Noura Mint Seymali Band © Bechir Malum

Comunidad Internacional #17 - Pan-Afrika

Von Mauretanien nach Äthiopien und Nigeria – afrikanische Musik auf der großen Weltbühne.

Nigeria
Highlife, dazu ein kräftiger Shot African Disco, je ein Dash Calypso, Latin und Palmwine, etwas Coolness, aber von der tanzbaren Art. »Sugar Daddy« (Strut/Hoanzl) von Joe King Kologbo & The High Grace wurde 1980 eingespielt und ist nunmehr die erste Reissue-Edition von Struts neuer »Original Master«-Serie, die uns rare und unterbewertete karibische, afrikanische und Latin-Klassiker – so in etwa der Wortlaut der Ankündigung – erschließen wird. Hier also der originale Longplayer (35 Minuten) mit drei längeren Songs, die einen Soundteppich aus Keyboards, typisch swingenden Gitarren, dichten Bläserarrangements und Percussions sowie aufregenden Vocals ausbreiten. Ein Klassiker fürwahr.

Äthiopien
a2.jpgDas Global Music Center, Helsinki, nahm 1988 in Addis Abeba zwei Bands auf, Ethio Stars & Tukul Band, in beiden spielte der legendäre Mulatu Astatke eine wesentliche Rolle. Die beiden Bands teilen sich die 35 Minuten des nun spät als »Addis 1988« (piranha/Hoanzl) veröffentlichten Longplayers, beide spielen den inzwischen durch die »Éthiopiques«-Serie (Buda Musique, gerade ist Nr. 30 erschienen) auch hierzulande bestens bekannt gewordenen populären Sound der »Addis 60s & 70s«, der (nicht ganz zutreffend) als Ethio-Jazz etikettiert wird und in Europa und den USA späte – mehr oder weniger offenkundige – Adepten gefunden hat. Die zumeist instrumentalen Kompositionen haben neben rockigen Gitarrenriffs und soulig-jazzigen Bläsern häufig einen starken orientalischen Touch, wobei die Tukul Band etwas rootsiger spielt, mit traditionellen, aber verstärkten Instrumenten. Nach wie vor faszinierend.

Mauretanien
Die Sängerin Noura Mint Seymali kreiert mit ihrem zweiten Glitterbeat-Album »Arbina« (Glitterbeat/Hoanzl), so etwas wie »mauretanischen Shaabi«, Schlager also, mit viel westlichem Pop-&-Rock-Instrumentarium in rhythmisch und harmonisch heiterer Stimmung. Ein entspanntes, rundes Album, mit vielen Facetten nordafrikanischer und arabischer Popmusik, das im Gegensatz zu ihrem Debut kaum noch Desert-Blues-orientiert ist – und ein gelungenes Crossover allemal.

Sierra Leone/USA
a2.jpgKondi Band, das sind Daumenpiano-Spieler Sorie Kondi und US-Produzent Chief Boima, beide aus Sierra Leone stammend. Sie spielen auf »Salone« (k7/Strut/Hoanzl) altbewährten minimalistischen African Tech House, wie wir es ähnlich z. B. von Frederic Gallianos Frikyiwa-Produktionen kennen, sehr traditionell und elektronisch »verfremdet« zugleich: essenziell und rhythmusbetont; gelegentlich etwas spröde, kickt die Musik dann aber auch wieder kräftig (sehr empfohlen: die »Belle Wahalla«-EP).

Tunesien
Bargou 08
, ein Kollektiv, das sich auch als »Front Musical Populaire« versteht, lässt auf seinem Debut »Targ« (Glitterbeat/Hoanzl) dröhnende Drums und tief grollende Bässe, flirrende Flöten und arabische Chants hören – traditionelle tunesische Berbermusik trifft auf Techno House & Trance sowie Rock-Verständnis (plus japanische Drums), ein Quasi-Modern-V-Effect, der in Clubs gut funktionieren mag, aber nicht unbedingt fürs Home-Listening taugt.

Mali
a2.jpgTamikrest veröffentlichen mit »Kidal« (Glitterbeat/Hoanzl), ein (zumeist) unaufgeregtes Genre-Rock-&-Blues-Album des (sattsam) bekannten Touareg-Sounds. Es ist aber nicht nur klischeehaft (siehe auch Cover-Art) und 70s-retro geworden, sondern leider auch lasch, ohne größere Ideen, eher wie ein elaboriertes Studio-Session-Geplänkel, das den einschlägigen Gitarrenhelden Reverenz erweist.

Ghana
King Ayisoba knüppelt, rast und brüllt auf »1000 Can Die« (Glitterbeat/Hoanzl) à la Dancehall Ragga in seiner heftigsten Zeit. Waren seine Platten soweit schon nicht ausgesprochen sanft, so darf man diese als (zumindest vokal) durchwegs hart bezeichnen. Producer Lee Perry zaubert zwar zu Ende des Titelsongs etwas Ruhe in die aufgeregte Stimmung, allerdings nur kurz. Und weiter geht’s in wild deklamierender Manier.

Deutschland
Die Berliner Band Onom Agemo And The Disco Jumpers macht auf ihrem zweiten, 70s-orientierten Longplayer »Liquid Love« (agogo/Hoanzl) eine Mischung aus Jazz, Afrobeat, Psychedelia und trippiger Ethnomusik, die Anleihen von Weather Report über Fela Kuti bis Ethio-Jazz nimmt, aber kaum einmal zu einem mitreißenden Groove findet – zu viel von allem Möglichen – und derart auch stressig wird.

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