Max Nagl

»Big Four«

HatHut Records

Max Nagl widmet sich auf seinem nach »Ramasuri« zweiten Album für Hat Hut größtenteils verhaltenen Klängen und äußerst klaren Formen. Oft sehr kammermusikalisch gehalten besticht diese Musik vor allem durch die Einfachheit in den Melodien. Stellenweise erinnern die Arrangements an Klassiker der frühen 40er-Jahre, Reminiszenzen an Barney Bigard, Django Reinhardt oder Sidney Bechet sind zum Teil unüberhörbar und wohl durchaus beabsichtigt. Am allerdeutlichsten wird diese retrospektive Musizierhaltung bei der kongenialen Interpretation des unsterblichen Gassenhauers »Squeeze Me« von Clarence Williams und Fats Waller. Nie jedoch beschränkt sich diese Quartettbesetzung aus Altsaxophon, Trompete, Gitarre und Kontrabass nur aufs Zitieren. Absolute Eigenständigkeit stellen die vier Protagonisten auch bei klezmerartigen Klängen (»Horseradish«) durch unübliches Arrangieren unter Beweis. Das Aufbrechen wunderbarer cowboyballadesker Melodien (»Lullaby«) in süße Walzertakte zeugt von Humor und Ironie, zwei fast allgegenwärtige Faktoren, die dafür sorgen, dass niemals ein Eindruck von Strenge entsteht. Mit Steven Bernstein an der Trompete steht Nagl ein Meister zur Seite, der durch seine perfekte Intonation und eigenständige Linie einen beträchtlichen Anteil an der Einzigartigkeit dieser Aufnahme hat. Für den nötigen Rhythmus sorgt der Kontrabass von Bradley Jones, der durch sein treibendes Spiel die Musik oft förmlich voranzupeitschen scheint. Noël Akchoté an der E-Gitarre wechselt elegant zwischen reinem, illustrierendem Begleitspiel und exponierteren Melodiebögen und Akkordzerlegungen hin und her. Sein noisig-rockiges Intro zu »Teahouse Tango« ist ein Höhepunkt der Platte. Bestechend ist die Klangqualität der an einem einzigen Tag bei Jon Rosenberg in New York eingespielten Aufnahme. Den einzigen Qualitätseinbruch erwirkt der »Lullaby Remix« von Patrick Pulsinger. Fremdverschulden also.