Orphan Fairytale

»Tune In Tree Ears« 

Kraak

Orphan Fairytale ist seit über 15 Jahren Eva van Deurens musikalische Rappelkiste. Im belgischen Underground fest verwurzelt, hat sie über die Jahre hinweg unzählige CD-Rs und Kassetten sowie eine Handvoll Schallplatten veröffentlicht. Jetzt sind zwei neue Alben erschienen: »Tune In Tree Ears« auf Kraak und, mehr oder weniger zeitgleich, auf Ultra Eczema »Titania Moon« (dessen kleine Auflage beim Label bereits als ausverkauft gemeldet wird). Beide Alben unterscheiden sich voneinander bzw. kann man etwas verkürzend sagen, dass Eva van Deuren auf »Titania Moon« mehr oder weniger dem musikalischen Pfad folgt, auf dem sie wandelt, seit sie ihre ersten Aufnahmen veröffentlicht hat: mit Hilfe von Loop-Station, diversen Effektgeräten und Synthesizern/Keyboards erstellte, mal mehr, mal weniger schroffe, aber immer verspielte Miniaturen elektronischer Musik zwischen Ambient, Noise und New Age. »Tune In Tree Ears« ist, wie erwähnt, anders bzw. vor allem dem Genre New Age lässt sich zuordnen, was Eva van Deuren auf der Harfe zusammengezupft hat und – ergänzt um den minimalen Einsatz elektronischer Mittel – auf dem Album zur Verfügung stellt. Das klingt im Ergebnis freundlich, hier und da ein wenig süßlich und insgesamt verträumt bis weltflüchtig. Und bevor jetzt die Augenbrauen hochgezogen werden: Musikalische Genres fallen ja mit dahinterstehenden oder vermuteten politischen Haltungen schon lange nicht mehr zusammen. Eva ist nicht braun und trägt auch keinen Alu-Hut. Die esoterisch anmutenden Klangskizzen sind Ausdruck musikalischer Fantastik und Neugier – und ein bisschen Eskapismus schadet nicht. Musikalisch mag, der Harfe wegen, der Vergleich zu Joanna Newsom naheliegen. Aber Eva van Deuren singt in aller Regel nicht und kleidet ihre Harfenklänge stattdessen in fantastische Stimmungen, die an Suzanne Doucet oder Emerald Web erinnern. In der Kombination dieser Elemente ist ein wunderbares Album entstanden, das sich aufgrund seiner freundlich-verträumten Atmosphäre bestens dazu eignet, den nächsten Lockdown auf der Couch zu überstehen, ohne durchzudrehen.