Möström

»We speak whale«

Unrecords

Führen wir zunächst einen sperrigen Begriff ein: Unentscheidbarkeit. Ûber den stolpern wir sofort, torkeln ein wenig, drehen uns um die eigene Achse, mäandern wie eine quirlig gespielte Bassklarinette, bis Synthesizergeschwurbel, Knacksen und Knistern jeden Anflug von harmonischer Gefälligkeit zerstäuben, aber schon pirscht ein Piano heran und ohrfeigt uns mit schroffen Akkordclustern. Was war das jetzt, was ist das jetzt? Improvisation? Kann es nicht sein, dazu fehlen all die einschlägigen Abtastungs- und Aufwallungsstereotypen, die so typisch für das Genre sind. Ist es also durchkomponierte Musik? Das wäre verwegen zu behaupten, es gibt musikalische Ideen (und wie es die gibt!), aber von nachvollziehbaren Strukturen sind wir hier meilenweit entfernt. Sind es Songs? Nein. Sind es Tracks? Naja, zwangsläufig, aber Stücke trifft es vielleicht besser, Schurkinnenstücke nämlich im besten Sinne des Wortes. Möström sind Susanne Gartmayer an der Bassklarinette, Elise Mory an Keyboard und Klavier und Tamara Wilhelm an der »DIY Elektronik«, alle drei Damen kompetent und profund, bekannt aus Kollaborationen wie Gustav, dem Vegetable Orchestra oder der Band broken.heart.collector und vielen mehr. Gartmayer z.B. hat erst im Frühjahr die großartige Instrumentenerkundung »AOUIE« veröffentlicht, und diese Großartigkeit pflanzt sich hier fort, wird durch die beiden Mitstreiterinnen noch multipliziert. Die drei Frauen schenken sich nichts, was den Anspruch betrifft, und schenken sich zugleich wahnsinnig viel, was den Freiraum betrifft, den man einander gönnt, in den hinein die Bassklarinette der Elektronik folgt, der Elektronik dem Keyboard, das Keyboard der Bassklarinette und immer so weiter. Wenn das hier Improvisation als instant group composition oder gar experimenteller noisepop ist, dann ist es zugleich auch dessen Dekonstruktion. Woraus eben wieder der sperrige Begriff resultiert, mit dem wir hier eingestiegen sind: Unentscheidbarkeit. Man weiß es nämlich nicht, bis zum Schluss nicht, was das ist. Und wie herrlich diese Unentscheidbarkeit ist, weil sie Räume aufreißt, aus denen es heraus klingt, wie man so noch kaum gehört hat. Zumindest nicht in dieser Gesamtheit, in dieser experimentellen Trio-Totalität. Einen tiefen Knicks vor diesem grandiosen Album macht CURT CUISINE.