Tav Falco & Panther Burns

»Lore & Testament Vol. 1«

Glitterhouse

»Behind The Magnolia Curtain« ist eine ausgesprochen unanständige Platte. Auf Altersunterschiede wird hier glorios geschissen: Honorige Delta-Blues-Riffs liegen mit suggestiven, bis in die Obszönität verhallten, an Adoleszenz und Wahnsinn gemahnenden Rockabilly-Hickups im Bett, und durchs geteilte Schlafzimmer weht ein resches Lüfterl von Punk und Dekonstruktion. Es rumpelt und pumpelt, es stöhnt und kracht, und mindestens einmal pro Track fällt die Nummer dann so richtig auseinander. Wie jede wei&szlig, die derartiges schon einmal in der eigenen Garagenband nachzubauen versucht hat: dies sind die Momente, in denen sich die verflixt ephemere hohe Kunst von Rock’n?Roll offenbart, die man eben nicht in der Musikschule lernen kann. Wichtiger scheint vielmehr eine breite Auslegung von Genre und Geschichte, zu der Tav Falco and The Inapproachable Panther Burns einladen: man assoziiert hier leichtfü&szligig MC5 und Tyrone Schmiedling, Young Jessie und Richard Hell, Jesse May Hemphill und The Raincoats. Erschienen ist das Album 1981, wiederaufgelegt wurde es jetzt als »Lore And Testament Vol. 1« bei Stag-O-Lee, zusammen mit der 1982er EP »Blow Your Top« im schicken Doppelpack, inklusive schmuckem Booklet mit drei erhellenden Essays von Ross Johnson, Ron Miller und Tav Falco himself. Ohne Zweifel ein sehr nützliches Paket für die spätgeborene Enthusiastin, und ein Grund zur gro&szligen Freude. Eat this, Simon Reynolds!