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Natalia Beylis

»Around Here the Birds Plant the Trees«

NYAHH

Natalia Beylis lebt in Irland. Die Natur der grünen Insel liegt ihr am Herzen und inspirierte die vorliegende Komposition. Mit Viola, Geige, Cello und Perkussion changiert die Musik zwischen Folk, Drone und moderner Klassik und will als Ausdruck der Widerständigkeit gegen die industrielle Zerstörung empfindlicher Ökosysteme verstanden werden. Daher der programmatische Titel, der auf die Wälder verweist, in deren Nähe auch Beylis zu Hause ist. Aller Zerstörung zum Trotz: Die Vögel pflanzen neue Bäume, die Natur behauptet sich, kehrt (immer wieder) zurück. So die hoffnungsvolle Wahrnehmung von Beylis, die sie in den Begleittexten zum Album beschreibt. Die Verortung im Rahmen dieser Notizen ist hilfreich, denn ohne Text ist den instrumentalen Kompositionen ihr Anliegen nicht ohne Weiteres zu entnehmen. Wir wissen damit, wie die Komponistin zu ihrem Thema kommt, und können versuchen, nachzuvollziehen, mit welchen ausgesuchten Klängen sie ihrem Anliegen Ausdruck verleiht. Zart, suchend und rücksichtsvoll machen sich alle Instrumente bemerkbar, jeder Ton entspricht in diesem Sinne einer demütigen menschlichen Haltung gegenüber der bedrohten Natur, die als Umwelt nicht mehr adressiert wird, weil die Vorsilbe eine anthropozentrische Weltsicht und Dominanz semantisch markiert, die längst nicht mehr zeitgemäß erscheint. Solche kritischen Perspektiven finden sich in vielerlei musikalischen Genres und Szenen wieder, die unter dem Eindruck des Klimawandels und der fortschreitenden Verschwendung natürlicher (und endlicher) Ressourcen versuchen, die damit einhergehenden Herausforderungen und Zukunftsszenarien ästhetisch zu reflektieren. Die Musik – ob im Folk, in der improvisierten Musik, im Black Metal oder mithilfe von Field Recordings – zeichnet sich dann in aller Regel durch einen ritualistischen Charakter aus, will Meditation sein und zur Kontemplation anregen. So auch »Around Here the Birds Plant the Trees«. Das Klöppeln, Schaben, Kratzen, Summen und Rascheln der Holz- und Saiteninstrumente und die insgesamt sehr bedächtige, durchlässige und gewissermaßen atmende Ausführung der Komposition scheinen zu betonen, dass es notwendig ist, die Gangart zu ändern und ein anderes Verhältnis zu Flora und Fauna einzunehmen. Dann wird es auf lange Sicht vielleicht wieder besser im Miteinander zwischen Land und Leuten. Fromme Wünsche, könnte man meinen. Was kann Musik da ausrichten? Nicht viel, aber das ist ja gerade der Punkt: nicht dauernd wirken und damit Unheil anrichten zu wollen – und diese Besonnenheit im Rahmen einer bestimmten ästhetischen Programmatik und Praxis zu vermitteln. So wird die Welt (noch) nicht gerettet, aber mittels solcher Übungen kann ein Bewusstsein kultiviert werden, das eine Voraussetzung dafür schafft, andernorts die Kraft aufzubringen, das Ruder vielleicht noch herumzureißen. Auch dieser idealistische Gedanke beflügelt »Around Here the Birds Plant the Trees« – oder man liest die titelgebende Formulierung als nüchterne Variante der schlichten evolutionären Tatsache, dass die Natur uns nicht braucht, aber wir die Natur. Auch darüber kann man nachdenken, während man sich das Album anhört. 

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
07.09.2026

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