Savages

»Silence Yourself«

Matador

Wenn Genres in Farbtönen gedacht würden, dann könnte Post Punk schwarzweiß für sich beanspruchen. Die Introversion, die Kälte verfallender Industriestädte, das alles hat einfach keine bunten Farben verdient, woran sicher auch Anton Corbijn ein bisschen mit Schuld trägt. Das Cover von »Silence Yourself«, dem Debütalbum der von der Musikpresse hochgelobten Noise-Post-Punks Savages aus London, ist dementsprechend auch schwarzweiß gehalten, was vorerst dem Mythos Tür und Tor öffnet. Anders formuliert: wird hier einfach ein »cooles« Glaubenssystem repetiert und ist das um irgendetwas besser, als stur Garagenrock oder Heavy Metal der alten Schule die Treue zu halten? Wer der Argumentation des »Uncut«-Magazins in der Besprechung von »Silence Yourself« folgt, müsste diese Frage mit nein beantworten. Die Platte sei »a disappointing triumph of retro-goth style over substance«, heißt es da unter anderem. Doch abgesehen davon, dass das inhaltlich gewagt ist (goth?!), es geht auch am Kern der Sache vorbei. Wahrscheinlich könnten Savages nämlich auch Folk spielen und wären immer noch eine höchst wichtige Band, da sie durchaus »substance«, also etwas zu sagen haben. Die Noise-Gitarre, der Nomeansno-Bass und der geifernde Gesang sind keine ästhetische Reproduktion eines Popkatechismus (dann wären die Vorwürfe des Epigonentums ja gerechtfertigt) sondern geben den Forderungen der Gruppe einfach die entsprechende Dringlichkeit. Wie alle guten Bands erschaffen auch Savages aus Literatur, Film und Musik ein persönliches Werteuniversum, das ikonoklastisch, aber nicht plakativ ist. Beispielhaft dafür ist das am Albumcover abgedruckte Manifest über Entschleunigung und Konzentrationsfähigkeit im Wirbel alltäglichen Lärms und dauernder Ablenkungen, welches angenehm unpeinlich geraten ist. Die aggressive Musik von Savages verstärkt solch lutherischen Eifer. Gitarristin Gemma Thompson benützt ihr Instrument wie ein Chirurg sein Messer, Sängerin Jehnny Beth tobt die meiste Zeit und die Rhythmusgruppe bastelt hervorragend an einem noisigen Unterbau. Grenzübertretungen in Richtung Heavy Metal oder Beinahe-Grindcore gegen Ende des Albums wirken da nur konsequent. Die Texte behandeln Themen wie Selbst- und Fremdbestimmung, Masochismus und die oben erwähnte Notwendigkeit zur Verweigerung der Verführung. Savages suchen die Stille indem sie laut sind. Das klingt kitschig, ist in Wirklichkeit aber das Beste was dem Musikjahr 2013 passieren konnte.