a4111020939_1x1_700
Pascal Niggenkemper, Ensemble Tuvalu

»D’une rive à l’autre«

Subran musiques aventureuses

Pascal Niggenkemper ist ein renommierter Bassist und Komponist, der mit seinem Ensemble Tuvalu den Klimawandel zum Thema des aktuellen Albums »D’une rive à l’autre« macht. »Von einem Ufer zum anderen«, so der übersetzte Albumtitel, besteht gar aus zwei Tonträgern: einer Live-DVD, mitgeschnitten im Tollhaus Karlsruhe am 23. November 2024, und einer wenige Tage zuvor beim SWR Baden-Baden aufgenommenen CD, der nun nähere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das Archipel Tuvalu liegt sehr exponiert im südwestlichen Pazifik und ist angesichts seines drohenden Untergangs zu einem Symbol für den Klimawandel geworden. Niggenkempers Projekt ist eine Reflexion über die menschliche Verantwortung, wo Klang und Texte/Gedichte, gesprochen auf Deutsch, Englisch, Farsi, Flämisch, Französisch, Griechisch und Okzitanisch, den sieben Muttersprachen der Musiker*innen, ineinanderfließen. Niggenkempers Oktett gehören u. a. Mona Matbou Riahi und Ben LaMar Gay an. Es ist strukturiert in zwei Quartette bzw. vier interagierende Duos und sorgt für eine außerordentliche Klanglandschaft, die die Wettergeschehnisse, die sich über dem Archipel Tuvalu ereignen, eindrücklich nachahmt. Mittels improvisativer Techniken werden brausende, summende, zischende und viele weitere aurale atmosphärische Geräusche konzeptuell geglückt mit Spoken Word verwoben. Als Intermezzi sind Instrumentals eingebettet, die das durch die Regieanweisung Niggenkempers ohnehin abwechslungsreiche Ensemble-Spiel noch variantenreicher gestalten. Hervor stechen etwa der Ziehharmonika-dominiert irrlichternde Track Nummer 8 »Mataliki« (Akkordeons/Stimmen: Tizia Zimmermann/Artemis Vavatsika) oder Trompeten-Leergriff-Sounds über tribaler, geheimnisvoll klingender Percussion in »Tai Fanake«. John Puhiatau Pule intoniert »Fakamatamata« (»Great World«), ein Lied das ein bisschen an den großen Lonnie Holley erinnert und zugleich Todtraurigkeit und Glückseligkeit beschwört. Das Leben muss eben weitergehen, anderswo. Der Schriftsteller und Künstler Pule wurde auf Niue geboren, einem in der Südsee befindlichen Inselstaat, der 1971 mit dem 2.400 km entfernten Neuseeland einen Assoziationsvertrag schloss. Schlussendlich sei als eines der nicht wenigen Highlights auch »Sing mir, Walgesicht« empfohlen. Ein Lied von Daniela Seel, das höchst beklemmend die menschengemachte Hölle für Meerestiere (Mikroplastik etc.) anklingen lässt. 

favicon

Unterstütze uns mit deiner Spende

skug ist ein unabhängiges Non-Profit-Magazin. Unterstütze unsere journalistische Arbeit mit einer Spende an den Empfänger: Verein zur Förderung von Subkultur, Verwendungszweck: skug Spende, IBAN: AT80 1100 0034 8351 7300, BIC: BKAUATWW, Bank Austria. Vielen Dank!

Nach oben scrollen