten witzigen Floskeln, schlauen Reimen oder frechen Storys unterhalten – und die auf einem zumeist populären Reggae-Rhythmus reiten, also quasi »jockeys ridin’ on top a riddim« sind. In den Anfangstagen nannte man sie auch Toaster. Die Zeitspanne dieser neuesten Soul-Jazz-Records-Compilation von Studio One reicht von den frühen Siebzigern, als DJing (bzw. Toasting) als selbständiges Genre in die Gänge kam, bis zum Ende dieses Jahrzehnts, als man dazu Dancehall sagte, und darüber hinaus tief in die Achtziger, als es zu Digital Dancehall wurde. Der jüngste Track des Albums aber kommt aus dem Jahr 1994 von einem gewissen Kentrus. »It A Fi Bun« ist eine digitale Version von »Pick Up the Pieces« von den Royals, das wiederum ursprünglich ein 1967er-Hit von Irma Thomas auf Stax war. Wer besagter Kentrus Matthews war, bleibt allerdings im Dunkeln der jamaikanischen Musikgeschichte verborgen. Soul Jazz Records mischt auf »Studio One DJ Party« wieder einmal famose Hits wie »Thank You Jah« von Michigan & Smiley mit relativ bis völlig raren Songs wie »Rain Drops« (basierend auf Delroy Wilsons »Rain from the Sky«) vom ansonsten kaum bekannten Prince Garthie. Was alle Songs gemeinsam haben, ist, dass sie Versions von Studio-One-Hits aus den Tagen des Rock Steady und frühen Reggae sind: Jeder Song dieses Albums baut auf einem beliebten Rhythmus (Riddim) aus Sir Coxone Dodds Studio One auf. So auch Mad Roys (aka Leroy Wallace, langjähriger Studio-One-Drummer) Toast über John Holts Song »A Love I Can See«, der zuvor wiederum ein Temptations-Hit war. Es lässt sich also die Genealogie von amerikanischem Soul zu jamaikanischem Rock Steady, Reggae, Dancehall und Raggamuffin verfolgen; »Ragga Muffin«, hier ein Songtitel vom auch als Jim Nasic bekannten Jim Brown, ist übrigens eine heute noch gebräuchliche Genrebezeichnung für eine basslastige, härtere Gangart des Dancehall. Die Liner Note zu »Studio One DJ Party« schrieb dieses Mal Chris Lane, Gründer von Fashion Records, einem legendären englischen Reggae-Label, welchem Soul Jazz Records kürzlich eine Hommage widmete.