Parkwächter Harlekin:

»Die Unentschlossenheit der Türen«

Problembär Records

Dass der Parkwächter Harlekin (PH) auf seinem zweiten Album gleich zwei Stücke hat, in denen es um den Zirkus geht, passt gut zu seinem Namen. Allerdings ist der Text von »In der Stadt« im ersten Moment etwas seltsam: da fragt das lyrische Ich, wo eigentlich die ganzen Weiber hin seien, die das Essen auf den Tisch stellten, das Bier brachten und dabei nicht viel redeten, dafür aber »ollas kennan hobn«. Ein Versuch der Täuschung, der jedenfalls die Aufmerksamkeit der korrekten HörerInnen auf sich zieht. Das kann der doch nicht so 1:1 meinen? Und mit einem im Hintergrund leise zu hörenden »Wie mant er denn des?« löst sich schon das Rätsel. Da schlüpft der PH in die Rolle eines Nostalgikers, der sich in eine Zeit vor der Digitalisierung wünscht und einfach nur fragt, wo das alles hingekommen ist. So eine »früher war alles besser«-Haltung macht einen ja sofort stutzig. »In der Stadt« ist nämlich eins der leiwandsten Stücke mit Echochor und Tobi & Tobias- Keybord. Die Beats hat der Rap-Poet wieder fast alle selbst geschnitzt, und unentschlossen sind hier wirklich nur die Türen. Der Harlekin hat nämlich ein gesundes Selbstvertrauen jenseits der sonst im HipHop verbreiteten Dicke-Hose-Rhetorik. Vielmehr ist er ein tiefgründiger Lyriker, der sich an existenziellen Themen wie Isolation und Sinnlosigkeit abarbeitet, in manchen Zeilen macht sich gar ein gewisser Fatalismus breit. »Wir waren so besoffen, denn nur so können wir es noch wagen zu hoffen« rappt er etwa in »Wolkenvorhang« – es ist da aber Vorsicht geboten. Vom Sound her ist das Album nicht ganz so fordernd wie das Debüt »Liebe« (2010), es werden weniger kompositorische Haken geschlagen und es entwickelt mit der Zeit ganz schön Pop-Appeal. »Weinrot und Grau« bildet mit seiner Sing- Along-Melodik die Speerspitze der Poppigkeit, knallt dem Tanzvolk aber gegen Ende doch wieder bei aller Lieblichkeit der Backgroundstimmen ordentlich Stolperbeats vor den Latz. »Jeder Tag wird von der Nacht in Fetzen gerissen, und das ist gut« (»Schichtbar«). Aber sicher.