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Das kommt auch selten vor. Dass die Presseaussendung zu einem Gro&szligteil aus einem Zitat von Marc Aurel besteht. Nicht irgendeines natürlich, sondern die Verteidigung des Wahren vor dem Schönen. Das ist natürlich heikel, weil gar so elitär. Denn natürlich kennt das Wahre nur, wer zum Wahren erzogen wird. Das blo&szlig Schöne (heute sagen wir Hitparade oder Mainstream dazu) bleibt das Banale, das Volksnahe. Aber fangen wir jetzt nicht an, das auszudiskutieren (bitte bei Richard Rorty, »Die Schönheit, die Erhabenheit …«, für den Anfang nachschlagen). Verständlich ist es natürlich schon, dass dieses Zitat kommt, denn »The Truth Is On Fire« feiert vor allem auf dem Einstiegstrack »Du geile Wirtin« (sic!) ein dissonant-mikrotonales Feuerwerk ab, das sich gewaschen hat. Glaubt man die ersten paar Takte noch, eh irgendwo im Jazz gelandet zu sein, fährt plötzlich der stilistische Wirbelwind durchs Gebälk, dass man gar nicht mehr so recht wei&szlig, ob das jetzt genial, eklig oder einfach nur unverschämt ist. Und das hei&szligt natürlich, dass es einen Heidenspa&szlig macht, sich diese EP anzuhören und den Herren Christoph Walder, Clemens Salesny und Clemens Wenger bei ihrer rücksichtlos verqueren Feuerarbeit am Wahren zuzuhören. Ins Elektroakustische gewendeter Jazz wäre das passendste Etikett dafür, aber es geht auch ohne Schubladen. Track 3 (»Le Dindon«) etwa ist ebenso verhalten wie kokett, als hätte man die Freunde des Schönen irgendwie zu versöhnen versucht. Zumindest rede ich mir das ein, um mir vor lauter Ärger über den Marc Aurel den Spa&szlig an dieser EP nicht verderben zu lassen.

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