Various Artists

»Stimmen Bayerns – München«

Trikont/Lotus Records

Die siebte Edition der »Stimmen Bayerns« bedeutet eine inhaltliche Zäsur. Nämlich insofern, als sich diese Ausgabe nicht wie bisher einem allgemeinen zugrunde liegenden Thema wie der Liebe, dem Rausch etc. widmet, sondern einer Stadt. Diese kann natürlich die Metropole München sein, wo das verdienstvolle Trikont-Label ja auch schon seit Jahrzehnten residiert. Man widmete sich also in Form von »Gedichten, Kurzgeschichten, Essays, Musik, Songs und Sketches, Radiofeatures, Soundcollagen, Film-Tonspuren und O-Tönen« nur München und das Ergebnis der Arbeit der routinierten Goldgräber von Trikont kann sich wie immer hören lassen. Die 19 Stücke umfassen den nicht gerade knappen Zeitraum von 90 Jahren, wobei der älteste Beitrag von Karl Valentin und Liesl Karlstadt noch von einer Schellack stammt, während Maxi Pogratz von Koflgschroa »Elvis von Schwabing« erst Ende 2018 eingespielt hat. Die Bandbreite der Stücke reicht von regelrechten Stars wie Hans Söllner (»SʼSchwabinglied«), Udo Wachtveitl (liest Oskar Panizza), Maxi Pongratz und Main Concept feat. Blumentopf (»München halt«) über Semistars wie F.S.K. (»›M‹ wie München«), Zwirbeldirn (»Die Griesinger Mond-Serenade«), die 1982 verstorbene Schlagersängerin Bally Prell (»Isarmärchen«) und den Schriftsteller Franz Dobler (»Das Derby ist das Derby«) bis zu zumindest in Österreich weniger bekannten Interpreten wie der zugezogenen Barbara Häusler oder den Zitronen Püppies. Zwei Beiträge widmen sich dem Thema, mit dem München quasi reflexhaft assoziiert wird: Den exorbitant gestiegenen Mietpreisen. Das Suzie Trio tut das mit dem etwas bitteren, elektropoppigen »Tote brauchen keine Wohnung« indirekt und knapp. »Tote brauchen keine Wohnung, denn Tote sind nur Tote, können darum auf dem Friedhof wohnen« ist der gesamte Text dieses ein wenig an das Erste Wiener Heimorgelorchester erinnernden Songs. Eher nur am Rande wird das Wohnproblem von der Kabarettistin und Schauspielerin Luise Kinseher (zugezogen!) vulgo Mama Bavaria behandelt, die in ihrem launigen Text zur überraschenden Erkenntnis kommt, dass in München nicht die Armut, sondern der Reichtum das Problem ist. Mit dieser abwechslungsreichen Kompilation, die dem charakterstarken, oft derben Münchner Idiom in all seinen Nuancen gekonnt nachspürt, ist Trikont wieder ein überzeugender Teil der »einzigartigen Enzyklopädie der bayrischen Seele« geglückt, bei dem natürlich das Münchner Oktoberfest, die Wiesn, nicht fehlen darf. Ein eindrucksvolles lyrisches Sittenbild dazu kommt vom Schriftsteller Holger Paetz (zugereist): »No a Mass schadt do nix, die sauf ma glei auf ex. Und wer was wissen will und si bled herschaun traut, kriegt an Kruag neikaut, do hot er gschaut«. »München« ist Achim Bergmann gewidmet, der fast 50 Jahre Trikont geleitet hat und im März 2018 verstorben ist. Die luziden Linernotes hat kein geringerer als Herbert Achternbusch beigesteuert.