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Stella Kola

»Stella Kola«

Aguirre Records

Verirrt sich ein Dutzend Cowboys in den Nebeln von Avalon … Scherzhaft könnte ich so anfangen, um die musikalische Szenerie zu beschreiben, durch die sich Stella Kola bewegen. Dann muss ich aber natürlich auch daran erinnern, dass sich etwa Fairport Convention vor allem zu Beginn ihrer Karriere nach Haight Ashbury träumten. Immer schon locken die jeweils fremden Gestade. Gut so, das regt die Fantasie an und schafft Begegnung. Etwas weniger verklausuliert gesagt: Bereits vor drei Jahren erschien das erste Album von Stella Kola, einem vielköpfigen Ensemble aus Massachusetts, das psychedelische Folk Music spielt und sich dabei sowohl von der amerikanischen als auch der britischen Tradition des facettenreichen Genres inspirieren lässt. Nach Erstveröffentlichung in den USA gelangten nur sehr wenige Exemplare auf verschlungenen Pfaden nach Europa und die kleine Vinyl-Auflage war schnell ausverkauft. Nun veröffentlicht das belgische Label Aguirre »Stella Kola« dankenswerterweise noch einmal, so dass alle, die damals leer ausgingen, zuschlagen können. Und wer neben den bereits erwähnten Fairport Convention noch Platz hat und sich auch an die Espers noch erinnert, sollte nicht zögern, sich Stella Kola danebenzustellen. Mit diesen Formationen sind zwei von vielen musikalischen Gruppen und Solokünstler*innen genannt, an die sich Stella Kola anlehnen. Die sind ihrerseits auch nicht wenig prominent besetzt: U. a. spielen Rob Thomas (Sunburned Hand of the Man), Wednesday Knudsen (Pigeons), P.G. Six und Willie Lane mit und instrumentieren das abwechslungsreiche und aufwendig arrangierte Album, das auch zu Zeiten, als das sogenannte New Weird America in Mode war, hätte erscheinen können. Schon damals wurden die musikalischen Archive entstaubt und allerlei vergessene oder verloren geglaubte Musik wiederentdeckt. Vashti Bunyan beispielsweise erfuhr ihre späte Würdigung und erlebte mit ihrer Musik einen zweiten Frühling. Zusammenkünfte von Stella Kola stelle ich mir auch so vor, dass, bevor überhaupt ein Instrument angefasst wird, erst einmal alle ihre jüngst ergatterten Schallplatten vorzeigen oder zumindest davon erzählen, welche seltenen und wenig gehörten Privatpressungen von Singer-Songwriter*innen, Acid-Folk- und Country-Blues-Gruppen oder anderen obskuren Bands sie im Auge bzw. Ohr haben: Bridget St. John, Shelagh McDonald, Mellow Candle, Wendy & Bonnie, Comus, Relatively Clean Rivers … Bis alle dran waren mit Erzählen, sind dann auch schon wieder drei Stunden rum. Egal, über Musik reden ist genauso wichtig, wie Musik machen, wenn die Musik gut werden soll. Und bei Stella Kola ist sie gut geworden, sehr gut sogar.

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
09.06.2026

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