Alfred Pranzl und Frank Jödicke bei der 35-Jahr-Feier von skug Magazin.
© Jannik Eder

»Das waren 35 Jahre skug«

Am 7. November 2025 feierte das skug Magazin sein Jubiläum im rhiz – mit Gesprächen über Haltung, Analoges und die Frage, warum skug noch da ist, während andere längst in der Altpapiertonne verrottet sind.

1990 fing alles an. Eine Zeit, in der manche Disketten formatierten. Die Welt sich formatierte. Ja, skug sich formierte, um zukünftig die Welt zu erklären. Oder zumindest jenen Teil, der sich nachts, in verrauchten Kellern, zu sehr lauter Musik abspielte. Seit 35 Jahren gräbt sich skug also durch den soziokulturellen Untergrund. Während andere Magazine kamen, glänzten und in der Altpapiertonne verrotteten, ist skug noch da. Wie eine Kakerlake des Musikjournalismus: ein bisschen unheimlich und ziemlich schnell, wenn man das Licht anmacht.

© Jannik Eder

Am 7. November 2025 feierte skug seinen 35. Geburtstag mit einem Salon skug im rhiz. Herausgeber Alfred Pranzl sprach mit Chefredakteur Frank Jödicke und der ehemaligen skug-Fotografin Magdalena Blaszczuk. Man erinnerte sich an damals, als alles noch analog war und man für ein Interview noch echte Menschen treffen musste. Was natürlich alles Teil der Haltung war. Und geblieben ist. Weil: Die Haltung ist kein Accessoire, das man sich morgens ansteckt. Sie ist das, was übrigbleibt, wenn man alles andere weglässt.

Dass Diskurs durchaus dröhnen darf, denkt sich das Tubi Trio und fabriziert im anschließenden Konzert die Erkenntnis, dass Melodien eigentlich nur ein Mangel an Fantasie sind. Was sich aus der Backmischung Bass, Schlagzeug und Saxophon quetschen lässt, ist mathematisch präzise und mitsamt Gitarre von Jukka Kääriäinen gleichzeitig völlig außer Kontrolle. Man steht da, das zweite oder sechste Glas in der Hand, und versucht, intellektuell mitzunicken. Ziemlich herrlich. Oder genau das, was skug immer wollte: Reibung, Baby!

Anschließend: Jeanne D’Arte. Ein Name wie ein schlechter Witz. Dafür: eine Performance, die den Raum im rhiz plötzlich ganz eng macht. Stimme, Körper, alles als Stilmittel eingesetzt. Man weiß nicht genau, ob man gerade Zeuge von etwas Großem wird oder ob man einfach zu wenig geschlafen hat. Beides fühlt sich gleich an. Doch, schließlich, als man denkt, man kann nicht mehr, schleicht er sich an: der Burnout. Noch dazu im Doppelpack: The Burned-out Burnouts. Nomen est omen? Von wegen! Wenn das ein Burnout ist, dann ist das die energiereichste Erschöpfung der Weltgeschichte. Chris Hessle und Martin Stepanek stecken Kabel, als wäre schon morgen, was im rhiz am Gürtel ja auch oft der Fall ist. 

Draußen peitscht der Novemberwind über den Gürtel, die U6 rattert oben drüber. Drinnen blicken ein paar Menschen auf 35 Jahre skug und die Gesichter derer, die skug gemacht haben, die skug lesen, die skug hassen, die skug brauchen. Es ist die schönste Subkultur Wiens. Seit 35 Jahren. Immer und immer wieder.

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