R.E.M.

»Around the Sun«

Warner Bros

R.E.M. ist es ernst. Das kann man allein schon an der aktuellen Garderobe von Michael Stipe erkennen. Erstmals seit den beginnenden Neunzigern greift der charismatische Frontman wieder zu Anzug und Krawatte. Seriosität ist gestattet, denn auf ihrem jüngsten Album »Around the Sun« zeigt sich die Band aus dem südstaatlichen Athens, Georgia, von einer dezidiert politischen Seite. Die gegenwärtige, prekäre US-Politik hat wieder die kritischen Geister auf den Plan gerufen. Allerdings formulieren R.E.M. ihr Kommentar nicht mit zürnend appellativem Gestus, sondern schlagen in den dreizehn Stücken vielmehr leise, gefühlvolle Töne an, die den tiefsitzenden Schmerz über die herrschende Weltlage zu Tage fördern sollen. Auch wenn die Folkrock-Pfade, denen sie auf dieser Platte verstärkt folgen, ein wenig ausgetreten wirken und selbst einem deklarierten Protestsong wie »Final Straw« die nötige Dringlichkeit fehlt, gegenüber dem tendenziell sperrigen Vorgänger »Reveal« (2001) nehmen sich die Melodien auf »Around the Sun« wohltuend eingängig aus. Man begnügt sich wieder mit traditioneller Instrumentierung, elektronische Hilfsmittel dienen nur mehr zur rein klanglichen Nuancierung. Dennoch haftet der Produktionen – in Anlehnung an das schicke Coverdesign – etwas auffällig glattes, steriles an. Ein Umstand, der das mittlerweile 14. Album der Gründungsväter des Alternativ-Rock, trotz seiner politischen Motivation, eher zum unverbindlichen Nebenwerk schrumpfen lässt.