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Vielleicht sind auch Ihnen wieder diese Spiele oder Tombolas aus Ihrer Schulzeit eingefallen, bei denen am Ende alle gewonnen haben. Aber mit Universal im Hintergrund kommt für die Kandidaten und Kandidatinnen von Starmania noch ein Moment der Wahrheit – der Markt. Im wirklichen Leben gelten nämlich andere Spielregeln, und man will ja alle KäuferInnen zufriedenstellen. Es wäre bestimmt spannender gewesen, hätte sich die Plattenindustrie mit nur zwei Plattenverträgen zufrieden gegeben und alle übrigen Starmanians der alternativen Industrie anvertraut. Ich könnte mir auch gut vorstellen, Michael und Vera von zehn verschiedenen Artistic Directors produzieren zu lassen, von Patrick Pulsinger bis DJ Ötzi, Fritz Ostermayer bis Wipeout oder Pita bis Attwenger. Das wird jedoch ein Wunschtraum bleiben, denn in Europa sind »Starmanias« das wichtigste Geschäft seit langem – wahre Goldminen der Plattenindustrie. Diesmal sind es drei Singles, drei Boys, drei Tracks. Mit »Manchmal« und »Sag es laut« zeigt sich Boris von seiner dunkleren Seite, falls er überhaupt etwas von sich zeigt. Der energische, halbmelodische Funky-Rap mit Mollakkordwechseln ist im Grunde ganz up to date, eignet sich aber nicht wirklich zum Number-one-Hit. (Die Piano-Gesang-Ballade können wir getrost vergessen.) Der liebe Andreas, der bei Mädeln und reifen Frauen gleichermaßen ankommt, bittet unmissverständlich um die »Zweite Chance«, nur wird dieser Titel leider bald als Souvenir an seiner Wohnzimmerwand hängen. (Ich kann mich natürlich irren, aber auch das gehört zum Spiel.) Die B-Seite ist eine echte Kuschelnummer, zu der Teenager das erste Mal eng tanzen und einander auf die Füße steigen können. Ganz okay. Lukas macht alles auf englisch und à la Chris de Burgh. Ein bisschen Mainstream-Pop, eine Prise Sommer, nichts Außergewöhnliches, und auch bei ihm funktioniert die »Chains of Yesterday« betitelte B-Seite etwas besser. Ich denke, dass wir wieder einmal von Deutschland am meisten lernen konnten, mit dem Comeback von Modern Talking und deren Hit-Single »TV Makes the Superstar« wurde nämlich noch ein Schäuferl nachgelegt, eine Grenze überschritten, wenn Sie verstehen, was ich meine. Was jedoch uns betrifft: Tausend Mal Vera! Michael ist auch okay, das ist nur gerecht. Na dann, bis zur nächsten Staffel.

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