Guido Möbius

»Asper #2«

Clapping Music/Dokidoki/Guilty By Association

Die Udo Bar in Paris ist ein kleiner Ort, so intim, dass sich Unterscheidungen zwischen Band und Publikum oft nicht ausgehen. Das Pariser Veranstalterkollektiv Dokidoki hat vor einiger Zeit die Serie »Asper« ins Leben gerufen, um dortige Live-Konzerte zu dokumentieren. Für die beiden Vinylseiten von »Asper #2« traf der deutsche Musiker Guido Möbius auf die beiden französischen Bands Centenaire und KingQ4. Höchst unterschiedliches Material wartet darauf, entdeckt zu werden. Von Beginn an wird man bei Möbius in eine gleichnamige Schleife gezogen: Klar spielt sich ein Live-Set ab, aber schon nach wenigen Momenten wird verwischt, woher nun was kommt und ob es Möbius ist, der den Sound macht oder doch das per Live-Recording mitprozessierte Publikum. Selten war Improvisation so groovig wie hier, Möbius ist ein hinterlistiger Charmeur, nie um einen (dadaistischen) Schmäh und augenzwinkernden Spielwitz verlegen. Im zweiten Track schichten sich gesamplete Sprechfetzen zu einem abstrusen, babylonischen Gewirr, Möbius‘ Distortions sind voll Wärme, seine Sets von pädagogisch wertvoller Publikumsintegration. Ganz anders dagegen die Seite der Franzosen. Es geht mit zwei Schlagzeugen, Bass, Gitarre und Orgel in dunkle Sphären, schon die ersten Takte machen klar: ein Malstrom, keine Kompromisse. Dabei sind Cententaire eher für ihr ausgetüfteltes Songwriting und KingQ4 für seine 8Bit-Clubmusik bekannt. Für diesen Abend wurden die Kräfte vereint und herausgekommen sind zwei Stücke, die stilsicher irgendwo zwischen Doom, Postrock und Free Jazz wandeln. Zäh wie Lava grollt es einem da entgegen. Ein definitiver Tipp, dieser Platte.