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Subkultur in der Corona-Krise #8

Ein weiterer Pionier in der ehemaligen Rotlichtgegend Gürtel ist das Chelsea, keineswegs nur Homebase für Punkrock und Fußball. Ein E-Mail-Interview mit Othmar Bajlicz, Chelsea-Owner, Geschäftsführer und Booker.

Othmar Bajlicz ist Betreiber des Wiener Chelsea, das vor seinem Einzug in die Stadtbahnbögen (wie das Flex oder das WERK) unter einem Wohnhaus begann, Subkultur-Events zu veranstalten. Neben Bajlicz sorgt Co-Booker David Krispel, ehemals langjähriger skug-Autor, für eine diverse Live-Konzertprogrammierung, die subkulturelle Musikstile von Punk bis HipHop ebenso fördert wie heimische Klassiker wie Attwenger und internationale Underground-Acts von The Mekons bis Lydia Lunch. Bajlicz, ehemals arrivierter Kicker im Fußballnationalteam von Österreich, hat sich trotz der tristen Situation seinen Optimismus bewahrt.

skug: Welche Konsequenzen hat die Stilllegung des subkulturellen Konzert-/Clubbetriebs für das Chelsea?
Othmar Bajlicz: So, wie es jetzt aussieht, Konzert- und Clubbetriebzwangspause bis zum 1. September 2020. Fast sechs Monate keine betrieblichen Einnahmen. Der Schaden ist enorm.

Inwiefern ist das Chelsea in Kontakt mit der MA 7, dem Kulturamt der Stadt Wien bzw. Bundesstellen? Wird Schadensbegrenzung bzw. -wiedergutmachung angeboten?
Bei der MA 7 haben wir um eine Förderung für Herbstkonzerte angesucht. Das jetzt unabhängig von der Corona-Krise.

Kurzarbeit für Beschäftigte an der Bar ist wohl nicht möglich, da keine finanzielle Substanz?
Kein Mitarbeiter wurde gekündigt. Alle befinden sich in Kurzarbeit und bekommen ihr Gehalt ausgezahlt.

Kann um Mietreduktion bzw. Kulanz angesucht werden?
Die Miete ist gestundet, welche gesetzlichen Lösungen zum Schluss rauskommen, wird man sehen.

Gibt es soziale Ersatzprojekte seitens des Chelsea? Künstler*innen leiden ja extrem unter der Erlahmung des kulturellen Lebens.
Nein. Wir wissen nicht, wie wir solche sozialen Ersatzprojekte gestalten sollten.

Konzert- und DJ-Streams ins Wohnzimmer sind eine gute Möglichkeit, jedoch ersetzt das keineswegs den Sound, den eine gute P. A., wie jene im Chelsea, hergibt. Verfolgst du gewisse Streams bzw. was hältst du von dieser alternativen Präsenz, die ja kaum Einkommen verschaffen kann?
Ich verfolge gewisse Streams zwangsläufig. Was ich da zu sehen bekomme, begeistert mich wenig. Ein DJ legt in seinem Wohnzimmer auf, ohne direkten Kontakt zur Crowd? Welchen Sinn soll das ergeben? Wir planen jedenfalls keine Streaming-Konzerte aus dem Chelsea, weil wir der Meinung sind, dass sie echte Live-Atmosphäre in keinster Weise ersetzen können.

Eine Planung für die Zukunft ist schwierig, zu hoffen ist, dass es spätestens im September wieder losgehen kann. Wie läuft die Kommunikation mit Acts/Artists/Managements?
Wir planen jetzt mit Konzerten ab September. Die Kommunikation mit den Agenturen und Acts ist sehr rege. Wir sind sehr zuversichtlich, ein gutes Programm zusammenstellen zu können, einerseits mit Neuterminisierungen abgesagter Konzerte, andererseits aber auch mit neuen Bookings.  Es ist aber leider nicht möglich, alle abgesagten Konzerte neu ansetzen zu können. Scout Niblett ist z. B. so ein Fall. Auf dieses Konzert haben wir uns besonders gefreut.

Wie ist also die Buchungslage im Herbst und wie optimistisch bist du?
Die Buchungslage ist gut, der Optimismus groß, allerdings abhängig davon, ob wir im September wirklich loslegen können.

Danke für das Interview und alles Gute!

Link: http://www.chelsea.co.at/