Stimmen Bayerns

»Der Rausch«

Trikont

Nach der Liebe den Tod näher unter die Lupe genommen hat auch schon die Serie »Stimmen Bayerns«, als deren dritter Teil nun »Der Rausch« als weiterer Baustein dieser Klangenzyklopädie der bayrischen Befindlichkeit vorliegt. Diese akustische Perlenkette versammelt Gedichte, Kurzgeschichten, Essays, Songs, Sketche, Radiofeatures, Soundcollagen, Filmtonspuren und O-Töne. Dass der Bayer ein wenig eigen ist, ist ja nichts Neues. Angeblich bezieht er seine Kraft aus seinem Dickschädel und einer ausgeprägten Traditionsgläubigkeit. Auch sein Selbstverstrauen soll auf diese Säulen aufbauen, und zu diesem Selbstverständnis gehört einfach ein gepflegter Rausch (das goldene Hopfengetränk!) hin und wieder dazu. Auf hintergründige, derbe oder auch wackelige Art wird in 27 Tonbeispielen diesem in den verschiedensten Ausformungen auftretenden mentalen Zustand Referenz erwiesen. Im von Maria Hafner gelesenen »Zaiserl« von Maximilian Steinbeis und im Song »Wei&szliges Pulver aus Kiukang« von Isar 12 geht es um Koka und Hans Söllner lässt es sich nicht nehmen in »Mei Vodda« das Ganja ein wenig zu preisen. Sonst geht’s immer mehr oder minder direkt ums Saufen. Besonders gro&szligartig sind Die drei Raketen mit dem phlegmatischen »Oh Hefeweizen«, Zwirbeldirn (»A Bier will i ham«) mit Geigengroove und Michael Sailer mit dem gelesenen »Zeltuntergang«. Weitere Beiträge kommen von Labrassbanda, Karl Valentin und Liesl Karlstadt, Kofelgschroa, Haindling und der Krinoline Blaskapelle feat. Cpt. Schneider, um hier nur die paar in unseren Breiten Bekannteren zu nennen. Platte Drogenverherrlichung kann durch die kritische und humorvolle Herangehensweise der Herausgeber gekonnt vermieden werden.