Peeping Tom

»Boperation«

Umlaut Records

Ich glaube, ich muss jetzt auf eine uralte Metapher zurückgreifen. Die von der bifurkativ-hybriden Approximation nämlich. Da wei&szlig jetzt sicher jeder auf Anhieb, was gemeint ist. Aber Scherz beiseite, man kann ja Musik um der Musik willen abfeiern, weil es etwa so einen Höllenspa&szlig macht, sein Instrument zu beherrschen, quirlige Melodien zu schnitzen oder seinsvergessen dem absoluten Ton nachzujagen. Oder man hat da so einen gewissen Anspruch, etwa den konservativen Sesselfurzern im Altersheim moderner Musik die Waden nach vor zu richten. Wer sich auf letzteres beruft, greift nur selten in die Mottenkiste versunkener musikalischer Stile, denn: Wo wär‘ da der Anspruch? Nun, Peeping Tom, das sind die Musiker Alex Dörner (Trompete), Pierre-Antoine Badaroux (Saxophon), Joel Grip (Double-Bass) und Antonin Gerbal (Drums). Und fast alle diese Herren sind aus der modernen, improvisierten Musik bestens bekannt, präsentieren sich dementsprechend oft genug weitaus sperriger, kratziger, kompromissloser. Aber auf »Boperation« frönt man, wie schon beim Vorgänger »File under: Bebop«, hemmungslos der Bebop-Ära, die natürlich viel eher als free-bop umgesetzt wird. Dennoch: Ausgangspunkt jeder Nummer ist eine klassische Komposition (jeweils eines Bebop-Pianisten), und von dort ausgehend stürzt man mit der Combo quer durch die Jazz-Jahrzehnte, von Bebop über Hardbop bis hin zum Free ?? und wieder retour. Eine Achterbahnfahrt, die einfach gro&szligartig flutscht, die sich vor keinem Genrevorbild verstecken muss – die aber trotzdem ein wenig aus der Zeit gefallen wirkt. Also schnell zurück zur bifurkativ-hybriden Approximation. Von dieser Seite nämlich sollte man sich dieser CD nähern, von jener, die einfach nur Spa&szlig beim Zuhören macht.