Peer

»Galaktika«

Sitzer Records

Ich weiß oft nicht, mit diesem Pop – oder besser, I know it gets old. Review für Review – und auch in dieser Ausgabe – einen Pop einzufordern, der sich als Ausdruck maximaler Jetztheit versteht. Weil ich einen solchen Pop will; weil ich will, dass Pop mit dem Pop-Außerhalb zwischen gerade bevorzugtem Rausch und just abgelehnter Politik im Dialog steht; eben, anders als die große Kunst das immer wollte, nicht die Ewigkeit bespielt, sondern genau diesen Augenblick, in einer Kunstform, die nicht länger dauert als ein Augenzwinkern. Und dann zugleich natürlich auch geil, wenn dann, so ahistorisch, ein Song immer wieder, jeder Generation neu, so den Arsch kickt, dass es weitergeht, weitergeht. John Peels Grabstein ist das Dilemma: Teenage Dreams so hard to beat, na klar, aber wessen denn? Als die Undertones die Single rausbrachten, war Peel doch auch über dreißig. Teenage Dreams: Meine nie, jedenfalls. Meine Teenage Dreams in der Provinz waren so dermaßen davon abhängig, wann der Bus in die Stadt fuhr; da sind meine Studenten-Twentysomething-Dreams wesentlich glückversprechender, befreiender, wilder gewesen. Lebensnäher auch. Mobilé war eine Band, die keinen Arsch gekickt hat, keine Jugendbewegung ausrief, aber immerhin ziemlich gut auf den Punkt bringen konnte, warum man dann doch nicht auf die Demo geht. Oder Schluss macht. Oder, wie es ist, zu wissen, dass man auseinandergeht, du und ich und all die guten Freunde, mit denen man unter Konzertpostern Tassenwein trinkt. Mobilé waren mir immer ein paar Jahre voraus, schon fertig mit den Studentenjahren, als ich erst damit anfing, und als Mobilé-Frontmann Peer Göbel mit einer neuen Band – Peer – 2010 sein Debüt veröffentlichte, war er mir wieder ein paar Jahre voraus. Ich fürchte, das ist noch immer so, auch auf dem zweiten Album »Galaktika«, das wieder auf den äußersten Klippen des deutschsprachigen Indierocks (weit weg von Tomte oder Kettcar, näher bei den Tocos oder den Locas in Love) balanciert, mit Texten, die eigentlich nicht gehen dürften, mit Musik, die eigentlich abstürzen müsste, es jedoch nicht tut. Das ist Musik nicht für meine Generation, sondern für die Generation knapp vor mir. Wenn älter werden aber so geht wie das hier, werde ich damit irgendwie klarkommen. Peer gelingen hier ein paar der allerschönsten Hymnen einer Angst, die mit einem Irgendwie-doch-OK-Finden korrespondiert, ohne, wie es der Song »Diese Fragen« klarstellt, dass der runtergeschaltete Gang und das kontinuierliche Verabschieden der Euphorie heißt, aufzuhören, diese Fragen zu stellen, »ob uns nichts anderes übrig bleibt, als diesen Weg zu nehmen. Wir werden nicht so tun, als ob sie schon beantwortet wären.« Ist das so? Ja? Schließlich war dieser Sommer, in dem ich mit Peer Newton und unser aller Sterblichkeit gedacht habe, auch der Sommer, in dem ich merkte, wie einfach es ist, ohne Hände Fahrrad zu fahren; einfach nur weitertreten, man muss gar nichts machen, und ich bin jetzt Ende zwanzig und manchmal lerne ich noch immer etwas oder mache Dinge zum ersten Mal, und, after all, so scheint es mir, there’s still a starman, waiting in the sky, und da hinten schon wieder die Sonne, also, bitte, let all the children boogie, boogie, boogie.