Håkon Stene

»Etude Begone Badum«

Ahornfelder

Ein reichlich eigenwilliges Täterprofil weist der Norwegische Perkussionist Håkon Stene auf. Wenn man ohne Vorkenntnis in sein neues Album »Etude Begone Badum« (das mitsamt einer üppigen CD-Single namens »Bone Alphabet« ausgeliefert wird) hineinhört, glaubt man a) zunächst in eine Soundambientplätscherei hineingeraten zu sein, b) nie und nimmer, dass hier ein Schlagwerker werkt. Erst allmählich lichtet sich der Wald der Vorurteile und man merkt: Herr Stene intoniert die Werke zeitgenössischer Komponisten. Darauf wäre man im Traum nicht draufgekommen. Was vielleicht auch daran liegt, dass er die Kompositionen des gebürtigen Kroaten Marko Ciciliani, sowie von Michael Pisaro und Alvin Lucier aus den USA jeweils mit drei kurzen Stücken des Norwegers Lars Petter Hagen einleitet. Diese Sandwichtechnik zieht atmosphärisch zusammen, was im großen Wald des Postminimalismus doch eher weit auseinander liegt. Rau und ruppig etwa gebärdet sich das an- und abschwellende Pisaro-Stück, während »Silver Streetcar for the Orchestra« von Alvin Lucier fast ein Leichtgewicht ist. Der auf die EP verbannte Brite Brian Ferneyhough reißt nicht nur atmosphärisch ziemlich aus, Ferneyhough ist auch bekannt dafür, dass er von den Interpreten das letzte Hemd der Virtuosität verlangt. Und das kriegt er auch von Håkon Stene: das komplexe Stück ist ein Kraftbeweis, der durch den beigefügten Remix (von Sir Duperman) noch unterstrichen wird. Insgesamt kann man nur den Hut ziehen. Einfach großartig, wenn zeitgenössische Musik derart unorthodox und tough zugleich präsentiert wird.