Gerade, wenn man meint, Berlin hätte in den letzten Jahren mehr als genug Neue-Neue-Deutsche-Welle-(Post-)Punk-Projekte hervorgebracht, sprießen fünf frische Musikerinnen auf dem DIY-Talentefeld und schaffen es trotz Überdruss, unentbehrlich zu sein. Die Knöpfe klingen ein bisschen wie Malaria! von heute, machen Musik, die so verspielt wie energetisch ist, und verstecken tiefgründige Gedanken hinter gewitzten Texten. Die Band besteht aus Pille, Palle, Ninja, Müge und Demi. Bei diesen Namen hätten sie sich alle genauso gut Ronny nennen können, aber den Move haben Pisse schon gebracht und die Knöpfe sind besonders gut darin, ihr eigenes Ding zu machen. Entstanden sind sie aus einer Lust heraus, ohne besondere Erwartungen, und gehen doch zumindest in Berlin ziemlich durch die Decke. Ein Auftritt jagt den nächsten, die Crowd ist treu und tanzbegeistert, angesteckt von der übersprudelnden Energie, die die Band auf der Bühne ausstrahlt. Auf diese Weise sicherten sie sich eine Einladung zum Fusion Festival 2026, noch bevor ihr Demo-Tape veröffentlicht wurde.
Das Girl von heute
Dieses Tape ist seit dem 22. Februar 2026 auf Bandcamp verfügbar und aktuell in der zweiten Auflage sold out. Auf acht schrammelig klingenden Aufnahmen, die in Großbuchstaben betitelt sind, beweist Sängerin Pille ihre Schreikraft, krächzt wie jemand, für den Kehlkopfentzündung ein Fremdwort ist. Die Texte entstehen in Zusammenarbeit der fünf Mitglieder und handeln von Ego-Issues, Ungerechtigkeit und Identitätskrisen, denen man am liebsten zurückgezogen im Schneckenhaus entfliehen würde. Demis immerwährende Keyboard-Griffe verleihen jedem Titel eine eigene, mal düstere, mal vergnügliche Stimmung und malen sie durch langgezogene Noten und exzentrische Effekte pueril aus – im besten Sinne. Diese gekonnte Verspieltheit ist es auch, was der Band ihren Reiz verleiht. Die Knöpfe klingen wie Kopfüber-vom-10-Meter-Brett-Springen, tragen ihre Einfach-mal-machen-Attitüde tief in den Zeilen und tun gut daran, der eigenen Intuition zu folgen, der eigenen Freiheit, die sie sich durch ihre innige Freundschaft schenken. Schon ein ehrliches »Upsi«, das man einfach in der Aufnahme lässt, beweist ihren ganz persönlichen Punk, das gewisse Etwas, das die Knöpfe selbst im übervollen NNDW-Sumpf aufscheinen lässt.
Die Enge des Nadelöhrs
Ein weiterer heller Stern im Copy-Paste-Becken heißt Carlo Karacho und reitet die Welle schon seit fast fünf Jahren. Eine Zeit, die für ihn bei seinem neuesten Album »Der letzte Ritt durchs Nadelöhr« zur Herausforderung wurde. Im Gegensatz zu Die Knöpfe, die am Anfang ihrer Karriere stehen und daher noch einiges an Einfällen und Entwicklung ausschöpfen können, hat Carlo seine Impulse schon häufig musikalisch interpretiert und fand sich eingegrenzt in der eigenen etablierten Marke. Mit dem neuen Album versucht er, die eigenen Grenzen zu erweitern, das Tau durchs Nadelöhr zu fädeln. Dies erreicht er durch experimentelle Strukturen, durch die Zusammenarbeit mit Freund*innen und insbesondere durch die ungezwungene Authentizität, die er sich behält, um noch immer nach sich selbst zu klingen. Der Symbiose aus frischem Wind und festen Segeln, die der Auftritt von Die Knöpfe und Carlo Karacho verspricht, könnt ihr ganz persönlich beiwohnen – am 2. Mai 2026 im B72 in Wien!












