Irène Schweizer

»Spring«

Intakt Records

Da springen wir doch gleich mal ein paar Jahrzehnte zurück zu dem recht berühmten Paris-Konzert von Steve Lacy und Gil Evans aus dem Jahr 1987. Dieser »Paris  Blues« geriet den beiden Herren zu einem recht introspektiven Streifzug durch die Jazzgeschichte, mit intimen, aber auch grellen Momenten im Zeichen unverwechselbarer Virtuosität – und zugleich sich zu einer hemmungslose Liebe zu den großen Helden im Jazz bekennend. Charles Mingus und Thelonious Monk etwa, um nur zwei Namen zu nennen. Ungefähr in diesem Fahrwasser bewegen sich auch die renommierte Pianistin Irene Schweizer und der doch wesentlich jüngere Saxophonist Jürg Wickihalder auf ihrer CD »Spring«, nur dass viele Jahre vergangen sind und der virtuos-eigenbrötlerische Rückblick auch über gegenwärtigere Klangwelten streift. Dennoch findet sich das meiste Herzblut entlang der Achse Lazy/Monk. Es gibt ergreifend schöne Momente auf »Spring«, die einen Hauch von verwehter Zeitreise nie ganz los werden, zugleich wehrt man sich immer wieder mit zickig-sperrigem Pathos gegen allzu viel Wohlklang. Ebenfalls stets toll anzuhören: der erdig-perkussive Anschlag von Frau Schweizer. Eine durchaus erfüllende Angelegenheit.