Blumfeld

Testament der Angst

Zomba

Vor knapp zwei Jahren haben Blumfeld mit »Old Nobody« ihre Hörer gleichermaßen irritiert wie überrascht. Die Hamburger Meisterschüler hatten sich in kommerzielle Gefilde begeben, sind musikalisch leichter bekömmlich geworden, haben zwar politische Schärfe verloren, jedoch nicht an inhaltlicher Qualität eingebüßt. »Testament der Angst« hätte ein weiteres Produkt dieser durchaus positiven Entwicklung sein können. »Graue Wolken«, die erste Auskoppelung liefert nicht nur einen bitteren Vorgeschmack des Kommenden, sondern wird gleichzeitig zum Programm des Albums. Angst vor Gestern, Heute, Morgen, Liebe, Dämonen des Alltags sind altbekannte Themen, die hier jedoch in eklektischer Eintracht abgehandelt werden. Verstärkt wird dies noch durch akustische Montonie, die ihre einzige Abwechslung in Soft-Saxophon, Akustik-Gitarre und einem nicht ganz ernstzunehmenden finalen Orgelspiel in »Abendliedl« findet. Ernst gemeint oder nicht, hat man den Anspruch gute Pop-Musik zu machen, braucht auch die gewollte einfache »Direktheit« ihre Codes, denn sonst bleibt der Hörer unerreicht und vor allem unberührt. Blumfeld gelingt dies weder musikalisch noch textlich. Songs wie »Anders als glücklich« und »Eintragung ins Nichts« können trotz des spürbaren, inneren Widerspruchs nicht von der musikalischen Misere ablenken. Gerhard Stöger hat Recht »die bislang beste Pop-CD des Jahres« gehört zu haben, wenn er die Entwicklung von der »Hamburger Schule zur Münchner Freiheit« bestätigt sehen will.

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