Various Artists

»Noise of Cologne 2«

Mark e.V.

Traditionsbildungen einer bestimmten Stadt im Zeitalter grenzenlosen Datenflusses? Anachronismus gar? Nichts davon. Wie schon bei Teil 1, war und ist es das große Verdienst von Frank Dommert, Betreiber von a-musik, dem beinahe übermächtigen Musikmythos Kölns eine Aktualisierung zu verpassen. In 16 aktuellen Beispielen von Kölner Komponisten und Musikern wird ein Stadtportrait entworfen, wie man es sich beispielsweise über Wien nur träumen könnte. Zusammen mit dem Komponisten Hans W. Koch hat Dommert Musik zusammengetragen, die dem (elektronischen) Experiment, der Improvisation und der (mehr oder weniger) abstrakten Klangkunst huldigt. Im Vergleich zu den Acts, die bei a-Musik veröffentlichen, sind jene auf »Noise of Cologne 2« eindeutig weniger einer bastardisierten Durchmischung von »E« und »U« zuzuordnen denn »(semi-) akademischen« Eskapaden. Es ist offensichtlich, dass die »Noise of Cologne 2«-Acts Kölns Techno-Phase mitinternalisiert haben, hier geht es aber vor allem um musikgenealogische Transgressionen. Außerdem bietet der Fokus Köln Auswahlmöglichkeiten, die diametral zu oft eklektisch und geschmäcklerisch zusammengestellten Compilations stehen. Es ergibt sich weniger ein bestimmter »Sound der Stadt« als viel mehr eine Landkarte, die das Musikerbe Kölns der 1950er bis ’70er Jahre aus dem Blickwinkel des Heute nutzbar macht. Einige der hier vertretenen Musiker arbeiten mit Fieldrecordings, man könnte die CD somit als einen Audio Guide sehen, der am Dom, am Rheinhafen, in der Innenstadt und in den Außenbezirken Station macht. Die Coverbilder lassen erahnen, dass es in Köln noch immer jede Menge Grünflächen und mehr oder weniger verwilderte Gegenden gibt. Kaum wahrscheinlich, dass so intendiert, indes bei mir hat’s funktioniert: »Noise of Cologne 2« als touristisches Vademecum.