Stian Westerhus

»The Matriarch And The Wrong Kind of Flowers«

Rune Grammofon

Und hier haben wir es, das böse Wort, das so vieles erklärt: »unakademisch«. Böse ist es, weil es gar so diskriminierend ist, als könnten »studierte« Musiker nicht genauso atemberaubend differente Soundwelten herbeizaubern, als bräuchte es immer den Querzugang, um wahrhaft frischen Wind zu erzeugen. Aber sehen wir uns doch den kleinen Stian Westerhus an, der im Fernsehen Jimi Hendrix sieht und King Crimson anhimmelt, während seine Mama Elvis und die Beatles trällert, der Papa hingegen sich durch den gestutzten Heckengarten der Klassik ackert. Da haben wir es! Schon ist der Zugang zur Musik versaut. Aber das gleich »unakademisch« nennen? Tatsache ist, dass »The Matriarch …« nach allem Möglichem klingt , blo&szlig nicht nach einem Sologitarrenalbum. Mal ist es ein sphärischer Soundtrack mit schneidenden, fast pfeifenden Tönen (der ein wenig an »Apocalypse Now« erinnert), mal klingen die Tracks wie aus dem Mariannengraben hochsteigende Soundblasen, mal klingeln, ja, rasseln die Saiten fast schon – und dann wieder höllert es, als hätte man einen Dudelsackbläser auf den Mars geschossen. Eine unerwartete Soundreise tut sich hier auf, als wäre Westerhus tatsächlich das Husarenstück geglückt, die Gitarre zu transformieren, in ein, ja, was denn sonst, gelbes Unterseeboot. Nur diese Soundwelten alleine machen »The Matriarch …« schon zu einem gro&szligartigen Album, addiert man noch die Virtuosität hinzu, bliebt nur ein Attribut übrig: »sensationell«.