Martin Kippenberger

»Musik / 1979-1995«

Edition Kröthenhayn

Titten, Türme, Tortellini. Mehr Gaga als Dada war Martin Kippenberger der Maestro der piefkinesischen Punk Art, Zersetzung jeglicher beourgeois bürokratischer Kunstkonzepte durch konsequent aktionistisches Hinrotzen von Fluxus-Statements in wild und verquer zerklebte und beschmierte Bilderrahmen nach dem Joseph Beuys’schen Intoxikations-Gebot. Anno 1980 im kreativen Suffzirkel Berlins SO 36 und vor allem Düsseldorfs Ratinger Hof mit den Oehlen-Brothers Albert und Markus (damals auch Musiker bei Mittagspause und Fehlfarben) unterwegs, passierte Kunst so nebenbei im bierseelig guten Taumelleben. Musik eben auch. Paradiesischerweise hat nun das Berliner Label-Triptychon Crippled Dick Hot Wax!, Monitorpop und Edition Kröthenhayn mit ihrem superlimitierten Kunstverlag wieder ein kräftiges Lebenszeichen abgegeben. Neben einer Günther Brus-Box, die nächste Ausgabe noch ausführlich zu besprechen wäre, wird Kippenbergers gesammelter Musiknachlass als Schlagzeugbumperer und Gröhleheinrich als luxuriöses 4 mal 10-Inch-Set, eine CD und ein Buch mit Kippenberger-Reminiszenzen von Frieder Butzmann, Wolfgang Müller, Max Dax und Jeff Koons vollendet. Die klapprigen Vollrausch-Experimente mit Breitwandlallen von Luxus oder der Alma Band. Die gelassenen Nachtschattenjazzer des Golden Kot Quartetts. Und vor allem Kippenbergers grenzgestört hingebungsvollen Kaputt-Coverversionen von Adriano Celentanos »Yuppi Du« und der durch Cher, Nancy Sinatra und Kill Bill bekannte Gassenhauer »Bang Bang«, damals auf der ZickZack-Compilation »Rache der Erinnerung« erschienen und noch heute so potent, dass es selbst Pipilotti Rists Verballhornung von Chris Isaaks »Wicked Game« den Intensitätsrang abkämpft. Gro&szliges Kino mit Leberkrebs.