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Eigentlich war eine Compilation wie diese nur eine Frage der Zeit. Wie schon der Titel nahe legt, geht es auf dieser von Me Raabenstein zusammengestellten VÜ darum, gegenseitige Synergien zwischen Elektronik und sagen wir mal Neuer Musik abzutesten. Natürlich lie&szlige sich nun an Curd Ducas Wagner-Stücke, die Ravel-Bearbeitungen von Rhythm & Sound oder gar an Wendy Carlos bzw. die Compilation »Reich Remixed« (Nonesuch) denken. Aber die wahrscheinlich schlüssigste Schnittmenge findet sich bei den auf »Reflections« vertretenen Artists wie Alva Noto & R. Sakamoto, Murcof und klarerweise Philipp Glass oder GAS. Musikalisch wird hier nur recht bedingt Neuland betreten, man muss schon ein Klassik-Fan sein, um rauszuhören, woran und wie sich die 16 Musiker am gro&szligen Archiv Klassische Musik vergangen haben. Elektronikgeeichten Ohren würde »Reflections« wohl als Ambient-CD einfahren, die mit spärlichen Beats und dafür jeder Menge elegischer Soundflächen daherkommt. Abgesehen davon, dass praktisch alle der vertretenen Elektronikmusiker sowieso in einem arrivierten Konzertsaal auftreten könnten, und so lobenswert der theoretische Versuch ist, über die Einebnung des Autorenbegriffs qua elektronischer (Sample-)Musik hinweg zu einer Verortung aktueller ?berschneidungen zu gelangen: Man läuft hier Gefahr, (unabsichtlich) der Elektronik den Unbequemlichkeitsstachel zu ziehen; siehe etwa die Aufregungen, die GAS mit seinen Wagner-Bearbeitungen einfuhr. Und, natürlich, für Puristen beider Lager ist das alles wahrscheinlich kitschanfällig. Mal so ausgedrückt: Für Hörer, die mit dem diskursiven Unterbau von Elektronik bisher nicht allzu viel anfangen konnten, bietet »Reflections« eine gute Möglichkeit zur entsprechenden Reflexion. Und für Elektronik-Nerds ist es eine Gelegenheit, nachzuhören, wie man aus Electronica »Musik« machen kann. Ein gutes Präsent, um bei den eventuell zukünftigen Bildungsbürger-Schwiegereltern Eindruck zu schinden.

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Text
Heinrich Deisl

Veröffentlichung
22.08.2009

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