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Zeitgenössische Komponistinnen gibt es zum Glück allmählich mehr. Ob das daran liegt, dass Komponieren tatsächlich noch eine Männerdomäne ist, sei dahingestellt. Sicher ist, dass es für eine/n zeitgenössische/n KomponistIn nicht leicht ist, die eigenen Werke auf CD zu bannen. Katharina Klement hat sich, wie sie sagt, diesen »Luxus« gegönnt – und dafür darf man dankbar sein. Zwar war es vielleicht nicht die strategisch beste Entscheidung, mit einem Cluster-Stück wie »Solo 2« zu beginnen, denn obwohl fein durchdacht ist der Höreindruck eines Kontinuums doch allzu wohlbekannt. Doch damit genug der Nörgelei, schon »Portrait« beweist die Qualitäten der Komponisten, die selbst eine wunderbare Improvisationsmusikerin ist. Im Trio »Portrait« porträtieren sich Bassklarinette, Akkordeon und Live-Elektronik gewisserma&szligen selbst, ein diffiziles Spiel der Identitäten entfaltet sich. »Noise: s onie« ist ein Solostück für Cello von ebenso spröder wie verhaltener Schönheit. Obwohl sich alle Kompositionen mehr oder weniger um ineinander verschobene, in sich gefaltete, geschichtete und zerflie&szligende Motive drehen, taucht im Hörerlebnis stets auch das Dahinhauchen und Anblasen von Tönen auf. Die häufige Verwendung von Blasinstrumenten unterstreicht das, aber selbst das Cello scheint an manchen Stellen beinahe zu atmen. Ähnlich auch in »mihrab«, wo das Spiel mit einer orientalischen Mikrotonalität noch hinzu kommt, oder im Titelstück »Jalousie«, einem sich als Kaleidoskop verstehenden Saxophonquartett. Immer wieder findet sich das Motiv des Hauchens oder Schwebens, das dem Werk der Komponistin buchstäblich einen unverwechselbaren Atem verleiht – auch die Pianoinstallation »HOPE« löst sich ja im Sphärischen auf (weswegen »Solo 2« in thematischer Hinsicht eben doch ganz gut an den Anfang passt). Unterm Strich ergibt das eines der reichhaltigsten Hörerlebnisse im Reich der zeitgenössischen Musik seit langer Zeit. Es steht zu befürchten, dass »Jalousie« leicht übersehen wird, versteckt hinter Werken, die sich mit radikaleren Ansätzen oder einem ironischen Gestus (neuerdings recht modisch) stärker ins ohnehin schmale Rampenlicht der zeitgenössischen Musik drängen. Ein dringliche Bitte darum an die Lichttechniker des Zeitgeistes: Den Scheinwerfer schwenken, diese CD beleuchten! Danke.

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Text
Curt Cuisine

Veröffentlichung
08.01.2013

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