The Shifters

»Open Vault«

adagio830/Insolito

Melodie-verliebter Post-Punk, akkurat windschief dargeboten. Souverän schluffige Songs, nur keine Hektik, erst noch mal eine rauchen und am Bier nippen, bevor es weitergeht! The Shifters wissen, wie man das angeht, und sie erinnern mich dabei an Bands, die ich im Plattenschrank stehen habe, deren Nachfahren seit vielen Jahren aber eher nicht mehr im Warenkorb landen. Und die australische Band wäre mir auch nicht in den Horizont geraten, hätte man mich nicht schlicht um ein Review gebeten; ob das nicht was für mich sein könnte? Tja, und tatsächlich, das ist doch was für mich, denn es kommen mir sofort The Fall in den Sinn (die frühen, von »Dragnet« bis »Hex Enduction Hour«). Es spielt in diesem Zusammenhang dann keine entscheidende Rolle, ob die achtsam komponierten Unachtsamkeiten auf eingeschränktes Vermögen in der Instrumentenbeherrschung oder freiwillige artistische Selbstbeschränkung zurückzuführen sind – der musikalisch prägende Minimalismus mag oder mag nicht im Dilettantismus wurzeln, er verfehlt seinen Effekt nicht: Die auf dem Doppelalbum versammelten Miniaturen hopsen und humpeln im Gehörgang herum und sorgen für gute Laune bzw. provozieren dieses Gefühl folgenloser Miesepetrigkeit, die man eben von Mark E. Smith und Konsorten her kennt. In jüngerer Vergangenheit sind mir in ähnlicher Manier die niederländischen Lewsberg aufgefallen, die kommen ein Quäntchen lakonischer und etwas weniger quengelig rüber, aber die Richtung ist in etwa dieselbe. Und die hier wortreich umkreiste musikalische Attitüde ist ein pophistorischer Evergreen auf beiden Seiten des Atlantiks: Sie findet sich bei The Velvet Underground und Jonathan Richmans Modern Lovers; Mark E. Smith hat sie kultiviert, ebenso wie Calvin Johnson mit Beat Happening; sie fand in Neuseeland auf Flying Nun ein Zuhause, die frühen Pavement stehen in dieser Tradition, um 2001 herum nannte man das Anti-Folk (Adam Green und The Moldy Peaches), und sie kehrt wieder und wieder, zum Beispiel bei Lewsberg oder eben The Shifters. Das ist aus der Vogelperspektive natürlich auch wieder etwas undifferenziert wahrgenommen, aber es kommt schon hin bzw. wer mit genannten Bands gerne leicht vernebelte Abende verbringt, sollte bei The Shifters mal reinhören. Da macht man nichts verkehrt.