dinosaurdjr
Dinosaur Jr.

»There Near«

Jagjaguwar

Dinosaur Jr. klingen auf ihrem dreizehnten Studioalbum genau wie Dinosaur Jr. Gut so! Was einst bei als »Dinosaurierbands« gescholtenen Stadionrockern (Gendern überflüssig) als Vorwurf der Langeweile und Ideenlosigkeit, der präpotenten Selbstzufriedenheit und des kreativen Bankrotts gegolten hätte, darf nach 41 Jahren Bandgeschichte als Würdigung beständiger Songwriting-Qualität verstanden werden. Alles nur eine Frage der jeweiligen Fan-Perspektive? Ich glaube nicht. Selbst wenn das Oeuvre des Trios, aufs Wesentliche reduziert, nur aus dem einen Song von J Mascis bestehen sollte, so ist dieser Song nun wieder um einige Strophen, Refrains und Soli erweitert worden. Und diese neuen Parts klingen überzeugend frisch, auch kraftvoller als das Vorgängeralbum »Sweep It Into Space« (2021). Der Refrain des Openers »Several Got Away« lässt sich z. B. sofort mitsingen. So funktioniert die niemals zu unterschätzende, so populäre wie populistisch instrumentalisierbare Ohrwurmqualität. »No Friends« entrollt einen herzwärmenden Klangteppich, wenn man aufgrund falscher Freund*innen oder sonstiger widriger Umstände den Boden unter den Füßen zu verlieren droht. J Mascis, Murph und Lou Barlow dürften ihre Dreiecksbeziehung in den letzten 20 Jahren ihrer Reunion jedenfalls nachhaltig stabilisiert haben. Zwar ist Barlow ganz traditionell auch diesmal nur mit zwei von elf Songs am Start. Aber den Gesamtsound von Dinosaur Jr. macht freilich das sich blind vertrauende Zusammenspiel als Power-Trio aus. Ein Song wie »Take Me With You« revitalisiert augenblicklich die Begeisterung, die »The Lung«, »Freak Scene« oder »The Wagon« einst auslösten – und könnte auch live mühelos zwischen diesen All-time-Favourites bestehen. Kein schwaches Echo aus längst vergangenen glorreichen Zeiten also. Das Einzige, was ich bei Dinosaur Jr. schon länger vermisse, ist eines dieser langen, ausufernd mäandernden Gitarrensoli von J Mascis. In der Kurzfassung darf sein unverkennbarer Mix aus ebenso kratzigen wie betörend melodischen Soloexkursion in keinem Song fehlen. Das knappe Songformat jedoch zu überschreiten, auf Basis eines simplen Zwei-Akkord-Riffs und einer dreitönigen Bassline in Richtung Unendlichkeit surfen zu können, diese psychedelische Komponente entfaltete sich zuletzt vor 15 Jahren auf dem Studioalbum »Farm« im neunminütigen »I Don’t Wanna Go There«. Etwas in dieser Art würde ich gerne auch wieder live genießen.

Home / Rezensionen

Text
Peter Kaiser

Veröffentlichung
21.09.2026

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