Various Artists

»Disques Debs International Vol. 1«

Strut/Hoanzl

»Disques Debs International Vol. 1« ist der Musik der Französischen Antillen, das heißt der »frankophonen« Seite der karibischen Creole-Musik gewidmet. Es ist, wie es der Untertitel dieses Longplayers etwas vage formuliert: »An Island Story: Biguine, Afro Latin & Musique Antillaise 1960­–1972«. Womit auch gleich ein historischer Stil, die Biguine, benannt und die Richtung, in die die Reise gehen soll, nämlich Afro Latin und Musique Antillaise, angesprochen wäre. Tatsächlich ist die Musik der Karibik aber eine extrem vielfältige; es treffen dort afrikanische, europäische, lateinamerikanische und – gelegentlich – auch noch asiatische Musikformen aufeinander und vermischen sich zu allen erdenklichen Variationen, wobei interessanterweise die so entstandene Musik für Kundige in Bezug auf den Rhythmus/Stil zumeist identifizierbar bleibt (z. B. Rumba, Beguine oder Merengue), für den durchschnittlichen Fan aber eher nach allem oder zumindest nach vielem klingt. So auch hier, was nichts Schlechtes heißen will – ganz im Gegenteil! Strut greift bei der Präsentation dieser Musik auf den Archivschatz von Disques Debs International zurück, jenem Plattenlabel, das in Guadeloupe beheimatet und über viele Jahre ein Epizentrum karibischer Musikproduktion war. Die kompilatorische Expertise kommt von Hugo Mendez (bekannt vom Plattenlabel Sofrito) und Emile Omar (Radio Nova). Die ausgewählte Musik ist durchgängig beschwingt, häufig up-tempo, tanzbar. Bei aller gebotenen stilistischen Breite an Formen, Rhythmen und Sounds kann man doch Strukturen im Verlauf der CD (21 Tracks) ausmachen. Vor allem die ersten Songs der Compilation haben einen gravierenden Einfluss von Calypso und Chanson; ein typischer Vertreter der anglophon-beeinflussten Creole-Musik wäre Cyril Diaz aus Trinidad mit seinem Calypso-Bigband-Tanzstil oder auch die Band des Labeleigners Henri Debs selbst, dessen »Douce Kombass« einen Touch Ska hat. Weiters gibt es eine Strecke von zumeist Rumba- bzw. Cuban-Latin-lastigen Kompositionen, die also das spanische Erbe der Karibik präsentieren. Mit dem Song »Si I Bon Di I Bon« der kongolesischen Band Ry-Co Jazz findet sich auch noch ein Afro-Funk auf diese Compilation. Henri Debs nahm immer wieder in Guadeloupe tourende Bands von anderen Inseln und Kontinenten auf, wenn sich ihm die Chance dazu bot. Ein Gutteil der Tracks dieser Compilation weisen aber eine Affinität zu kolumbianischer Cumbia, dominikanischer Merengue oder Zouk auf – zumeist sehr schnell und perkussiv gespielt, und dabei alles fusionierend, was im Bereich der Karibik möglich erscheint – immer in dieser typisch eleganten, geschmeidigen, eben frankophonen Art.