Three-Layer Cake

»Stove Top«

Rare Noise Records

Der unermüdliche Mike Watt lässt im Monatsrhythmus Neues von sich hören. Und neu bedeutet bei der Basslegende immer öfter eine Kollaborationspremiere in Albumlänge. Nach Emma Goldman Bust-Out Brigade, einer inspirierten Würdigung der Anarcha-Feministin mit Devin Hoff und Jeff Berardi, ist Watt nun Teil eines weiteren Improv-Trios: Das Debüt von Three-Layer Cake wurde zusammen mit Drummer Mike Pride sowie dem Gitarristen/Banjo-Virtuosen Brandon Seabrook zubereitet. Seabrook spielte ebenso wie Pride u. a. für Anthony Braxton. Pride trommelte auch für die Hardcore-Veteranen MDC das Album »Magnus Dominus Corpus« 2004 ein. Solch genresprengende, szenenübergreifende Aktivitäten trafen bei Watt freilich auf offene Ohren. Er lud Pride in seine »Watt from Pedro [Radio] Show« ein. Die Idee für ein gemeinsames Projekt war geboren. »Stove Top« entstand von Oktober bis Dezember 2020. Wie schon im ausführlichen skug-Interview bekräftigt Watt bezüglich des musikalischen Entstehungsprozesses in pandemischen Zeiten: »Es gibt viele beschissene Dinge im Internet, aber das hier ist eines der guten Dinge: Anstatt Lügen zu verbreiten, kann man Dateien tauschen.« Bei den meisten der acht Tracks schickte zunächst Pride seine perkussive erste Schicht des Kuchens aus Chester, New York, an Watt. Dieser legte die zweite in Pedro darüber; Seabrook besorgte die dritte Schicht in Brooklyn. Ähnlich wie bei Il Sogno Del Marinaio (ein weiteres Trio mit Watt) profitieren hörbar zwei Musikergenerationen voneinander. Da bleibt wenig Zeit für Nostalgie, dafür genügend Klangraum für Experimentierfreude und wissende Anspielungen. Die ersten eineinhalb Minuten von »Luminous Range – Anxious Valve« hätten auch zu Watts Miniaturen auf »Hyphenated-Man« gepasst, bevor Seabrook D.Boon-like funkt. Ich sage nur: »Toadies«! Auf »Tiller« legt Watt eine selten von ihm gehörte verzerrte Bass-Spur, über die Seabrook am Banjo und Pride an der Marimba tänzeln. Auf »Big Burner« wiederum, dem Track mit dem punkrockigsten Drive, fängt Seabrook die Signature Sounds von Nels Cline, Tom Watson und Joe Baiza ein. Dem Saccharine-Trust-Gitarristen ist das Album, auf dem es bei mehrmaligem Hören noch etliche Details zu entdecken gibt, freundschaftlich gewidmet.