Mike Pride

»I Hate Work«

Rare Noise Records

Der New Yorker Schlagzeuger Mike Pride fiel heuer schon positiv auf »Stove Top«, dem Debüt des Trios Three-Layer Cake mit Basslegende Mike Watt und dem Gitarristen/Banjo-Virtuosen Brandon Seabrook, auf. Nun hat er ein weiteres Album über RareNoise Records veröffentlicht. »I Hate Work« ist die jazzige Neuinterpretation von MDCs Debütalbum »Millions Of Dead Cops«. Vor knapp 40 Jahren aufgenommen, 1982 veröffentlicht, zählt es zu den Meilensteinen des US-Hardcore: instrumental aufgrund des Tempos und manch fieser Breaks; textlich, weil Dave Dictor & Co. nicht nur gegen KKK, Cops und andere Nazis (»John Wayne Was A…«) anschrieen, sondern sich auch pro-queer (»America’s So Straight«, »My Family Is A Little Weird«) und vegetarisch/vegan (»Corporate Deathburger«) positionierten. Dass Pride selbst ein späteres Album mit MDC einspielte (»Magnus Dominus Corpus«, 2004), sah in der musikalischen Biografie des vielseitigen Drummers eher nach Randnotiz aus. Doch offenbar wirkte da noch so einiges nach. »Und 90 Tage auf Tour zu sein, ohne einen Tag frei zu haben, war ein echter Arschtritt. Im Nachhinein betrachtet war es eine großartige Erfahrung«, sagt Pride. Für dieses Projekt, das inklusive drei Eigenkompositionen über weite Strecken einem akustischen Mix aus Bop, Cool und Swing verpflichtet bleibt, hat er sich Jamie Saft am Piano sowie Bradley Christopher Jones am Kontrabass geholt.

Nun haben es stilistische Generalüberholungen so an sich, dass sie den Originalen nur selten wirklich Originelles abringen und Neues hinzufügen können. Auch erweisen sich Songstrukturen – so wie andere Strukturen –, selbst wenn sie nur noch angedeutet werden, gerne als zäher als gedacht. So überdauern sie freilich auch völlig entgegengesetzte Interpretationsabsichten. Weder wollte der späte Coltrane »My Favorite Things«, noch konnte Sid Vicious »My Way« restlos zertrümmern. Was nun Prides Würdigung von MDC angeht, so wäre für meinen Geschmack das Naheliegendere – call it Improv-Noise-Freakout – doch als das Passendere erschienen. Mick Barrs Gitarre auf »Business On Parade« vermisse ich auf anderen Tracks. Nimmt man von den meisten Songs sowohl die Text- als auch die Gitarrenspur weg, dann bleibt nicht mehr viel Spannendes zum Uminterpretieren übrig. Die ursprünglich kommunizierte Dringlichkeit verliert sich in verspielter Beliebigkeit; trotz oder wegen manch detailverliebter Rekonstruktion. Dass Dave Dictor über die achtminütige Version von »I Hate Work« ein wenig croont, ist freilich eine freundschaftliche Autorisierung von Prides Projekt. Musikalisch überzeugender ist aber »America’s So Straight«, in dem JG Thirlwell die queere Queen im Tom-Waits-Tonfall gibt. Sollte jemand wieder Lust auf klassischen Hardcore mit entsprechender Szenelektüre bekommen haben, dem*der sei an dieser Stelle Dictors kleine Autobiografie empfohlen: »MDC: Memoir from a Damaged Civilization« (AK Press, 2016).