Various Artists

»Studio One Lovers Rock«

Soul Jazz Records

Wenn diese Compilation die Bezeichnung »Lovers Rock« im Titel führt, so heißt das nicht, dass wir es hier typischerweise mit jenem Genre zu tun haben, das ab Mitte der Siebziger das britische Reggae-Publikum in seinen Bann zu ziehen begann – wenn auch einige der Songs diesem Stil sehr nahe kommen, wie zum Beispiel Carlton And The Shoes mit dem 12″-Discomix von »Let Me Love You«, einem jener 18 Songs, die uns von Soul Jazz Records auf »Studio One Lovers Rock« exklusiv geboten werden. Und um exklusive, rare Tracks geht es im Reissue-Geschäft natürlich auch ganz wesentlich. Wobei, Geschäft? Der große Reibach ist da naturgemäß nicht zu machen, zu begrenzt ist der Fanzirkel noch immer. Und doch kompiliert SJR-Chef Stuart Baker seit Jahr und Tag unbezahlbar rare Songs wie, in diesem Fall, »Rock On« von Billy Cole, »Yours Until Tomorrow« von The Minstrels oder »Oh Me Oh My« von Jerry Jones aus den ganz frühen Tagen des Reggae für uns. Lloyd Bradley, Autor von »Bass Culture – When Reggae Was King«, schreibt im Booklet zu »Studio One Lovers Rock«: »Im Lichte der übermächtigen Bedeutung von Roots, des Einfallsreichtums von Dub und der schillernden neuen Klänge von Digital Reggae wurde geradliniger, meisterhaft gemachter, gelegentlich eleganter Reggae hier herüben (England, Anm.) oft als zu unspektakulär betrachtet, als dass er (bei einem breiteren Publikum, Anm.) Anklang gefunden hätte.« Im Rückblick liefert dieses Album lauter elegante, meisterhafte und spektakuläre Beispiele einer Musik, von der »ein großer Teil zu der Zeit, als sie produziert wurde, sehr wenig Eindruck machte« (Bradley). Alton Ellis, The Invaders, Horace Andy oder The Rightous Flames – 71 Minuten reiner Freude, für die, die’s inzwischen begriffen haben.