Von 17. bis 26. April 2026 findet in Wien das diesjährige Salam Music Festival statt. Eine besondere Note verleihen dem renommierten Festival seit 2023 Gastkurator*innen, heuer in dieser Funktion: Mohamed Ben Saïd aus Tunesien. Die Headliner-Acts Yasmine Hamdan, Tinariwen, Ammar 808 und Sheherazaad sollen auf dem von Salam Orient auf Salam Music Festival umbenannten Veranstaltungsreigen mit Sounds und Kunst aus Südwestasien und Nordafrika Signalwirkung erzielen, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf ein breiteres, tiefschürfenderes Programm zu lenken. Bereits in den Anfangsjahren des 2002 von Norbert Ehrlich gegründeten Festivals war ein gewisser interdisziplinärer Ansatz vorhanden, welcher Literatur und Tanz einbezog. Diese Kontinuität wird mit dem Ergänzungstitel »& Arts« gewahrt und ausgebaut. Insbesondere an der Schnittstelle Sound und bildende Kunst, mit einer Arbeit von Myriam el Haïk im philomena+, die in dieser in der Heinestraße 40 in Wien 2 befindlichen Ausstellungsinstitution am 20. April um 19:00 Uhr eine Impro-Session mit Golnar Shahyar liefert. Eine Art Roadmovie auf den Spuren traditioneller tunesischer Musikformen bietet außerdem die immersive audiovisuelle Performance »Aïchoucha« von Khalil Epi, Produzent/Komponist/Multiinstrumentalist aus Tunis, tags zuvor am 21. April um 19:30 Uhr im Reaktor. Naheliegend ist »Traces«, der Titel der Live-Show des deutsch-syrischen Arab Electronica Duos Shkoon, das nicht Elegie, sondern leisen Aufbruch verströmen will, am 22. April um 20:00 Uhr in der Flucc Wanne. Salam Music & Arts ermöglicht soziales Zusammenkommen unterschiedlicher Gesellschaftsschichten, weshalb das Festival eine wichtige politische Haltung gegen erzreaktionäre zerstörende Tendenzen einnimmt. Hier nun die vielerlei Facetten von Salam Music & Arts ausleuchtende E-Mail-Konversation mit Katrin Pröll, die seit 2023 die künstlerische Leitung verantwortet.

skug: Salam Music konzentriert sich auf die sogenannte SWANA-Region (Südwestasien und Nordafrika), die meist sehr von arabischer Vorherrschaft und autokratischen Regimen (sogar in Tunesien ist der arabische Frühling gescheitert) geprägt ist und in the long run muslimisch dominiert bleiben wird. Welchen Grund hatte demnach die Umbenennung von Salam Orient in Salam Music? Auch jenen, dass islamische Fundamentalisten wie die Taliban in Afghanistan Musik verbieten?
Katrin Pröll: Die Umbenennung von Salam Orient zu Salam Music war ein Prozess, der bereits 2017 mit der Neuübernahme des Festivals begonnen hat. Dabei ist es uns um eine inhaltliche Weiterentwicklung gegangen, die mit einer stärkeren musikalischen Öffnung in unterschiedliche Richtungen einhergegangen ist. Der Begriff »Orient« erschien uns einfach nicht mehr zeitgemäß und ist oft mit vereinfachenden oder klischeehaften Vorstellungen verbunden. In vielen Gesprächen mit Künstler*innen und Partner*innen – sowohl lokal als auch international – war bald klar, dass wir diese Zuschreibungen nicht weiter reproduzieren möchten. Bis zur tatsächlichen Umbenennung hat es dennoch einige Zeit gedauert, nicht zuletzt durch die Pandemie und auch, weil der bestehende Name bereits stark etabliert war. Als die Entscheidung für die Ausgabe 2024 schließlich gefallen ist, hat es sich für mich angefühlt, als hätte das Festival nie anders geheißen. Für uns spiegelt »Salam« als Gruß wie auch als Wort für Frieden die Haltung des Festivals wider. Wir sind überzeugt, dass Musik eine verbindende Kraft hat.

Seit wann gibt es wechselnde Gastkurator*innen bei Salam Music, die durch ihre jeweilige Herkunft/Tätigkeit frischen Wind ins Festival bringen? Wie bist du auf Mohamed Ben Saïd aufmerksam geworden und welche Festivals bzw. Programmschienen in welchen Venues leitet er in Tunesien bzw. sonstwo?
Die Zusammenarbeit mit Gastkurator*innen war von Anfang an Teil unserer konzeptuellen Überlegungen. Zunächst war es uns aber wichtig, die gewachsenen Strukturen und unser Publikum gut kennenzulernen und die Neupositionierung des Festivals schrittweise voranzubringen. Durch die Pandemie hat sich dieser Prozess zusätzlich verzögert, auch weil wir in dieser unsicheren Zeit niemanden neu in diese Verantwortung einbinden wollten. 2023 konnten wir die Idee dann erstmals mit dem in Wien lebenden syrischen Oud-Spieler Orwa Saleh umsetzen. Erfreulicherweise ist er dem Festival als fixes Team-Mitglied erhalten geblieben. Mit den jährlich wechselnden Gastkurator*innen möchten wir den Austausch, den das Festival nach außen trägt, auch intern verankern. Für mich ist diese Herangehensweise jedes Jahr aufs Neue spannend, weil jede Zusammenarbeit eine andere Dynamik mit sich bringt. Ich schätze diesen Austausch sehr – man lernt nicht nur künstlerisch voneinander, sondern lernt sich auch persönlich besser kennen. Oft entstehen daraus Verbindungen, Kooperationen und Freundschaften, die über das Festival hinaus bestehen bleiben. Mohamed Ben Saïd habe ich bei der Musikmesse Visa for Music in Marokko kennengelernt. Es war schnell klar, dass wir musikalisch und inhaltlich ganz ähnliche Vorstellungen haben und uns beiden z. B. die Förderung der lokalen Szenen ein Anliegen ist. Als er 2025 das Festival in Wien besuchen konnte, habe ich ihn gefragt, ob wir die nächste Ausgabe gemeinsam kuratieren wollen. Er ist in Tunesien ein etablierter und verlässlicher Veranstalter, arbeitet mit internationalen Agenturen und Künstler*innen zusammen, kuratiert Festivals wie das International Festival of Dougga und realisiert mit seiner Reihe »Tunes« große Konzerte mit mehreren tausend Besucher*innen. Gleichzeitig engagiert er sich stark für die Förderung lokaler Künstler*innen und die Professionalisierung von Kulturarbeit.

De facto herrschen in der SWANA-Region meist Militärs bzw. Erbdynastien mit Polizeistaat. Außerdem führen arabische Golfstaaten im Sudan gar einen grausamen Stellvertreterkrieg. Als problematisch sah ich Salam-Orient-Auftritte aserbaidschanischer Ensembles, die einem extrem diktatorischen Regime als Kulturbotschafter dienen. Stelle ich mir als schwierige Gratwanderung vor … Kommt ihr da manchmal in Interessenskonflikte?
Ja, solche Spannungsfelder begleiten unsere Arbeit immer wieder und ich bin mir dieser Problematik sehr bewusst. Gerade weil wir mit Künstler*innen aus unterschiedlichen politischen Kontexten arbeiten, ist es für uns – und auch für die eingeladenen Künstler*innen – wichtig, eine klare Trennung zwischen einem unabhängigen Festival und offiziellen Ländervertretungen zu ziehen. Wir möchten Künstler*innen eine Plattform bieten, die ihre eigenen Positionen vertreten, oft auch in kritischer Auseinandersetzung mit den gesellschaftspolitischen Verhältnissen in ihren Herkunftsländern oder im internationalen Kontext. Deshalb haben wir früh entschieden, grundsätzlich nicht mit offiziellen Ländervertretungen zusammenzuarbeiten. Als wir das Festival übernommen haben, gab es eine bestehende Kooperation mit dem aserbaidschanischen Kulturforum der Botschaft in Wien. Diese haben wir zunächst noch kurze Zeit weitergeführt – wie einige andere Kooperationen auch – um die gewachsenen Strukturen und das Festival besser zu verstehen und schließlich unseren eigenen Weg zu finden. Dabei war es uns auch wichtig, langjährige Partner*innen nicht abrupt auszuschließen. Für die Neuausrichtung des Festivals war es dann eine logische Entwicklung, neue, eigene Kooperationspartner*innen an Bord zu holen. Das bedeutet aber nicht, dass wir Künstler*innen aufgrund der staatlichen Strukturen in ihren Herkunftsländern ausschließen. Ich halte nichts davon, Künstler*innen pauschal als Instrument ihrer Regierungen anzusehen und zu boykottieren. Entscheidend sind für mich die individuelle künstlerische Praxis und der Mensch dahinter. Deshalb setze ich mich intensiv mit den Künstler*innen auseinander – durch persönliche Gespräche, aber auch durch Interviews und ihre Arbeiten. Sie tragen natürlich die Haltung des Festivals entscheidend mit und gleichzeitig wollen wir genau ihnen eine Plattform geben.

Viele Artists leben sowieso längst in Europa, etwa der grandiose Produzent Sofyann Ben Youssef aka Ammar 808 in Dänemark. Wie wichtig ist euch die politische Komponente? Die Erörterung krasser Missstände dem Publikum gegenüber?
Die politische Komponente ist für uns auf jeden Fall relevant, aber nicht im Sinne einer direkten Vermittlung. Als Festival wollen wir nicht erklären oder bewerten, sondern unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen. Viele der eingeladenen Künstler*innen setzen sich in ihrer Arbeit mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinander – manchmal explizit, manchmal subtil. Diese Vielschichtigkeit ist uns wichtig. Dem Publikum möchten wir aber keine eindeutige Lesart vorgeben, sondern die Möglichkeit geben, den eigenen Zugang zu finden. In diesem Sinne verstehen wir das Festival weniger als Ort der politischen Vermittlung, sondern als Raum für Begegnung, Austausch und Erfahrung – in dem auch komplexe Realitäten möglich sind, ohne sie zu vereinfachen.
Antisemitismus ist nicht nur in arabischen Staaten Fakt, sondern auch in muslimisch geprägten Communties in Westeuropa. Andererseits muss auch eine Kritik am Staat Israel möglich sein, wo eine rechtsautoritäre Regierung am Werk ist, die die Existenz eines palästinensischen Staates nicht will. Spielt der gegenwärtige Kriegsalptraum eine Rolle in euren Gesprächen, etwa mit Yasmine Hamdan, deren Heimat Libanon teils immer noch in Geiselhaft der vom Iran finanzierten Hisbollah ist, was die Zivilbevölkerung des Südlibanons angesichts der Bombardements Israels immens büßen muss?
Viele Künstler*innen und Besucher*innen unseres Festivals sind von den aktuellen Kriegen direkt oder indirekt betroffen und das geht uns natürlich allen sehr nahe. Viele befinden sich in einem emotionalen Ausnahmezustand. In solchen Situationen hilft Reden oft nur begrenzt. Wir nehmen großen Anteil und haben Verständnis für diese Ausnahmesituation. Mir persönlich fällt es in solchen Momenten schwer, mit der Festivalbewerbung nach außen zu gehen – es fühlt sich angesichts der Katastrophen nicht angemessen an. Gleichzeitig höre ich von betroffenen Künstler*innen und Besucher*innen immer wieder, wie wichtig das Festival gerade in diesen schweren Zeiten ist, als Ort der Solidarität und auch des kulturellen Widerstands. Wenn das Festival dann tatsächlich über die Bühne geht, erlebe ich selber, wie viel Kraft dabei entsteht und dass diese Verbundenheit auch etwas Heilsames hat.

Wie ergab sich das heurige Programm? Treffen sich deine und Martina Laabs Vorlieben mit denen eures Gastkurators und soll ein Live-Act auch gerade auf Tour sein, aus Kostengründen, oder spielt das eine untergeordnete Rolle?
Nach der ersten Phase der Neupositionierung haben Martina und ich die Co-Leitung aufgelöst, da sich das auf Dauer neben ihrem Fulltime-Job als Dramaturgin im ORF Radiokulturhaus in der praktischen Umsetzung nicht wirklich ausgegangen ist. Sie ist aber weiterhin als Beraterin fixer Bestandteil des Teams, was mich persönlich sehr freut, denn ich schätze ihre Arbeit und Meinung sehr. In der Zusammenarbeit mit den Gastkurator*innen – heuer eben mit Mohamed Ben Saïd – entsteht das Programm aus einem gemeinsamen Ideenaustausch. Die Ideen kommen von beiden Seiten und oft ist es tatsächlich so, dass sich unsere Wunschlisten überschneiden. Gleichzeitig gibt es immer wieder Neuentdeckungen, die aus dieser Zusammenarbeit entstehen. Bei den bisherigen internationalen Gastkurator*innen habe ich auch durchaus ihre lokale Vernetzung und Zugänge zu Szenen und Künstler*innen genutzt, um an für uns sonst schwerer erreichbare Künstler*innen heranzukommen – nicht zuletzt auch zur Freude der Gastkurator*innen. Wichtig ist mir in jedem Fall, dass die Gastkurator*innen das gesamte Musikprogramm inhaltlich mittragen können – und das gilt genauso für das Festival-Team, dessen Meinung ich ebenfalls sehr schätze. Wir alle stehen für das Festival nach außen, daher ist es für mich wichtig, dass wir auch gemeinsam dahinterstehen. Natürlich spielt am Ende auch die Machbarkeit eine große Rolle. Bei internationalen Acts finde ich es wichtig, dass es ökologisch und ökonomisch vertretbar ist, sie nach Wien zu holen. Deshalb versuche ich oft, über unser internationales Netzwerk Anschlusskonzerte zu ermöglichen oder uns mit anderen Veranstalter*innen zusammenzutun, um Künstler*innen gemeinsam einzuladen.

Da Bund und Land Wien Kulturbudgets kürzen: Hielt sich die Beschneidung der Subventionen bei Salam Music in Grenzen und überhaupt: Wie finanziert sich Salam Music, grob skizziert? Auch mittels Kooperationen?
Wie viele Kulturveranstalter*innen spüren wir die aktuellen Entwicklungen natürlich auch. Ein wichtiger Fördergeber, die Austrian Development Agency, ist für uns zuletzt komplett weggefallen. Gleichzeitig konnten wir einige neue Förderungen gewinnen – meist in kleineren Beträgen, die aber dennoch wichtig sind, um das Gesamtgefüge zu stabilisieren. Unsere wichtigste Unterstützung kommt weiterhin von der Stadt Wien, gefolgt vom Bund. Eine zentrale Rolle spielen auch die Ticketeinnahmen. Darüber hinaus arbeiten wir verstärkt mit anderen Kulturorganisationen an Kooperationen. Diese ermöglichen es uns, Ressourcen zu bündeln und Programme gemeinsam zu realisieren. In diesem Jahr sind erstmals auch Kooperationen mit anderen Konzertveranstaltern dazugekommen, wodurch sich das finanzielle Risiko für uns reduziert. Insgesamt ist die Situation herausfordernd – nicht nur durch die Fördersituation, sondern auch durch deutlich gestiegene Kosten. Umso wichtiger ist es für uns, flexibel zu bleiben und neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln. Ich freu mich jedenfalls, dass es gelungen ist, dass man dem Programm die erschwerten Rahmenbedingungen nicht im Geringsten ansieht.
Neben den in der Einleitung gepriesenen Acts hat Salam Music mit Yasmine Hamdan, Tinariwen oder der Sängerin Sheherazaad, deren aktuelles Album von Arooj Aftab produziert wurde, zugkräftige Künstler*innen am Start. Passiert das auch Salam Music, dass andere heimische Festivals Artists wegfischen? Oder umgekehrt ihr etwa dem Donaufestival mit Ammar 808 Exklusivität »weggenommen« haben könntet?
Ich würde das gar nicht so sehr als »Wegfischen« sehen – wir arbeiten alle in einem ähnlichen Feld, aber mit unterschiedlichen Zugängen und Publikumsstrukturen. Insofern empfinde ich das vielmehr als Ergänzung als als Konkurrenz. Und wenn ein spannender Act nach Österreich kommt, freue ich mich natürlich auch, wenn ich ihn einfach einmal nur als Publikum erleben kann. Ein gutes Beispiel ist Ammar 808, den ich zum ersten Mal beim Donaufestival gesehen habe. Sein damaliges Programm hätte ich bei Salam Music so noch nicht verortet, auch weil wir ein anderes Publikum ansprechen. Erst mit seinem aktuellen Album »Club Tounsi« war für mich klar, dass das auch bei uns gut funktionieren kann. Generell haben wir mit dem Donaufestival einen guten Austausch – im Marketing-Bereich empfehlen wir unsere Programme manchmal gegenseitig. Für einen unserer diesjährigen Programmpunkte haben wir sogar über ein Anschlusskonzert gesprochen. Dabei war für beide Seiten klar, dass wir unterschiedliche Publikumsgruppen erreichen, und Exklusivität hat in diesem Zusammenhang gar keine Rolle gespielt.

Was zu einer weiteren mich beschäftigenden Frage führt. Die Arab Electronica von Shkoon am 22. April um 20:00 Uhr in der Flucc Wanne hat wohl ein anderes Zielpublikum als die Wiener Oud-Virtuosin Avin Ahmadi, welche am 21. April um 19:30 Uhr die begnadete iranische Komponistin Sanam Maroufkhani aus Amsterdam zu einem Doppelkonzert in die Sargfabrik einlädt. Wie hoch sind die Hemmschwellen, die einer analogen, akustisch-beschaulichen Musik zugeneigte Besucher*innen nicht die Türen zum Flucc oder Flex aufstoßen lassen.
Die Erweiterung unseres musikalischen Spektrums war von Anfang an Teil der Neupositionierung – auch mit dem Ziel, ein unterschiedliches und vor allem auch jüngeres Publikum anzusprechen. Es ist ganz klar, dass es für manche Besucher*innen eine gewisse Schwelle geben kann, neue Orte oder Formate auszuprobieren. Gleichzeitig erlebe ich unser Publikum als sehr offen und neugierig. Viele erzählen uns, dass sie es toll finden, durch das Festival auch wieder an Orte wie das Flucc oder das Flex nach vielen Jahren zurückzukehren. Andere wünschen sich aber wiederum bestimmte Acts in einem gediegeneren Setting. Für uns ist genau diese Vielfalt interessant: unterschiedliche Räume, unterschiedliche Konzertformate und damit auch unterschiedliche Zugänge zur Musik. Wir sehen das weniger als Barriere, sondern als Einladung, sich auf Neues einzulassen und das Festival in seiner ganzen Bandbreite zu erleben.

In der philomena+ art & architecture platform in Wien-Leopoldstadt gibt es einen wichtigen Verbindungsstrang zu erleben. Salam Music hat im Anhang noch die Worte »and arts«, beschäftigt sich also auch mit bildender Kunst als Schnittstelle zur Musik. Gibt es da einen Leitfaden für 2026? Bzw. ist Myriam el Haïks Performance-Installation »OHrGrüN/VerT d’OreiLLe« bereits die besondere Essenz?
Der Zusatz »and arts« war für mich auch eine persönliche Weiterentwicklung des Festivals. Ich interessiere mich für unterschiedliche Kultursparten und finde gerade interdisziplinäre Ansätze sehr spannend. In gewisser Weise knüpfen wir damit auch an die Anfänge des Festivals an, wo neben Musik auch Literatur oder Tanz eine Rolle gespielt haben. Der Bereich der bildenden Kunst ist in dieser Form neu dazugekommen und wurde vor allem durch die Zusammenarbeit mit dem Kunstraum philomena+ möglich. Ich schätze deren Arbeit sehr – sie bringen die Expertise und das Netzwerk in der visuellen Kunst ein und gemeinsam entwickeln wir Projekte an der Schnittstelle von Musik und bildender Kunst. Die Arbeit von Myriam el Haïk ist dafür ein sehr schönes Beispiel, weil sie sowohl Komponistin als auch bildende Künstlerin ist und genau in diesem Zwischenbereich arbeitet. Verstärkt wird diese Schnittstelle noch durch die Zusammenarbeit mit der in Wien lebenden Sängerin und Komponistin Golnar Shahyar, die im Rahmen des Projekts entsteht. Darüber hinaus umfasst »and arts« diesmal auch eine Fotografie-Ausstellung – »Cairo Studios« von Peter Garmusch, einen Artist Talk mit dem Künstler und Spektakel-Betreiber Hawy Rahman, eine Listening Session zu Ziad Rahbani mit unserem diesjährigen Gastkurator, das faszinierende audiovisuelle Projekt »Aïchoucha« von Khalil Epi, Poesie mit dem afghanischen Dichter Ramin Mazhar und Kulinarik bei »Home Fado«. Es geht uns darum, unterschiedliche künstlerische Zugänge zu eröffnen und Verbindungen herzustellen.

Einige bemerkenswerte Acts werden in einschlägigen Wiener Venues gastieren. Wo sozusagen eine zugewanderte Wiener Szene orientalische Klanggefilde offenbart. In der Brunnenpassage, im Spektakel oder im Reaktor. Welche Artists liegen dir davon besonders am Herzen?
Ich finde gerade die genannten Orte sehr spannend, weil sie Community Spaces sind und zusätzlich zu unserem auch ihr eigenes Publikum mitbringen. Sie passen sehr gut zur Idee des Festivals, niedrigschwellige Räume zu schaffen, in denen Menschen zusammenkommen können. Hier setzen wir vor allem Formate um, die nach einem intimeren Rahmen verlangen. Ein gutes Beispiel ist das Projekt »A Small Wish« mit der Oud-Spielerin Avin Ahmadi und dem afghanischen Dichter Ramin Mazhar, bei dem Poesie und Musik in einen direkten Dialog treten und Storytelling im Zentrum steht. Bei »Home Fado« im Reaktor wird dieser Ansatz noch erweitert. Dort verbinden sich Musik, Poesie und Kulinarik in einer gemütlichen Atmosphäre. Das Spektakel ist in gewisser Weise unser Festival-Zuhause. Im Rahmen von »Salam Salon« finden hier unterschiedliche Programmpunkte bei freiem Eintritt statt, wie die bereits erwähnte Listening Session, Artist Talks, Ausstellungen, eine Jam Session mit dem Trio Cosmopolitan als Opening Act und auch einem Showcase der marokkanischen Band Badil im Rahmen ihrer Artist Residency bei Salam Music.











