Charles Bradley

»Black Velvet«

Daptone Records/Groove Attack

»Black Velvet«, das vierte und letzte Album von Charles Bradley, ist eine Anspielung an seine Zeit als James-Brown-Cover-Artist alias Black Velvet mit der Band Jimmy Hill and the Allstarz. Der aus Dramaturgiegründen (der Bogen wird chronologisch ab Beginn seines Daptone-Erfolges, der ihm ein späte Weltkarriere bescherte, gespannt) in Reihenfolgemitte platzierte Titelsong ist instrumental, mit edler Surfgitarre, spooky swingender Orgel und ihre Bandbreite voll ausspielenden Horns. Im Opener »Canʼt Fight The Feeling« verströmt Soul-Crooner Charles Bradley noch Optimismus, die Musiker der Menahan Street Band preschen mit jubilierenden Instrumenten im Gleichschritt, doch ist schon im Songtitel angelegt, dass der männliche Part scheitern wird. Die Sehnsucht nach der innigen Liebe wird sogleich am Köcheln gehalten, in »Luv Jones« im Duett mit LaRose Jackson, mit lässig dahinrumpelndem, psychedelisiertem Funk, der in den Zeilen »Passion, burning with desire / Come on, baby, feel my fire / Ignite your love and take me higher« gipfelt. Vor schierer Dramatik zerreißt es Charles Bradley beinahe im darauffolgenden, wunderschön mit Horns ausstaffierten »I Feel A Change« mit dem Schlüsselrefrain »I hold the key / Between right and wrong«. Doch entbehrt liebeskranke Einsicht nicht dem Sehnen nach der gescheiterten Beziehung, was in Sixto Rodriguezʼ »Slip Away« elegant zum Ausdruck kommt. Eine psychedelische Acid-Post-Soul-Wahwah-Gitarre verschafft dem Nirvana-Remake »Stay Away« besondere Aufmerksamkeit und spielend leicht verwandeln Bradley und sein Co-Autor und Produzent Thomas »TNT« Brenneck Neil Youngs »Heart of Gold« in einen Retro-Soul-Song. Die Zurückweisung »(I Hope You Find) The Good Life« erfolgt aus Selbsterkenntnis und gleich gilt es wieder Abschied zu nehmen: »Fly Little Girl« ist eine up-liftig Ballade mit beherzt solierender Orgel. Zuletzt bäumt sich Bradley noch mal zu alter Soul-Größe auf. In »Victim of Love« trauert der Backgroundchor gerade mit diesen drei Worten; Bass, Gitarren, Bass schleppen sich dahin, Bradley schmachtet leidenschaftlich »Nowhere to hide« und selbst die Blasinstrumente weinen … »Ooh / Theyʼre gonna take me to my grave / But, baby, Iʼm gonna keep on loving you«. Zum Heulen schön. Nicht Lovesickness war die Ursache für seinen Tod. Charles Bradley, der bis zuletzt tourte, verstarb am 23. September 2017 68-jährig in New York an Magenkrebs. Sein glorioses Spätwerk, seine Anrufung des Schmerzes sollten unbedingt auch als Schrei nach Menschlichkeit, nach universeller Liebe verstanden werden.