Dinosaur Jr.

»Sweep It Into Space«

Jagjaguwar

Es kommt der Moment – periodisch und unausweichlich – da lächelt einem die Frage ins Gesicht: »Was machst du eigentlich mit deinem Leben?« Kombiniert mit der beißenden Nebenfrage: »Und was soll der ganze Scheiß überhaupt?« Puuuuh. Okay, also ja eh, ich mein’ … »Nein, keine Ausflüchte, ernsthaft!« Ogottogott. Gegenfrage: Gibt es darauf überhaupt gute Antworten? Ja, oder zumindest vielleicht. Joseph Donald Mascis Jr. aka J Mascis hat die Antwort gefunden, er spielt seit über 37 Jahren E-Gitarre. Er hat diese Band Dinosaur Jr. (das »Jr.« hat übrigens nix mit Mascis’ Namen zu tun, sondern wurde angefügt wegen eines Rechtsstreits mit der Band Dinosaurs) gegründet. Die Dinosaurier (langsam passt der Name) machen seit bald vier Jahrzehnten (ja, wir werden alle älter) ein und dieselbe Platte. Diese Platte ist jedes Mal wieder gut. So auch 2021 »Sweep It Into Space«. Kaum aufgelegt, umhüllt die Hörer*innen ein samtweicher Flaum aus Gitarrensound, der das bei Rock eher seltene Gefühl vermittelt, genau das Richtige zu tun. Nämlich jetzt nichts anderes zu machen, als einfach mal diese Platte zu hören. Der Sound ist krachig und melodisch. Die Stimme von J Mascis säuselt ihr Programm an Lebensproblemen runter, dem kann man versuchen zu folgen oder auch nicht. Wir haben alle diesen Kram, über den wir so nachdenken müssen. Es ist ja auch eh gut drüber zu reden, aber wichtiger ist das Gitarrenspielen. J Masics hat nie einen Hehl draus gemacht, dass er mit dem ganzen Kram nicht zurechtkommt. Eigentlich ging es ihm immer scheiße. Erfolg bringt da nicht viel. Er ist dann in das Haus des Vorbild-Buddhisten Robert Thurman (nicht nur verantwortlich für die Zeugung, sondern auch für den seltsamen Vornamen von Uma उमा Thurman) gezogen. Dann holte J Mascis sich mit Mata Amritanandamayi noch Unterstützung von Guru-Seite. Die hier gefundene spirituelle Ruhe ist ihm zu gönnen und alle Hörer*innen profitieren davon, wenn sie Dinosaur Jr. lauschen. All diese Fragen treten in den Hintergrund und ein Aufgehobensein im formlosen Strom krachig-melodischen Daseins wird erlaubt. Herrlich und wirklich erhebend. Nach dem Aufwachen kann, wer will, sich die Frage stellen, weshalb Spiritualität fast immer etwas mit Reichtum zu tun hat. Aber ach, das sind halt alles so Fragen und Guru Mata Amritanandamayi sagt dazu schließlich auch lieber nix mehr.