The Striggles

»The Striggles«

Noise Appeal

»Can’t judge a book by the cover?? hat Lemmy mal in einem Song auf sich selbst bezogen. The Striggles sagen das zwar nicht explizit, aber ihre Musik schreit dieses Prinzip fast heraus. Da bringt das steirische Quartett, das ohnehin einen doofen Bandnamen hat, ein Album mit einem derart lausigen Cover heraus, dass Uneingeweihte der Optik wegen eher auf 08/15- Funpunk tippen werden. Das Gegenteil jedoch ist der Fall. The Striggles nehmen auf ihrem selbstbetitelten neuen Doppelalbum wieder mal keine Gefangenen mit ihrem Avant Noise Rock. Das arhythmische »Loverboy« legt die Latte gleich zu Beginn hoch. Mit schleppendem Schlagzeug und trockenem Noise klingt die Band, als wollte sie ein Auto nur durch Musik in seine Einzelteile zerlegen. »Dehnung« hätte sich gut auf »On The Corner« von Miles Davis gemacht, wahrscheinlich wäre es aber sogar dem Meister zu schräg gewesen. Im psychedelischen »Blau« nehmen The Striggles mit elektronischen Soundscapes und schwerem Klavier Anleihen bei Radiohead anno 2000. Zur Mitte hin wird allerdings auch hier keine Rücksicht auf Hörgewohnheiten genommen. Nach spätestens sechs Minuten sollte sich angesichts der Noise-Attacken dann gar kein Grashalm mehr bewegen. Im Vergleich dazu wei&szlig »Penia«, der 14-minütige Abschluss der ersten CD, trotz offensichtlicher sonischer Gewandtheit, nicht so recht was es eigentlich sein will. Damit hätte es sich eigentlich, wäre »The Striggles« nicht ein Doppelalbum. Und so richtig böse wird es dann auch erst auf der zweiten CD. 45 Minuten lang deutet das monumentale »Skull« an, wo es nicht hinwill. Einzeln gespielte Becken, ein wummernder Bass und Space-Gitarren variieren ein simples Thema bis zur Schmerzgrenze. Da muss doch mal was kommen, denkt sich der/die HörerIn. Freilich kommt nichts.