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Wie erkläre ich das meinem Sohn, wenn er mal gro&szlig ist? Warum ausgerechnet die neue CD von Uri Caine, der ja ohnehin von allen Musikfeuilletons dieser Welt längst in den Himmel gemobbt wurde, der mit unkonventionellen Klassikerneuinterpretationen von Mahler bis Wagner zigfach Furore gemacht hat? Auf »Siren« hören wir hingegen ein eher unscheinbares Jazztrio, Klavier, Bass, Schlagzeug, so wie wir es von Fats Waller über Art Tatum bis Bill Evans und Chick Corea kennen. Und beim ersten Reinhören klingt das gar nicht so weit entfernt, aber eben doch anders. Wie erkläre ich diese difference/differance? Uri Caine phrasiert und improvisiert zwar nach eher klassischen Mustern, bleibt dabei aber funky und swingend wie ein Jazzurgestein. Das ist geschwätzig und diszipliniert zugleich, klassikerbelesen und doch unverbraucht. Eine verspielte Vitalität knistert und leuchtet hier, die selbst den langsamen Nummern jede Trägheit nimmt. Wenn das High-Art-Jazz-Mainstream ist, wenn das moderner und zugleich traditionsbewusster Jazz sein soll, dann bitte nur so. Man sitzt fingerschnippend vor dem Lautsprecher, während der Funkenflug der Improvisation das Hirn verbiegt. Tanz, Schönberg, tanz!

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Text
Curt Cuisine

Veröffentlichung
21.09.2011

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